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Full text of "Beiträge zur geschichte des lateinischen ablativus [microform]"

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MASTER 

NEGA TIVE 
NO. 93-81316 




MICROFILMED 1993 
COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES/NEW YORK 



as part of the 
"Foundations of Western Civilization Preservation Project" 



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A UTHOR: 



ZIELER, GUSTAV 



TITLE: 



BEITRAGE ZUR 
GESCHICHTE DES 

PLACE: 

BONN 

DA TE: 

1892 



COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES 
PRESERVATION DEPARTMENT 

BIBLIOGRAPHIC MICROFORM TARGET 



Original Material as Filmed - Existing Bibliographie Record 



Master Negative # 



1877.66 

'Z8 
I V.2 



Zieler, Gustav» 1809- 

Beiträge zur geschichte deo lateinischen ablati. 
Tus, dissertation vorgelegt von Cu??tav Zieler... 
Bonn, Georgi, 1892. 

88 p. 22^- cm. 

Thesis. Leipzig, 
Volume of theses. 



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1.8 


1.4 


1.6 




MPNUFRCTURED TO flllM STflNDRRDS 
BY fiPPLIED IMAGE, INC. 




V^- 2 



Beiträge zur Geschichte 



des 



Lateinischen Ablatiyus. 



/ 



Iiiauffural-Dissertation 



zur 



Erlangung der Doctorwürde 

bei (lor 

pliilosopliisclioii Fakultät <ler Uuivi'isität Li^\\y/A^ 

vorii'elcii't 



von 



Gustav Zieler 

aus Mandel niri»-. 



Bonn, 

Uiiiversitäts-l>iu*li(lruc*k('.r(M von Carl Oeor«j;'i. 

1892. 



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V 




T 



Einleitung. 



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V 



•/ 



Zur Geschichte der Lehre vom Ablativus. 

Die folgeiide Ahhandliin^* will versuchen, die Entsteluin^c^ 
des lateiiiiselieii Ablativus darzustellen. Ehe wir aber an die 
Betrachtung der einzelnen Fra^-en i;ehen, wollen wir in einem 
gedrängten Überblick zeigen, wie sich die Ansichten über die- 
sen Kasus von den Zeiten der nhiiischen Grammatiker bis auf 
unsere Tage entwickelt haben. 

Wer den Namen 'Ablativus' erfunden hat wissen wir nicht: 
der erste, der ihn gebraucht, ist Quintilianus (cf. llübschmann : 
z. Kasuslehre \). 29. a. 2). Varro, der ihn überhaupt nur ganz 
ilüchtig berührt, nennt ihn (de 1. 1. X 62 M.) casus sextus, 
qui est proprius Latinus (cf. auch Consentius V 351, 9. K.). 
Dass er ein speziell lateinischer, von den Römern erfundener 
Kasus sei, bleibt auch die Meinung fast aller späteren Gram- 
matiker (z. B. V 171, 8if. Pompeius. 351, 9 Consentius). 
Priscianus dagegen meint, dass die Römer auch hierin dem 
griechischen Vorbilde gefolgt wären (II 187, 11. III 418, 20). 
Schon früh fiel es auf, dass man mit dem Ablativus die ver- 
schiedenartigsten Beziehungen ausdrückte, und dieses gab die 
Veranlassung, dass a diligentioribus (Charisius I 154, 6 = 
Dositheus VII 392, 9) noch ein casus septimus aufgestellt 
wurde. Als Ablativus s. casus sextus gilt den Vertretern dieser 
Ansicht der Kasus mit der Präposition 'ab*, dem casus septi- 
mus weisen die verschiedenen Grammatiker verschiedene syn- 
taktische Verbindungen zu. Zusammenfassend und ausführlich 
über den Unterschied beider Kasus spricht besonders der Gram- 
matiker Diomedes (I p. 317, 23 ff. = Dositheus VII 392, 4fr. 
K.). Er giebt vier Fälle für den septimus an: 1) cum in per- 
sona aut in loco aut in re intellegitur, 2) cum duo ablativi copu- 
lati genetivo Graeco interpretentur, 3) cum hanc figuram Grae- 



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T 



eam eXiribi tou buvacr0ai, Ttpoaipt'aei toö Xr|(TTeueiv, (TxrmaT 
Tou eiTißouXeutiv Latiiie dixeriiiins: spc i)(>}>sc, voliiiitatc latro- 
einandi, consilio insidiandi, 4) (ut KScaiinis retiilit) ciini Lati- 
num eloqiiiiim in qiiodaiii verbo deficit, velut in illo övto^, 
o\Jar\(;j övTuuv. oucrüuv. Die Aleiirzalil der Grannnatiker aber 
ist der Ansieht, dass 'inter ablativuni . . et inter septiniiini 
praepositio sola diseretioneni facit' (IV 492, 16). Da es nun 
noeli Redewenduni;en ^ü:ab, die aueb dureb den septinms nicht 
l)ewältigt wurden, so wird 'in quibuschmi artibus non (inideni 
frequentatis* (Ponipeius V IH^) z. 32) noch ein casus octavus 
angenommen. Diesem werden Ausdrücke wie Mt clamor caeb», 
subeunt muro, propincpio nmro, ceHae vado'; aber aucli 'dii;- 
nns munere, maetus virtute' zugewiesen (cf. V \^4 Si'. V 44, 
17. V oöl, loff.). Er tand jedocli wenig* Anerkennuni;"; viele 
hielten ihn nur für ein genus elocutionis (cf. Pomp. 1. 1.). Der 
septimus jedoch wird von der Mehrzahl für notwendig* gehal- 
ten. Nur Priscianus verwirft ihn (II 190, :>ff'. K.) als etwas 
satis irrationabile', weil das Fehlen der Präposition durchaus 
nicht die Bedeutung; eines Kasus verändere: als Beispiel für 
diese Behauptung führt er den Akkusativus an (\. 1. neque 
eniin, cum accusativo casui niultae praepositiones solcnt adiungi, 
alias est, quando ha})et eas, et alius, quando absque bis pro- 
fertur). 

Die grammatische Forschung der folgenden Jalirhunderte 
kr>nnen wir als bebanglos bei Seite lassen; wir gehen sofort 
auf das 19. Jahrhundert über. 

Im 19. Jahrhundert spaltet sich die g^ranmiatiscbe P^or- 
schung in zwei Richtungen: die ])]iilologische und die histo- 
risch-komparative. Die richtige Erkenntnis über den lateinischen 
Ablativus konnte nur von der letzteren ausgehen. Die der 
ersteren Richtung angehörenden Forscher begingen den Irrtum, 
dass sie von der Sprache als etwas Gegebenem, nicht als etwas 
Gewordenem ausgingen. Sie betrachteten daher formell den 
Ablativus als einen einheitlichen Kasus und konnten so in ihren 
syntaktischen Systemen trotz allen Scharfsinns nicht zu der 
richtigen Erkenntnis der Natur unseres Kasus kommen. Die 
Arbeiten G. Hermanns, der Lokalisten und Rum})els (über welche 
Hübschmann a. 0. p. 4511'., p. 48 — 78), bedeuten also für 
unsere Frage keinen Fortschritt. Der richtige Standpunkt 
wurde erst gewonnen, als durch Bopp's Forschungen über die 



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4^ 



7 - 



indogermanischen Sprachen 8 Kasusformen für die indog. Grund- 
sprache erwiesen waren. Die Behauptung, dass unter dieser 
Voraussetzung man auch für die lateinische Sprache 8 Kasus 
als einst vorlianden annehmen müsse, war die notwendige 
Schlussfolgerung: Lassen hat im zweiten Jahrgang des alt. 
Rhein. ]Mus. (18o4) ]). 148 zuerst in einer beiläutigen Bemer- 
kung dies ausgesprochen und damit für die lateinische (bezw. 
italische) Sprache einen Instrumentalis und Locativus in An- 
spruch genonnnen. Weissenborn (Neue Jahrbücher f. Phil. u. 
Päd. 1845 p. :)41. o. Heft) sprach diese Meinung noch bestimm- 
ter aus, indem er sagte, dass im Lateinischen sich die lokale 
und instrumentale Form im Ablativus vereinigt hätten. 

Jacobs (Ztschr. f. d. Gymnasialwesen 1847 p. lOo II. Heft) 
hält zwar den Ablativus für einen durchaus ursprünglichen 
Kasus, da „die Neubildung einer Kasusform in verhältnismässig 
später Zeit an sicli sclum unwahrscheinlich ist", hält ihn aber 
für einen einheitlichen Kasus, so dass seine Ansicht ein Rück- 
schritt ist. 

Doch bricht sich die richtige Erkenntnis jetzt rasch Bahn. 
Ein Progranmi von Hiecke (1854. Greifswald, städt. Gynm.) 
steht auf dem Standpunkte von Weissenborn und fordert Ein- 
führung der neuen Erkenn^iis in die Kasuslehrc des Latei- 
nischen, Griecliischen und Deutsclien, ein Verlangen, welches 
Lattmann und Müller (Schulgrannnatik 2. Aufl. ti'. 1863) teil- 
weise zu verwirklichen suclien (cf. Vorrede u. Vorbemerkung 
zum Ablativus). 

Auch die Namen svnkretistischer und Mischkasus ent- 
stammen dieser Zeit: Pott (Präpositionen p. 16. 1859) ertand 
den ersteren, und Curtius (Verhdlg. d. Meiss. Phil.-Vers. 1868 
p. 49) schlug den zweiten vor. Es handelte sich nun noch 
darum, vom Standpunkte des vergleichenden Sprachforschers 
aus den Versuch zu machen, die verschiedenen Arten des la- 
teinischen Ablativus auf je einen der drei ursprünglichen Kasus, 
Ablativus, Instrumentalis, Lokativus zurückzuführen. Diese 
Aufgal)e löste in vorzüglicher Weise Delbrück 1867 in seiner 
bekannten Abhandlung 'Aldativ. Lok. Instrum. im Altind. Lat. 
Griech. u. Deutsch.'. Die Norm fand er in dem Sprachge- 
brauch des Altindischen. 

Weiter wollen wir diesen Überblick nicht ausdeinien; wir 



T 



hoffen, die wichtigsten seitdem über unser Thema erschienenen 
Schriften unten bei den einzehien Fragen zu erledigen. 

Wenn man also die Geschichte des lateinischen Ablativus 
darstellen will, so muss man zugleich auch über die Schicksale 
des Instrumentalis und Lokati vus handeln und untersuchen, wie 
weit deren Formen in denen des 'Ablativus' enthalten, wie 
weit ganz verschwunden bezw. in Form von Adverbien erhalten 
sind. Demgemäss wird unser erstes Kapitel die Geschichte 
des Ablativus, Lokalis und Instrumentalis — Singularis und 
Pluralis getrennt — behandeln. Das zweite Kapitel soll unter- 
suchen, wie es mr»glich war, dass diese drei Kasus sich ver- 
mischen konnten und ferner, so weit dies angeht, darthun, in 
welcher Zeit dieser Synkretismus vor sich ging, ob schon in 
der Zeit der italischen Sprachgemeinschaft, oder erst auf dem 
Roden der lateinischen Sprache. 



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I. Kapitel. 

A. Die Formen des Singularis. 

§ 1. Geschichte des Ablativus. 

Bopp hatte, als er für die idg. Grundsprache aclit Kasus 
postulierte, auch eine besondere Form des Abi. Sg. für alle 
Stänmie (auf -at) aufgestellt. Eine solche wiesen von den idg. 
Sprachen nur das Iranische und das Italische auf, in den an- 
deren Sprachen hatten nur — soweit überhaupt ein Ablativ 
vorhanden war — die -o-Stämme eine ])esondere Form, wäh- 
rend die anderen Stannnklassen Abi. und Genetivus gleich bil- 
deten. Bopps Ansicht blieb lange die herrschende. Erst 
Hübschmann (Zur Kasuslehre p. 78 f.) warf die Frage auf, ob 
nicht vielmehr das Avesta und Italische eine Neubildung ein- 
geführt hätten, und die idg. Grundsprache auch nur einen 
besonderen Ablativus bei den o-Stämmen gekannt habe, zumal 
ja der ältere avestisehe Dialekt, derjenige der gapäs im Wesent- 
lichen (cf. Bartholomä Hdbch. p.89) dieselbe Beschränkung zeigte. 
Diese Ansicht hat dann weiter ausgeführt Leskien (Deklin. 
p. 35 f. und XXIX. cf. auch Osthoif M. ü. II 106) und seit- 
dem ist sie anerkannt. 

Wir müssen demnach die o-Stännne getrennt von allen 
andern behandeln. Ferner trennen wir in der Besprechung 
die Formen auf -d von ihren Nachfolgern ohne -d bei allen 
Stammklassen. 

I. Der Ablativus auf -d. 

1) Die o-Stämme. 

ai. vrkäd 

av. g. d. spentäp 

j. av. vehrJcäp (daneben auch z. B. yimap mit dem 

Ausgang der kons. St.) 



V 



— 10 — 



— 11 



I 



li 



npers. Ixär-cl 

lit. rilko 

aksl. vlula 

p'iecli. iL, ÖTTUJ 

^oriii. ^ot. vulfa, nfehia 
alul. wnlfii. ntin 
aisl. ulfe^ nlß 

ital. lat. Gnaivod 
osk. sakaraklüd 
uiiil)r. pcrsklu pesa-lu. 

Zweitclliatt ist, ob die an^^cfülirten f;erniaiiis('li(Mi Forineii 
eelite Ablative sind, ob vielleieht Instniinentale, Dativ e, [.oka- 
tive. Die Fra^^e ist in letzter Zeit wiederholt behandelt (et'. 
Seliniidt: Fest^rnss an 0. v. ßöthlin^k. p. 100 f., Klui;-c: 
Pauls Grdr. p. 3^6, ö) n. 6), Brui>inann: Grdr. 11 §241 §246 
§ 2(i:], Collitz: B. B. 17 p. 18, Wiedeniami: K.Z. ;U, 48211'. 
:)2 p. löl tfV), aber zn verwiekelt, nni liier näher besproehen 
zu werden. Die andern europäisehen Formen weisen auf eine 
idp:. Ablati vendun«;' "^-öcl idg*. ^'u/qöcL Nur die baltisehe For- 
mation macht hierbei Sehwieriirkeiten, da id<r. -ö sonst zu lit. 
-i( wird, lit. -0 da^^e,i;-en auf id^'. -a weist. Diese Er\väi;un^^ 
führtt^ denn auch Mahlow (Die lang-en Vok. etc. p. loOtl*.) 
dazu, von idg*. Ablativen auf -ad auszugehen. Die F(u-men 
der anderen europäisehen Sprachen, die nnm bis dahin für die 
Naehkonnnen der alten Ablative gehalten hatte, musste er durch 
andere ersetzen, die sich auf *-ad zurückführen Hessen. War 
das schon in den Sprachen, welche den Ablativus nicht mehr 
als lebendigen Kasus bewahrten, schwierig, so besonders im Ita- 
lischen, wo doch die lebendigen Ablative auf -öd lautg^esetzlich 
nur aus *-öc? erklärt werden konnten. Sie mussten als jüngere 
Neubildung^en erklärt werden, da man nach Übertragung der 
Ablativendung auf die femininen r^Stämme eine Unterschei- 
dung der Geschlechter n/Hig hatte 'mask. ntr. fem. *-rtf?>masc. 
ntr. -ödy fem. -äd nach dem Muster anderer KasuH). Doch 
hätten sich die Si)uren des alten Al)latives noch in isolierten 
Formen erhalten: lat. extrad, osk. elitrad. etc. Mahlow tand 
vorläutig keine Anerkennung. Man zweifelte vielmehr an der 
Giltigkeit jenes litauisch(ni Lautgesetzes, bezw. suchte die be- 
sondere Behandlung des idg. *-r> bei vÜko etc. durch beson- 
dere Gründe zu erklären. So sah Osthotf (M. U. II 121) in 



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der verschiedenen Akzentuation die Ursache des Unterschiedes 
von abl. gen. sg. vUhd und nom.-akk. du. v'ilkü. Ferner bezwei- 
felte Leskien (Sitzgsber. d. k. säclis. Ges. d. W. 1884 p. loo) 
das Lautgesetz, dass idg. ö zu lit. u werden müsse. Dann 
bemühte sich Stadelmann Cm seiner noch (ifters zu erwähnen- 
den Dissertation: De quantitate vocalium latinas voces termi- 
nantium 1884 p. 22j die strittigen litauischen Formen als laut- 
gesetzliche Nachfolger indogermanischer Ablative auf -od zu 
erklären. Job. Schmidt (Festgr. p. 100) trug ebenfalls Be- 
denken, sich (ganz) auf Mahlows Seite zu stellen, wenn er 
auch meint, man müsse mit M. 's Ansicht rechnen, so lange die 
litauischen Formen nicht befriedigend erklärt wären. Stolz 
endlich (Lat. Grannn.- p. ;U2) lässt sich von Mahlow ebenso- 
wenig ü])erzeugen, wie Brugmann (Grdr. 11 p. 591 § 241): 
Dem Litauischen gegenüber begnügen sie sich ndt einem vor- 
läutigen non liquet. 

Neuerdings hat jedoch die Mahl(>w'sche Hypothese zwei 
Verteidiger gefunden. Der eine ist P. Kretschmer, welcher 
sich K. Z. ol, 457 tf. zu einem idg. A]>lativus auf *-rtf? be- 
keimt. Die griechischen Adver])ia, die schon Job. Schmidt 
a. 0. gegen Mahlow geltend gemacht hatte, wie lokr. iL, öttOu, 
ferner dor. ttOl), toutiu, auiOü, irivüu haben nach ihm die Qua- 
lität des Vokals vom Instrumentalis bezogen; ein Rest des alten 
Ablativus auf -ad ist vielleicht (h)r. eKaii hom. eKr|Ti: „eKax- 
= ai. rdsat, 'auf Wunsch von, um des willen '^^ Zweifelhaft 
scheint ihm auch, dass die Kontraktion von -o -1- ad im Idg. 
-od ergeben habe. 

Der andere ist 11. Hirt (Idg. F. I p. 24 f.). Die iso- 
lierten lateinischen Formen : extra, contra, intra, cifra, ultra; 
exträd, supräd verglichen mit den gotischen Adverbien auf 
-pro: haprö, papro, jainprö, aljaprö, die sämtlich ablati- 
vische Bedeutung haben, erweisen nach ihm ein idg. -träd^ 
welches natürlich nicht dem Femininum zugewiesen werden 
kann. 

Den litauischen Auslaut hat nun kürzlich Wiedemann 
genauer untersucht (K. Z. }\2 p. lOOtf. vgl. auch: Das lit. 
Prät. p. 4511*.) und ist zu dem liesultate gekommen, dass „ein 
durch einen auslautenden Konsonanten ausser Nasal gedeckter 
langer Vokal im Litauischen ebenso vertreten wird, wie in 
nichtauslautender Silbe (cf. stöti, mergös)^. Im Wortinnern 



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— 12 — 

aber ist idg. ö =■ lit. ö; daher „sind wir berechtig:! anzAi- 
iiehnien, dass auch -ö in id^. -öt . . . durch lit. -ö vertreten 
wird". Wenn diese Aufstellungen den Beifall der litauischen 
Sprachforscher finden, so wäre damit den Hypothesen und Fol- 
gerungen ^lahlows der Boden entzogen und ein idg. Ablativus 
auf ^-ad als unmöglich erwiesen. Wir wollen indessen kurz 
auf die andern Einwände eingehen. 

€KaTi f€Kr|Ti) erklärt man passend als Instrumentalis auf 
idg. -in mit Hirt (a. 0. p. IT). Die von Hirt (und auch schon 
von Mahlow) zu Gunsten eines idg. -äd angeführten lateini- 
schen Adverbia sind in Wirklichkeit Abi. sg. fem., wie mir 
folgende Erwägung zu beweisen scheint. 

Der Grund, warum die Formen auf ^-träd^ wenn wir sie 
einmal als alte indog. Erbstücke anerkennen, die Umwandlung 
des -ad > -od nicht mitmachten, kann nur sein, dass sie nicht 
mehr als Ablativ masc. empfunden wurden; die zu ihnen ge- 
hr>rigen Adjektiva (^exterus oder *exter':') müssten also schon 
damals ausser Gebrauch gewesen sein, als die Umformung des 
-cid erfolgte. Dann könnten aber nur Adver})ien auf -{f)7'cld, 
(t)m existieren, keine auf -(f)röd, -(t)rö. Dies ist aber be- 
kanntlich nicht der Fall, sondern beide Arten kommen auch 
bei demselben Stamme und in demselben Dialekte nebenein- 
ander vor. Das sicherste Zeugnis für -tröd ist osk. contrud. 
Auf dieses Wort gestützt, können wir dann auch wohl hifro 
neben iyitra^ ultra neben nitra, citro neben citra, contro- (in 
contro-rersiae) neben contra als Ablativadverbien erklären, 
statt mit Breal (Mcm. de la soc. de ling. VI 168) an Analo- 
giebildungen nach den seiner Meinung nach dativischen quo, 
eOy aliquo, alio zu denken. Doch wie es nut diesen auch 
stehen mag, ich meine contrud nötigt uns zu der Annahme, 
dass die entsprechenden Adverbia auf -{t)rad nichts weiter 
sind als Ablativi fem., und dass der Ursprung dieser beiden 
Klassen in verhältnismässig späte Zeit zu setzen ist. 

Von Seiten des Lateinischen und Griechischen dient so 
der Einsetzung eines idg. -ad als Endung des Abi. sg. masc. 
nichts zur Stütze. 

Auch die Imperative auf lat. -förf o^k. -ttcd, mnhr. -tu, -tu 
kann man gegen jene Hypothese ins Feld führen. Ihr nomi- 
naler Ursprung ist wohl allgemein anerkannt (cf. Brugmann 
M. ü. I 163 ff. III 3. anm. bezw. Scherer: Z. G. d. d. Spr.i 



^ 



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V 



V 



-- 13 ~ 

p. 220 f. und Gaedicke : Akkus, im* Veda p. 225, Thurneysen 
K. Z. 27, 197 f.) und bei beiden Erklärungsversuchen wird man 
sich docli schwer zu der Annahme entschliessen, dass ihr no- 
minaler Charakter noch lebendig genug war, um sie an der- 
artigen Analogieprozessen, wie sie für das Griechische und 
Italische behauptet werden, teil nebmen zu lassen. 

Neben den Ablativen auf idg. Aöd gab es soche nuf -ikl. 
Auch hievon finden sich Reste im Italischen. 

fal. rected 

osk. amprußd 'improhe' 

umbr. rehte 

lat. facillumed. 

Es sind nur Adverbia: in ihre Entstehung hat Job. 
Schmidt (a. 0.) Licht gebracht. Die indische Adverbialbe- 
tonung war nach ihm die, dass Adverbia barytonierter Stännne 
oxytoniert waren, solche von oxytonierten Stännnen dagegen 
barytoniert: es lagen also neben einander Kasus auf ±öd und 
Adverbia auf -ed, Kasus auf -ed und Adverbia auf ±öd. Nach 
Aufgabe der alten Betonung wurde dieser Zustand geregelt, 
da er jetzt als gesetzlos erschien. Die Formen auf -^^ -ed als 
Instrumentale bezw. Ablative wurden aufgegeben: Die leben- 
digen Kasus bildete man nur auf -ö, -öd. Die Formen auf 
-tj -ed erstarrten daher zu Adverbien. Adverl)icn auf -ö, -od 
konnten neben den gleichlautenden Kasus bestehen bleiben, 
da sie eben auch als lebendige Kasus gedeutet werden konnten. 
So erklärt sich das Nebeneinander von Adverlnen auf -e und 
-ö, Avas sich sogar bei einem und demselben Stamme findet: 
certe und certö, vere und verö, consulte und consulto (cf. 
Schmidt a. 0. p. 105 f.). 

2) Die anderen Stämme. 

Im jüngeren Avestä und im Italischen wucherte nun 
von den o-Stämmen aus der Al)lativus auf -d weiter und er- 
griff allmählich alle Stämme. Wir notieren zunächst aus bei- 
den Sprachen einige Beispiele. 

Avestisch Italisch 

1) rt-St. zaoprayäp Lat. praldäd 

osk. eitiuväd toi^tad 
umbr. tuta tota 



1 



^ I v^ 



Avestisch 

2) w-St. bazaop 
n. häzvap 

3) i-8t. garöip 



4) coiis. St. mancmhap 



- 14 - 

Italisch 
Liit. magisfrafüd 
08k. castrid 
iiinbr. trefi ?wawi 
Lat. marid 
osk. slaagid 
iimbr. piini ^ow/* 
Lat. airld 
osk. praesentid u. //(/wc? 
iimbr. pe6?-i persi. 
Wir haben diese Reihenfolge gewählt, weil wir bei den 
anderen beiden Kasus in unserer Darstellung dieselbe aus i)rak- 
tisehen Gründen eingeführt haben, nicht weil wir andeuten 
wollten, dass die Neubildung des Ablativus diesen Weg ge- 
nommen habe. Dieser ist im Avestischen wahrscheinlich ein 
anderer gewesen, nändich: a-Ht, — cons. 8t. ■ — /'- und ?^-St. 
(Bartholomae Ar. Forsch. I 74 f.). Im Italischen, wo andere 
Ursachen die Übertragung des Ablatives hervorriefen, war der 
Hergang dieses Prozesses aucli wahrscheinlich ein anderer als 
im Avestischen. Hier wird zu gleicber Zeit die Neubildung 
bei allen Stämmen eingetreten sein. Ich denke mir nändich 
mit Brugmann (Grdr. II § 24:5 ]). r)9:>) den Verlauf folgender- 
massen: die nahe syntaktische Verwandtschaft (über welche 
wir im Kap. II des näheren bandeln werden) von Instrumen- 
talis und Ablativus hatte zur Folge, dass bei den o-Stämmen 
Instr. auf -ö in ablativischer und instrumentaler, Ablative auf 
-öd in instrumentaler und ablativisclier Funktion neben ein- 
ander lagen. Es trat also, als man den Ablativus der nicht 
o-Stännne neu bilden wollte, zu gleicher Zeit das Bild des 
Instrumentalis ins Gedächtnis und diente so zum Muster: man 
schuf daher zum Instr. auf -ä Abi. auf -ad, zu ü Abi. auf -üdj 
zu i Abi. auf -id, und zu -e (Instr. d. kons. St. cf. unten 
p. 43) Abi. auf -ed'^ sämtliche Ablative mit langem Vokale wie 
beim Instrumentalis. Diese neuen Formen wurden mit Aus- 
nahme der Ablative der konsonantischen Stämme (über die 
w-St. im Osk. u. Umbr. cf. imten p. 16) in die dialektischen 
Einzelentwicklungen unverändert übernommen. Diese Stamm- 
klasse jedoch Hess schon im Uritalischen eine Umwandlung 
eintreten: zwischen den i-St. nändich und den kons, riss all- 
mählich eine immer gn'issere Verwirrung ein (cf. u. a. Brug- 



r 



r 



\ 



i 



V 



- i(^ - 

mann Grdr. II § 102 p. 290 u. § 396 p. 727) und das Ge- 
füld der Verschiedenheit beider Klassen wurde erschüttert. 
So bildete man, wie andere Kasus auch den Ablativ der 
kons. Stännne nach dem Musternder /-St. um: -e(/ verschwand 
und -id trat an seine Stelle. Dieses ging in die verschiedenen 
Dialekte über als einzige Form des Ablativus. Nur das Os- 
kische Hess eine weitere Änderung eintreten; weil hier die 
kons. St. mit den o-St. im Gen. u. Akk. sg. gleiche Form 
zeigten, so bildete man auch den Ablativus bei beiden gleich: 
sakarakleis, sakaraklüm : Higeit^j Higoni = sakaraklüd : Ugud. 
Daneben aber blieb die alte Form bestehen : j;rrt^.se/if/f/, akrid, 
fal. opid. Dieses -id hatte langes -/*-. Osthoff ninnnt an (M. 
ü. II 108 a. u. 146), dass -id im Oskischen kurz sei und im 
Lateinischen erst nach dem Muster der andern Stänmie Län- 
gung eingetreten sei, wofür die Ablative auf -ei, -i Zeugen 
wären. Zu dieser Annahme zwingt uns aber nichts, Avenn wir 
den oben beschriebenen Verlauf annehmen. Die Form auf -ed 
allerdings ist lediglich konstruiert, im Latein wie in den Dia- 
lekten sind nur Formen auf -2c^ überHefert. Denn die Ablative 
auf -ed auf der Inschrift der Columna rostrata halte ich nach 
wie vor für Unformen. Es sind nämlich neben airid (C. I. L. 
I 61) [wo] mi7iid (ib. 193) coventionid (ib. 196, 23) hovid 
(Bormann : Miscell. Capitol.) auf der genannten Inschrift (C. I. L. 
I 195, 2. 9. 10) überHefert: {ohddione)dy praesente{d) dicta- 
tored und von einem /-St. navaled (ib. z. 14). Bis vor kur- 
zem raass man diesen Formen deswegen kein Gewicht bei, 
weil man die Inschrift lediglich für ein Produkt antiquarischer 
Gelehrsamkeit der Grjunmatiker des Kaiser Claudius hielt. Kürz- 
Hch hat aber Wöltilin Münch. Sitzgsber. 1890 p. 293 ff. infolge 
von Bedenken, die er besonders dem. Sprachschatz entnahm, 
die Inschrift für eine A])schrift des Originals (und zwar ent- 
standen schon unter Augustus) erklärt. Danut aber liaben 
speziell unsere Ablative nichts an Glaubwürdigkeit gewonnen. 
Der Kopist hat nicht völlig buchstabengetreu abgeschrieben; 
er hat, wie W. selbst nachweist, (cf. p. 309) das -m und -x 
verallgemeinert gegenüber dem Schwanken im Original : dann 
aber muss ihm, worauf mich Herr Prof. Brugmann aufmerk- 
sam macht, auch zugetraut werden, dass er gegen das Original 
überall -d setzte. Er musste von seinem Standpunkte aus ein 
dictatore etc. für eine jüngere Form halten gegenüber den 



"^^ 



V 



- 16 - 

Formen mit -d, er mnsste es eben so ansehen, wie eqtiö 
ge^'enüber equöd, und so schrieb er denn sein dktatored in 
derx\bsicht, die Schreibung- conseciueuter zu gestalten, und in 
der Meinung, die Altertümliclikeit noch zu erh()hen. Wir 
k(")nnen also nur sagen, dass wir durch die Inschrift der CoL rostr, 
ein indirektes Zeugnis mehr für die frülie Existenz der „Ablative*^ 
auf -£^ gewonnen haben, die Formen auf-e^^ aber haben im Latei- 
nischen niemals existiert. Aber ebenso wenig auch ein Abla- 
tivus auf -ul (wegen antid und postkl z. B." Breal, xMem. de 
la soc. d. 1. V p. 43,-] : anüd = ante id), von welchem aus- 
gehen Bücheier: Grdr. d. lat. Dekl. p. 9Gf. u. Osthoff M. ü. 
II 108 a. 14G, die allerdings daneben lateinische Formen nut 
-l- ansetzen, Misteli: Z. f. Völkerps. 14 327 f., Havet- Moni 
VI 105 f. 

Die ?^8t. bildeten den Ablativ im üritalischen auf -üd: 
dieses -üd wurde im Ümbr.-Samnit. jedentalls lautgesetzlich zu 
-id bzw. -/-. Vgl. zu diesem Lautwandel: nmnim, him, statif 
(osk.) und sif\ pir (und>r.) (cf. auch Breal: .Alem. 1\^ p. 1381'., 
Büchcjer: ümbr. p. 179, Brugmann: (Irdr. II p. 594 § 243,' 
I § 57 p. 47). Die näheren Bedingungen sind noch nicht 
efunden. 

Von den Worten der sog. V. Deklination des Lateini- 
schen fehlen Beispiele für den Ablativus auf -tZ; doch liegt 
der Grund vennutlich nur in der Kärglichkeit des Materiak\s. 

Kurz vor der Authisung der italischen Urgemeinschalt 
waren also vorhanden Ablative auf: -öd (o-St.) -ad (^/-St.) -üd 
(w-St.) -id (-/-8t.) -id (kons. 8t.) -nl (bezw. -ied) („V. Dekl."). 

Betrachten wir nunmehr, wie sich diese Formen in den 
einzelnen Dialekten der italischen Sprache weiter entwickelten. 

IL Die Schicksale des Ablativus in den Einzel- 
dialekten. 

1) Das Lateinische 

hat den -(Z-Ablativus nur auf einigen alten Inschriften erhalten 
in folgenden Beispielen. 

C. I. L. I 19 Benveiitod 24 Ladlnod (ebenso 50G) 30 
Gnawod 32 mereto[d] (ebenso 190 VI 47G. Notizic d. Scavi 
1890 p. 10) Gl airid (XIV 2123) G3 praldad (04 XIV 2b 77 



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V 



I 



- 17 - 

cf. auch praedad I 195 17) 181 moUatkod 193 [no]mi7iid 
[ob]latud 195 {Col rostr,^ 5 pucnmidod Z. 10 alfod Z. 17 
praedad mac[istratud\ Z. (5 u. 10 marid 19() (Sen. cons. de 
Bacch.) Z. 15 [o\quoltod, poplkod Z. 1(3 pveivatod Z.9 17 21 
sententiad Z. 12 maghtmtud Z. 23 coventionid 530 Hinnad 
IX 782 (= Eph. ep. II 298) ioudkatod, loucarkl XIV 2892 
sed (I 197 Z.21) 4210 ßiod. Lex Spolet. (Bormann: Miscell. 
Capitol.) eod, bovid. {opeinod devmcam ted. cf. Rendic, d. 
Acad. d. Lincei 1890 p. 253 ff. wohl richtig von Comparetti 
als Verschreiben gedeutet statt opeino, decincam ted). 

Das -d schwand schon früh nach langem Vokal. Den 
Zeitpunkt dieser Erscheinung haben genauer festzusetzen ver- 
sucht z. B. Bücheier: Grdr. d. lat. Dekl. §227—231. Jor- 
dan: Ind. Regim. 1884 (cf. auch Breal Mcm. IV 403 f., Wöllflin: 
Rev. crit. XIV i). 113 ff. 122). In den literarischen Denk- 
mälern der ältesten Zeit ist uns handschriftlich kein mmiinaler 
Ablativus auf -d erhalten. In welchem umfange beim Beginne 
der lateinischen Literatur das -d noch erhalten war, si)eziell 
ob man berechtigt ist, es bei Plautus einzuführen, das ist eine 
der schwierigsten Fragen, , die wir hier unnK'iglich genauer 
erörtern können. Ich glaube al)er, dass Büchelers prinzipieller 
Standpunkt (§229 230 und§231j richtig ist, und dass Klotz 
(Alti-öm. Metrik p. 24) zu weit geht, wenn er sagt, dass der 
Sprache des Plautus 'schwerlich solche altertümlichen Formen 
eignen, die wohl vereinzelt noch in Inschriften aus plautinischcr 
Zeit sich vorfinden, wie die Ablativendung -ad^ -od, -kl\ Wir 
müssen vielmehr dem Plautus beide Formen zutrauen: lebteer 
doch, so viel wir aus den geringen inschriftlichen Resten 
sehen können, gerade in der Zeit des Übergangs, so dass er 
sowohl selbst j'ene Formen gekannt haben wird, wie sie auch 
seinen Zuhörern nicht fremd gewesen sein werden. Man wird 
natürlicli voraussetzen, dass er in den 30 Jahren seiner Schrift- 
stcUcrei in diesem Punkte nicht durchaus gleichmässig ver- 
fahren ist, und ferner auch, dass ein Unterschied zwischen den 
verschiedenen Dichtungsarten besteht. Die Form auf -d wird 
wohl einen etwas altertündicheren Charakter gehabt haben, 
daher im gleichzeitigen P]pos und der Tragödie häufiger vor- 
gek(umnen sein als in der im Grossen und Ganzen der Um- 
gangssprache folgenden Sprache der Komödie. 

Die Bedingungen, unter denen jener Schwund des -d 

2 



•< 



V 



- 18 - 

nach langem Vokal eintrat, lassen sieli aus dem geringen Ma- 
terial nicht mehr erkennen. iMan sollte meinen, dass die In- 
schriften darüher Aufschluss g:ehen krinnten, auf* denen Ahla- 
tive mit -d neben solchen ohne -f/ stehen. Doch ist dies nicht 
der Fall : wir ha])en eine gWJssere derartige Inschrift, die sog:. 
Lex Spoletina: 

Honee loucom necius violatod neque exvehito neque ex- 
ferto, quod louci siet, ne(|ue cedito, nesei quo die res deina 
anua fiet: eod die, quod rei dinai cau(s)a fiat, sine dolo cedre 
licetod. Seiquis violasit, love hovid piaclum datod; sei (juis 
scies violasit dolo malo, lovei bovid ])iaclum datod et a(sses) 
CCC moltai suntod. Eins piacli moltaique dicator(ei) exactio 
est(od). 

Und eine kleinere Inschrift: C. I. L. XIV 2892 p. ;]04 
(cf. auch Bullet 1883 p. Ulf.): 

L. Gemenio L. f. pel | Hercole dono | dat lul)S merto ' 
pro sed sueq |'ede leig:i})us | ara salutus (cf. dazu I 190 donum 
dat libens meritod)^). 

Die Formen ohne -d stehen allerdings nur vor Konso- 
nanten, doch könnte man aus diesen zwei Inschriften allein 
noch keinen Sehluss ziehen: dass aber das -d zunächst vor 
Konsonanten schwand, vor folgendem Vokale aber blieb, dürfen 
wir aus den mit ablativischen Präpositionen zusammengesetzten 
Verben und Substantiven schliessen: Qi. prosnni, profnl neben 
prod-esse; refero, ret(e)fuli neben red-ire:, secedo, .^ehingo 
neben ned-it}o\ confroverslae neben osk. coiifrud. 

Nach Verlust des -d entstanden so die aus dem histo- 
rischen Latein bekannten Formen: 

o-8t. 'öd 

ä-St. -äd 

M-St. -ud 

/-St. -id 

kons. St. -id 

ie-St. -ied 

Diese Vokale w erden bei den klassischen Dichtern durch- 
weg als Längen betrachtet im Unterschiede von den auf un- 



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> Cl 

> f( 

> i 

> l 
>> ie. 



1) Wenn Wölfflin (Rev, crit. 14 a. 0.) Recht hat, so goliört 
hierher auch C. I. L. I 30. Saiimio cepit neben Gnaivod ])ntre 
prognatuö. 



1 



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- 19 - 

geschütztem gedehnten Vokal beruhenden uritalisclien Längen. 
Bei den alten sccnischen Dichtern, si)eziell bei Plautus kommen 
neben der Länge auch die Kürzen vor. Zumeist sind es iam- 
bische Worte, die diesem „metrischen- Kürzungsgesetz" unter- 
liegen. Daneben aber werden weiter auch kretische Worte 
und mehr als dreisilbige, kretisch schliessende davon ergriffen. 
Jedoch findet die Kürzung nur an bestimmten Versstelleu statt : 
in sämtlichen auflösbaren Hebungen; in allen Senkungen der 
Anapäste, dagegen bei iamb. und troch. Versen mir in den 
„äusseren" Senkungen der Dipodieen (d. h. den ungeraden 
bezw. geraden;; in daktylischen Versen nur in der Senkung; 
in kretischen Versen nie in der Senkung, welche vielmehr rein 
bleiben muss ; in bacchiischen Versen in der ersten aufgelösten 
Hebung, selten in der ersten (bezw\ dritten) Senkung eines 
trimeter (bezw. tetram.) bacchius (cf. Klotz: Altröni. Metrik 
p. 55 f. 59 f. 60 f. 64 ff. vgl. auch die Rezension von Seyflfert: 
Berl. phil. W. 1891 sp. 878 ff.). Zur Literatur der Frage vgl. 
noch : S t a d e 1 m a n n : De quantitate vocalium latinas voces ter- 
minantium und Leppermann: De correptione vocabulorum 
iambicorum, quae apud Plautum in senariis atque septenariis 
iambicis invenitur 1891. Zander: Versus Italici antiqui 1890. 

Von den „Ablativen der III. Deklination" sind die Nach- 
folger der wirklichen uritalischen Ablative nur die auf -i, die 
bei den konson. und -/-St. in der alten Latinität noch weit 
häufiger sind als in der klassischen (cf. Neue: Lat. Formen- 
lehre). Bei den klassischen Schriftstellern wird das -l auf 
bestimmte Worte und Wortklassen eingeschränkt (cf. die Über- 
sicht bei Schweizer-Sidler: Lat. Gramm. ^ I p. 105 f.), doch 
zeigen die schwankenden Tabellen der späteren römischen 
Grammatiker, dass jene Regeln aus der klassischen ^eit in der 
Volkssprache nicht fest eingehalten wurden. Es ist übrigens 
zu bemerken, dass wir uns aus der alten Literatur doch kein 
völlig zuverlässiges Bild über das Vorkommen des -i macheu 
können, da die Handschriften bald -e, bald 4, bald -ei geben. 
Eine sichere Grundlage geben nur die Inschriften z. B. C. I. L. 
I 820 nomini 1012 marmori 200 Z. 23 heredi 198 Z. 56 de 
sanctioni 206 Z. 38 proportioni etc. 

Auf Ablative auf -id weisen auch die paar inschriftlich 
erhaltenen auf -ei cf. C. I. L. I 199 Z. 37 faenisicei Z. 7 ab 



V 



n 



-- 20 - 

fontei 11. U virtutei. 206, 25 ii. 27 partei (cf. auch OstlM^ff 
M. U. II 14(). Stolz: Lat. (irainin.- :U:)). 

Ablativus ist aiicli quf m ah aliquL et'. Biiclieler (irdr. 
d. lat. Dekl. p. 121 f. ' 

2) Das Uinbriscbe. 

Im Umbrischeii ist das -(/ des Ablativus selioii vor der 
Zeit verloren ^e;ü^aiii;eii, in der unsere Denkmäler vertasst sind, 
doeli bat es seine Spuren binterlassen in tol^ij;ender Ersebei- 
nuiii;-. Wäbrend die Endvokale, die seit id^-. Zeit im Auslaut 
stellen^ in der ii^ra])bisclien Darstellung* durebaus niebt lest sind, 
werden die iiaeb Abfall des -d in den Auslaut getretenen koii- 
secpient ii;:escbrieben. Im ein/elnen ist zu bemerken, dass das 
-ö v(Mi -öd im Umbriseben zu -ü verdumpft war (et*, u. a. Ost- 
bott': M. U. IV :M)1 :i. l^ruicmmm : Grdr. I § 81 p. 74 i< «9 p. cSf). 
Büebeler: ümbriea p. 170). Dieses -u aber tritt konse([uent 
auf. Zum Beweise der Länge des -u dient Tab. Iguv. \'II 
A. 1;') ser'duu. Die Konsequenz der Sebreibung tindet sieb 
iiatürlieb aueb beim Im|)erativus^ sowolil auf -^?«, wie auf -nm. 

Wir bringen jetzt die Heispiele dafür, dass in der Dar- 
stellung der Endvokale sieb sonst ein Seb wanken zeigt. 

\) altundjr. ti = neuumbr. -o. 
Instr. sg. (ei*, unten p. .-59). 

zu nlo VI B. ;");'). 
j, slnw VI B. Of). 
„ postro \l B. T). VII A. S 4-] 44. 
fsvepu : svepoy\ 



ulu I B. IS 
simu 1 B. 28 
pustru I B. .-54 etc. 



8 1)1. im])erat 
etutu I B. 15 
tusetutu I B. 41 
batutu I B. 42 
dafür tab. III -ta 



zu amhretuto VI B. :^i\ 0:3 04. 
„ fuhito VI B. Ol. 
.. efafo VI 1]. 03. 
„ ehifo VI B. 04. 

hu'situfo VII A. 51 ete. 



„ arsmaJiamo VI B. 50. 
„ caterahamo VI B. 50. 



2 pl. imperat. 
armamu I B. 19 
kateramu I B. 20 

Dat.-Loc. sg. der n-St. (cf. unten p. 31). 
trifu I B. 10 zu frlfo VI B. 58 VII A. 11 47. 

Ahtu II A. 10 11 ^ Treho VI A. 58. 

^ Fiso VI B. 3. 



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— 21 — 



zu rhm VI A. 57 ete. 
„ dedru- VI B. 24 etc. 



Demgegenüber z. B. 
vinu I A. 4 22 B. (> etc. 
testru- 1 A. 29 
vuku- I B. 14 ,, micu- VI B. 43 45. 

puiilu- I B. 2 ., poplu- VI 43 45 etc. 

Über die daneben stellenden Ablative auf -o siebe unten 
p. 22, 



2) altumbr. a, u 

nom. pl. ntr. 
arviu I A. 12 10 ete. ] 
arvia I A. 3 9 20 B. 30 J 
vatuva I A. 4 13 22 etc. 
vatuvu I B. 25 



neuumbr. (a) o. 



n 



zu arvio VI A 50. 
58 K 1 3 20 etc. 
vafiio VI A. 57. 
B. 1 19 43 etc. 
[neuumbr. -a nur in nalva VI A. 32 etc.] 
atru I B. 29 zu adro VII A. 25. 

supa I A. 9 10 II A. 22 etc. „ supo VII A. 8. 

nom. sg. fem. 
paiita muta V B. 2 zu hio eso Inscr. min. II. 

etantu mutu V B. „ Ofiefo cisterno Inscr. min. II. 

mestru karu V A. 24 27 B. 4 
eruk esunu III 14. 

Demgegenüber z. B^ 
tutaper Ikuvina I A. 5 etc. etc. zu totaper Iiovina VI A. 23 etc. 
erabunt vea I \\. 23 „ erafont via VI B. 05. n. s. f. 

Bei dem Ablativus auf -l kommt in Betracbt die Ortbo- 
grapbie des an das pronomen relativum angebängten Partikel 
-ei (cf. Breal Mem. IV p. 84)^). Diese erscbeint — im alt- 
und neuumbriscben — bald als -e, -i, bald als -e, -l, -ei, wie 
folgende Übersiebt zeigen mag. 

poe = qui (sg.) VI B. 50. 

poi = „ „ VI A. 5 B. 24 53. 

poei =^ ri T) ^^ ^' 1- 

pure = „ (pl.) V A. 25 2S B. 4. 

puri = . „ V B. 10 15. 



n 



J7 



1) cf. aucli Bmgiiiaun, Grdr. II 783. Osthoff M. U. IV 229 f. 
und unten p. 41. 



V 



— 22 



T 



pi(fi r= quid IV 32. 

pirsi = „ VI A. 4S. 

persi = „ 

\)ide = 

pe^e = 

^;ins'e = 

2)erse = 

persei =^ 

Demgegenüber z. B. 
I A. 4 puni 9 lo etc. 

ukri- I A. 5 8 etc. 
mani II A. 32 
iu/putrati VA. 12 



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77 



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1} 



7 7 



VI A. 37 38. 

V A. 5. 
I B. 18 II A. 3. 

VI A. 46 B. 55. 
VI A. 47 B. 29 30 31. 
VI A. 26 27 28 36. 



zu 2)oiii VI A. 57 B. 1 3 etc. 
ocri VI B. 1 6 9 etc. 



V 



>7 



mani VI A. 24 f. 



,, maronafei Inscr. min. P). 

Ablative der ie-St sind scalne VI b. 5 All A. 37 uhtre- 
tie V A. 2 15; von res kcmmicn im Umbrischen vor ri V 
V. 5 und re-per VII b. 2; neben sadsie aucb skalseta IV 15 
18 20 und scalseto VI b. 16. 

Bei den o-8tämmen sieben, wie scbon oben angedeutet, 
neben den Ablativen auf -u, ii einige auf -o; sie werden we- 
nigstens als Ablative erklärt. Es sind 

1) VI A. 10 angluto somo capefe aciehclu todcome 
fuder \Templum , . . sie ßnitum est) ah angido summo ad 
seilax augurales ad urhiciim finem'. 

Hier ist eine andere als ablativische Erklärung kaum 
denkbar; ich nehme daher ein Verschreiben an, welches durch 
das anglome somo der Zeile vorher entschuldigt werden kann. 

2) VI A. 54 di Grahovie, Ho comohota trihrisine huo 
peracnio pihaclo (sa.siibocau) dive Grahoi% te commotaHri- 
pedicione (cf. Brugmann Leipz. Sitzgsber. 1890 \i.2^1f.) houm 
agonalium piaculo (sc. iiivoco). 

Hier könnte man vielleicht mit Bücheier (ümbr. p. 60) 
an eine Erklärung als Genet. plur. denken. Jedoch legt es 
die sonst noch 13 mal vorkonnnende ähnliche Wendung mit 
pihaclu nahe, auch hier den Abi. sg. zu verstehen, abgesehen 
von anderen Gründen (cf. Bücheier a. 0.). Da nun Z. 35 die 
Tafel in pihaclu das u korrigirt aus o bietet, so nehme 



> 



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1) Vgl. zu (lieser Auffassung die Erklärung der Formen auf 
'€ und besonders das Kap. II. 



— 23 — 

ich auch hier einen Irrthum des Graveurs an, der nur nicht 
nachträglich bemerkt ist. 

3) VII A. 46 Po.stertlo pane poplo andirsafust. ' Post- 
quani terfium populum lustrai'erit\ ümbr. pus, post wird 
für gewöhnlich mit dem Ablativus verbunden (cf. I a. 7 14 24 
VI a. 58 b. 3. '22 etc.), den man also auch hier und in der 
entsprechenden Wendung I b. 40: Pustertiu pane puplu ate- 
rZafust sucht. Doch könnte man auch post pus adverbicU lassen 
und mit pane, pane verbinden, tertio tertiu wären dann = 
lat. tertiuni 'zum dritten Male'. Allerdings sind von i'o-St. 
sonst nur Akkusative auf -/ (bezw. -im) bekannt. Im NotüiU 
würde ich auch hier lieber einen Fehler des Schreibers anneh- 
men als an einen Ablativus auf -o neben dem auf -u denken. 

3) Das Oskische. 

Im Oskischen ist das -d in allen Fällen gewahrt. An 
ein paar Stellen jcdocli hat man geglaubt, Schwund des -d 
annehmen zu müssen. Sie stehen auf der oskischen Bleitafel 
ed. Bücheier (cf. dazu Buggc: Altit. Stud. u. Deeckc: Altit. 
Vermutungen bei ZvetaiefF, Inscr. Ital. inf. dial. p. 181 n. 21). 

Z. 2 f. Pakiu Kluvatiud 
Der Satz lautet: usurs inim malaks nistrus P. Kl. valaimas 
p[uklu] damia . . . leginom aflukad. 

Bücheier (p. 70) lässt die beiden Worte von dem Kom- 
parativ nistrus = propriores (acc. pl.) als Abi. comp, ab- 
hängen, und meint beim Vornamen wäre das -d abgefallen oder 
die Bezeichnung nicht für nötig befunden. Bugge (p. 19), der 
einen Abi. absol. vermutet, (damia zu damiantud ergänzt = 
demeante) nimmt an dem fehlenden -d keinen Anstoss. Dies 
halte ich aber nicht für berechtigt und folge daher Deecke 
(p. 181 n. 21 a. 0.), welcher kluvatiui liest und den Dativus 
zu nistrus = propinquos zieht. 

Nicht Schwund, sondern nur Verflüchtigung des -d soll 
zeigen: soluh = ' omnino\ 'demque'\ Bücheier hält es für 
eine Übergangsform zwischen coritrud und pru (p. 47). 

Ich gestehe, dass mir das -h ebenso unklar ist wie in 
Z. 10 svai puh (cf. umbr. svepu svepo)^ dass ich aber auch 
nicht an die Auffassung Büchelers glauben kann, so lange nicht 
eine solche Funktion des -/? im Oskischen anderweitig erwie- 
sen ist. 



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- 24 ~ 

Endlich jjru auf der tab. I^antiiia gegenüber lat. prnd 
(und osk. prud bei Pauli Altit. 8tud. II p. 109) halte ich 
nicht für einen Ablativus wegen contriid etc. Ist es vielleicht 
Locativus desselben Stammes pro-^ von dem prod- Ablativus 
ist? vgl. zu den Lokativen auf -ö (p. 25) gr. dvuj, Kdioj, 
TTÖppiü etc. (Hii% Idg. F. I p. 29 f.) vgl. auch: Trpiu-TTepuai, 
TTpuu-TeXeia bei Wackernagel: das Dehnungsgesetz der griech. 
Komp. p. 9 f. 

4) Die kleineren dialektischen Denkmäler i). 

Die Sprache derselben ähnelt teils der oskischen, teils 
der unibrischen. So haben wir denn auch Ablative mit und 
ohne -d, 

1) Ablative mit -d 

Faliskisch (am nächsten dem Latein verwandt). 
Zvet. LXVIII (70) de zenatuo sententiad und ib. t-ected ciui- 

captum, 

Zvet. LXIX (72) Z. 3 opidqne Volganl Z. 6 .se,sed hibent{e); 
aber Kttckseite: quei in Sardinla sunt. 
Pälignisch. 

cf. Bugge, Altit. ^i., Bücheler, R. 
M. 83 27rff. Deecke, R. M. 41 
p. 198 f. n. IX. 
aber 

XII (14) caanar oim aetate also, wie beim vorigen Dialekte 

beides nebeneinander. 

Marsisch. 
Zvet. XLIII (45) menurUd oder en nrhid (cf. unten p. 87). 
aber VIII (10) Poimunien Atrno d. li. in Atenio (cf. Deecke 

a. 0. VII p. 197 und unten p. 87). 

Ausser den schon hier vorgeführten, lassen sich als 

2) Ablative ohne -d 
mit einiger Sicherheit erklären: 

Volscisch. 
no. XLVI (47) toticu covehriu sepu i. e. 'publica decuria 

sciente, so Breal und Bücheier, anders Deecke. 

Marrucinisch. no. VI (8) esuc agine ' eo agonio' 

1) Wir citiereu nach Zvetaieff: Inscriptiones Italiae mediae 
dialect. (Inscript. Ital. inf. diall.). 



T 



XI (13) vidad vihdu ßrafa 
fertlid afded {^) 



> 



4 



1 



\' Y 



- 25 - 

und marrucinisch V (7) prit emc 'pro i.sto' können das 
-d> vor dem -c auch verloren haben. 

Die sonst noch gedeuteten Inschriften bieten zu unsichere 
Resultate, zum Teil scheinen sie gar nicht italisch zu sein (cf. 
Pauli Altit. F. III p. 330). 

Dieses sind die Formen des Lateinischen und der Dia- 
lekte, die wir für Ablative halten. 

§ 2. Geschichte des Lokativus. 

Für den Locativus sg. gab es im Idg. zwei verschiedene 
Bildungstypen. 

1) Bildung mit Suffix -/', für welches man Identität mit 
dem, in der Flexion und Stammbildung auch sonst erscheinen- 
den, „deiktischen" -i annimmt (cf. Brugmann : Grdr. II p. 609 
§ 256, 2). Dieses -/* verband sich mit dem Stammauslaut der 
-0- und -a-Stämme zu Diphthongen -oi (bezw. -ei) und -äi, 
bei den konsonantischen Stämmen trat es an die starke 
Stannnform. 

2) Bildung ohne Suffix, wobei der Stanmi teils in Hoch- 
stufe 1, teils in „Dehnstufe" (cf. Bartholomae B. B. 17 p. 105) 
erscheint. Diesen Typus sucht jetzt Hirt (Idg. F. I p. 29 cf. 
auch l^rugmann II § 424 p. 787) auch bei den -o-St. nachzu- 
weisen, während man ihn vorher nur bei den konson., i- und 
w-St. kannte. 

Beide Typen kommen auch im Italischen vor. 

1) o-Stämme. 

ai. vrTce. 
av. vehrke. 
apers. pärsait/. 
gr. oiKoi 1a0)LioT. 

oiKei (wegen d|uaxei etc. aiei [cf. dazu Henry: Rev. 

crit. 1891 p. 24] siehe Hirt a. 0. p. 2S) bmXeT (cret.) 

TteT, ÖTieT (dor.). 
air. cinn, 
germ. got. daga, iculfa; ahd. tage, wolfe etc., ahd. nidari, 

Jieimi (ags. dae^i, Jiäm), 
lit. devepj name (über vilke cf. Brugm. Grdr. II p. 618 

§ 263, Hirt p. 27). 



- 26 - 



r 



— 27 



aksl. vläce. 

ital. lat. hellt, hlc. 

osk. müiiiikei terei; comeneL 
iiiiibr. uze, o)hse. 

Von den beiden idg. Formen loi und -(^7 sclieint nur die 
letztere im Italischen weiter^^ebildet zu sein, wie die oskisehe 
Form nahelegt (ef. da«;egen Wiedcmann K. Z. /i^, 120 — 122); 
auf tiilisk. Zextoi ist nicht viel zu geben (Brugmann 11 i).^)8() 
Anm. p. 617 §263). Im 

Lateinischen 
wurde dieses -ei zu -l. Den gleichen Ausgang des Gen. sg. 
erklärt Brugmann p. 586 sehr überzeugend. 

Der Lokativus ist bei den o-St. im Latcinisclien nicht 
mehr als lebendiger Kasus erhalten, sondern nur in verhältnis- 
mässig geringen Resten. 8o in der Redensart doml helUquey 
domi niiliüaeque (auch hello dornique, domi helloque bei Liv. 
cf. Golling: Gymn. III 54off.); ferner bei den Städtcnamen 
(cf. E. König: Quaestiones Plautinae und Görbig: Nominum 
quibus loca etc. Diss. Hai. 1883) dann in: die quinti, -quai'ti, 
septimi etc., in : postridie, pridie (cf. jedoch Brugmann Grdr. 
II p. 407 Fussn. 1. Havet: Mem. IV 229), cottidie (Schmidt 
K. Z. 25, 94) meridie (cf. Arch. f. lat. Lex. I 273 111 566). 
Sehr problematisch ist primiH = *^>7 (Lok.) + uo-s und 
sicherlich falsch igltur = *ekei + tur (Breal Moni. II 47 
bezw. V 192). Endlich sind Lokative von -o-St. hi-c, illic, istlc. 

Bei der lautlichen Übereinstimmung von Lok. und Genc- 
tivus lag die Vermutung nahe, dass in der Syntax des latei- 
nischen Genetivus manches auf alten Lokativus zurückgehe. 
So erklärte man (ef. Kühner, Lat. Gramm. II p. 322 355) für 
alten Lokativus: animi, in den Verbindungen anbni excru- 
clarij discriiciari, angi, terrifari, pendere (cf. Plaut. Rud. 
399 und Mil. 1068, Aul. 105, Epid. 326 530 545 etc.) und 
so versuchte in einer Breslauer Dissertation Bell (De Locativi 
in prisca Latinitate usu 1889) den Lokativus zu finden, z. B. 
im Genet. pretii, qualitaüs, bei den Verben des Anklagens 
etc., bei cupidus etc. Genet. ahundantlae, bei plget etc., in 
mentem venit etc. Er schiesst aber weit über das Ziel hinaus 
und lässt sich auch einige Versehen zu Schulden kommen. 
Dagegen warnt Golling (Gynm. III 543 ff.) vor der lokativi- 
scheu Auflassung genetivischer Formen. Seine Bedenken schei- 



V 



nen mir durchaus gerechtfertigt, ebenso wie seine Erklärungen 
(z. B. der Gen. bei Verben übertragen von den adjj. relatt.) 
das Rechte treffen werden. 

Neben dem Lokativus mit -l existierte vielleicht ein suf- 
fixloser auch bei den o-St. Schwache Spuren eines solchen 
erkennt Brugmann (Grdr. II p. 787 § 424) in einigen Parti- 
keln (lit. fe, sze-^ abulg. te, aind. ca, gr. le) speziell im lat. 
que (cf. auch Osthoff z. G. d. Pf. p. 128 und Breal Mem. VI 
p. 128) und ce- in ce-do^ osk. ce-hnnst. 

Einen Lokativus auf -ö glaubten wir oben in osk. prii 
neben lat. prod- finden zu können. 

Im Umbrischen 
lautet der Lokativus auf -e aus cf. II B. 14 f. sviseve, 27 testre 
e uze VI B. 50 destre onse. Das -e verschmilzt gern mit der 
Postposition -e i. e. -eji = lat. -in. Ebenso bisweilen im 

Oskischen 
cf. hürtin kerriiin ^ in templo CereaW (Zvet. S. J. 0. IX (87)). 
Der Lokativus lautet unverändert wie im Uritalischen -ei z. B. 
LVI (136) muinikei terei, eisei terei IX 18 pütereipid akenei 
^ufroque agonio' CLXlVa (257a) Fr.entei etc. 

Aus den kleineren dialekt. Denkmälern führen wir an: 

Marrucin. V (1) Z. 3 küm : enei ^in comitio\ falisk. 
LVIII — LXII, LXIV: he, bezw. hei cupat (das -c fehlt ähn- 
lich wie in de zenatuo Hententiad das -.s), heic cuhat (LXIV) 
(60—62 63 b. 64 66). 

2) «-Stämme. 

ai. dstmt/-äni. 

av. haenay-a (mit -a~ nach dem Instr.). 
• apers. arhiräy-ä. 

griech. el. 'OXu)UTTiai (0r|ßai-Yevr|(;). 
air. mnäi, tuaith. 
germ. got. gihai, pizai. 
ags. ^iefe, 
ahd. gehu (?) 
lit. ranJcoj-e. 
aksl. 7'ace. 

Ital. lat. Eomai, Romae. 
umbr. ruhine. 
osk. viai medikiai. 



- 28 — 



Y 



- 2S> - 



Die enropäisehen Sprachen weisen auf idg*. di^ (\. i. 
-a -\- /, und diese Form erkennt man leicht auch in den Lo- 
kativen der arischen Spraclien: hier ist eine Ervveiternni»* mit 
der Partikel -a {-am) eingetreten. Einem idg. Lokativaus^ang* 
-äi widerspricht neiterdin^^s Collitz (B. B. 17 ]). 21) mit den 
Worten: ,,Der id^-. Lokativns der <7-8t. lautete nicht -ai. Da- 
für fehlt jeder Anhalt'^ Die id^,^. Endung: der Nomina ist nach 
ihm vielmehr -clyaini) (Satzdoppelformen). Die europäischen 
Formen, welche für idg. -äi sprechen, sind niclit Lokative, 
sondern Dative. Die Frage hängt zu sehr mit der nadi den 
germanischen Auslautsgesetzen zusammen, und wir müssen auf 
ein näheres Eingehen verzichten, so lange diese Frage nicht 
sicher gelöst ist. Sie steht augenhlicklich wieder im Vorder- 
grund der Forschung (cf. Collitz: B. B. 17 1 — 54. Wiede- 
mann: K. Z. ;U, 479tf. 32, 149ff. Streitherg: D. germ. Comp.). 
Wir gehen von idg. -äi als Lokativendung der -a-^\. aus. Es 
fragt sich, ob wir die lat. Formen auf -ai, -ae lautgesetzlich 
aus ihr erklären können. Osthoff (Z. G. d. P. p. 195 f.) meint, 
langes -äi entwickele sich im Lateinischen zu -ae^), kurzes zu 
-l: die Formen Romae etc. wären also völlig lautgesetzlich. 
Ich bin nicht der Ansicht, dass bis in die lateinische Periode 
hin ein idg. -ai sich gehalten habe, sondern meine, dass es 
entweder zu -ä (vor Vokalen) oder zu -äi (vor Konsonanten) 
geworden ist. Das nähere kann erst beim Instrum. pl. fem. 
erörtert werden. Hier nur so viel: Romae ist nicht die laut- 
gesetzliche Form, sondern durch den Systemzwang entstanden. 
Dass im Instr. plur. nicht der gleiche Grund die lautgesetz- 
liche Entwicklung aufgehalten hat, kann man vielleicht so 
erklären, dass hier für den Notfall die Endung -ahus be- 
reit war. • 

Erhalten ist der Lokativus im Lateinischen nur bei den 
Städtenamen: cf. Romai (C. I. L. 154) Romae (I 199) etc. 
und in der Wendung döini militlaeque. Schwerlich ist loka- 
tivisch zu deuten hie vlciniae (Bell. p. 74) cf. Kühner II p. 355. 



♦ 

1) Torp, Beitr. z. Lehre v. d. geschlechtslos. Pron. in d. idg. 
Spr. 1888 p. 17 Anm., irrt, wenn er siigt, Osthott' erkläre Romae etc. 
für Dative. 0. weist nur ein -äi für den Lok. zurück, nicht 
aber -äi. 



\ 



A 



Y 



Im Umbrischen 
wurde -äi> e cf. I B. 31 tra säte. 

I B. 27 Rupinie e 43 Akedunie e. 

II B. 12 tatle e. 

VI A. 2() etc. fotem-e lovine, 

VII A. () mUne 41 trahaf mhafe 52 acewsionem. 
tofem-e und acersionem-e sind zu deuten als tote + em + e 

etc. (cf. Bücheier ünd)r. p. 185 gegen Havct. Mem. II 891 tf.). 
Lokativus eines -ie^-Stannnes ist vielleicht kvestritie I b. 45 
II A. 44. 

svesu wäre dann in seinem ersten Teile Locativus sg. fem. 
(vgl. über den Stannn *y«;^- Tor[), Beitr. z. Lehre v. d. ge- 
schlechtsl. Pron. in den idg. Spr. 1888 p. 13) r= osk. svai 
s'vae-., dasselbe sveso tindet sich noch VII B. 1 sveso frafre- 
cate, wo es dann Dat. sg. wäre. Das angehängte -so (su) 
aucii noch \M B. 51 seso = sihi (se für *so/ = oi Torp p. 15). 

Im Oskischen 
bleibt -ai erhalten: cf. LVI (130) eisai viai mefiai, R. M. 43 
p. 128—135 11 medikiai, 44 321 tf. I u. II meddik(k)iai etc. 

Auf der tai). Baut, linden wir statt -ai -ae (cf. prae.sen- 
fid, scae) Baume (19 23 2^ 30) = Bantiae. 

Aus den kleineren dialekt. Denkmälern ist hierher wohl 
zu rechnen marrucin. V (7 Z. 3) bie 'in thesairro' cf. dazu 
z. B. umbr. bio Inscr. min. II p. 173. Es stellt sich zu umbr. 
tote als regelrechter Lokativus. 

3) Die M-Stämme. 

ai. sünäü. 

av. g. d. vardh-au, 

j. av. vaidh-äj per^fO; auhav-a. 
a])ers. hahiraui'. 

griech. iTTTrfjF-i (mit nachträglich angetretenem -i) dveu (?;. 
gall. Tapavoou {Tarann). 
germ. got. mindu, 

ahd. suniuj sitiu. 
aksl. sijnu. 
Ital. lat. noctii, 

\\m\n\ manu-v-e. 
Die ai., griech. und die avestische Form auf -äii (-d) 
weisen auf langdiplithongisclien Ausgang, die andern avesti- 



k< 



M 



- 30 - 

sehen auf Kiirz(1i])litlion^^, dem iineh die europäischen Sprachen 
(excl. des Griechischen) nicht widersiu'echen. Bru^inaun 
nimmt daher (Grdr. II § 2H1 Anm. ]). (Ho) nridg-. Doppelheit 
an. Eine zweite Frage ist, ob wir -e- oder -o- als ersten Kom- 
ponenten des Diphthongen anzusestzen haben, welche Frage 
aus dem ItaKsehen nicht entschieden werden kann: denn -eu- 
wurde schon uritalisch zu -ou- cf. alat. fnvos umbr. fomr osk. 
tüvai zu gr. leFö-^. Auch hier hängt wiederum das urteil von 
der Auffassung der germanischen F'ormen ab. (Literatur 
Bezzenberger : Gott. gel. Nachr. 1885 p. l()Of'. Mahlow: 
D. 1. V. p. 54, Meringer Z. f. d. ö. G. m 1^2 ff., B. B. 16, 12(5 f., 
Streitberg Comp. 2n, J. Schmidt, K. Z. 27 p. 304 f., Wie- 
demann K. Z. 31, 479ff. 32, 149, Kretschmer K. Z. 31, 451 ff.). 

Wir müssen aus dem schon angegebenen Grunde ein 
näheres Eingehen auf die Frage auch hier unterlassen. Für 
die lateinischen Formen wird die Entscheidung ja auch glÄch- 
giltig sein. Die Ansicht von Bezzenberger und Wiedemann, 
dass der Lok. nur auf idg. -öu anzusetzen sei, hat wegen der 
apers. Form und der avestischen auf -ö und -av- wenig für sich. 

Im Lateinischen 
erklärt man für alte Lokative ausser 7ioctu bezw. diu die „Da- 
tive'' der IV. Deklination auf -ii. 

diu ist die lautgesetzliche lateinische Form des idg. Lo- 

katives auf -^M (-^M>urit. -ow>lat. -fO. Auch nocfu hält 
Joh. Schmidt (K. 27, 304) für den Lok. eines -w-Stannnes, zu 
dem er noch zieht alalctdü "m der Nacht' und lit. naktv-6fi 
Mibernachten', während Breal (Mcm. V 434) auf Grund von 
ai. nakti-8 lit. nakti-s got. nahf(i)s anninmit, noctu gehiu-e zu 
einem -/-Stamm und habe das -u von seinem Gegenteile diu 
empfangen: derselben Übertragung verdanke auch lucu (Ter. 
Ad. V 3 ÖD Cum primo lucu iho hinc) sein -w. Auch noc- 
turnus neben diurnus ist dann Analoffiebilduno-. 

Die Dative der w-Stännne auf -u neben denen auf -ui 
{"^-eu-ai bezw. "^-u-ai) lassen sich lautlich ebenfalls als Loka- 
tive erklären. Da der Lokativus der -w-St. auch im ümbri- 
schen erhalten war, wie wir gleich sehen werden, und da auch 
sonst (cf. unten p. 34) alte Lokativformen als Dative verwen- 
det werden, so stimme ich dieser Ansicht bei (cf. Schmidt 
K. Z. 27, 304, Brugmann II § 2()1 p. (314, Stolz Lat. Gramm. *^ 



T 



V 



/ 



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/ 



I 



- 31 - 

§ 85 p. 341 § 8(3 p. 342). Beispiele s. bei Neue P 356, Bü- 
cheler Grdr. d. 1. Dekl. \). 110, Corssen 11^ 740. 

Alle diese Formen können auf idg. -eu zurückgehen, 
das in urit. Zeit vor Konsonanten zu -eu wurde, oder aber 
wir können sie auch auf idg. -eu zurückführen, welches schon 
damals neben -eu stand. 

Neben diesen Formen giebt es aber im Lateinischen ein 
paar andre, die nicht auf idg. *-ew (bezw. *-^w>urit. -eu) 
zurückgehen kr)nnen: die und rite (cf. Mahlow d. 1. V 52 54). 
Sie gehen auf idg. -e zurück. Dieses war die Sandhiform zu 
•^-eu : vor -m, in geschlossener Silbe und im alsoluten Auslaut 
wurde in idg. Zeit der Langdiphthong zum Monophthong, 
sonst blieb er bestehen; ferner stellten sich auf beiden Seiten 
Übertragungen ein (cf. Streitberg Komparat. p. 11 u. 12 und 
die dort gen. Literatur). So bestanden also idg. dieu und 
die nebeneinander; das erste ward über urit. "^dieu "^diou > 
diu (vor Konson., dann verallgem.), das zweite wurde M,die; 
die Länge des -e ward dann nach den mehrsilbigen Komposita 
merldie, cottldie etc. wieder eingeführt. In rite blieb der 
nach Analogie der iamb. Formen gekürzte Vokal dagegen 
bestehen. 

Die anderen Formen der V. Deklination ve, ape etc. sind 
Ablative (cf. Stolz, Lat. Gramm. ^ p. 342). 

Im Umbrischen 
ist sicher Lokativus manuv-e. 

II b. 23 urfeta manuve habetu 'orhitam in manu haheto\ 
Das -V- ist übergangslaut nach dem (langen) -/?; forner 
gelten als Lokative die „Dative" 
II A. 10 11 Ahtu luvip. 
VI A. 58 Treho. 
„ B. 3 Fiso. 

„ B. 58 trifo, ebenso VII A. 11 47, 
die sich den eben besprochenen lateinischen parallel stellen. 

Lokativus ist endlich auch noch inaroriato in Inscr. 
min. II p. 173 (Bücheier: Umbr.) ' su maronato F. L. Varie, 
T, C. Fulo7iie' \suh maronatu F. Varii L. f. T. FuUonii C. 
F.\ Folgende Gründe sprechen dafür: 

Auf einer (von Deecke R. M. 40 638 ff. besprochenen) 
messa])ischen Inschrift, die auch andere oskische Entlehnungen 
zeigt, stehen die oskischeu Worte sup medikiai. Wir haben 



r 



- 32 - 

inedikiai als oskisches Wort aus den Inselirifteii R. M. 43 
399 — 404 u. 44 p. 321ö'. kennen gelernt; es ist der Loc. sg. 
eines -a~St. Wenn danach aup im oskiscben mit dem Loka- 
tivus verbunden wurde, so düiien wir dasselbe auch für das 
ümbrisehe annehmen. 

Auf Inscr. min. I p. 172 steht von demselben Worte der 
Ablativns: maro)iatei; das -ei steht für -/ wie bei den -/-St.; 
nHironatei : nianl = peraJc7iei : poni. 

Im Oskischen und den kleineren dialektischen Denkmä- 
lern tindet sich kein Beispiel unseres Lokativus. 

4) Die /-Stännne. 

ai. ved. drei, agnd (über -au cf. Hirt: Id^r. F. I 31 j. 

av. azü, 

apers. ahifrasta. 

g^riech. TTÖXri-i, ttoXt). 

air. füifh, 

gerni. g^ot. gastet; ansfdi, 

ahd. gaste; eusti. 
lit. dekte; sükti (cf. Hirt a. 0: 28, Bruiiinann (irdr. II 

p. 013 § 200). 
aksl. yiostty zi-ti, ' 

ital. lat. ove\ ovl. 

umbr. ocre. 

osk. Herentatei. 

(Literatur: Joh Schmidt, K. Z. 27, 287 if., Wiedemann, 
ib. 31 p. 480tf., derselbe nachträglich K. Z. 32, If)!, Kluge, 
Paul's Grdr. T p. 385, Streitberg, Compar. p. 22f. 25, Hrug- 
mann, Grdr. II p. 003f. § 249 p. 012 § 200 p. 020 § 200).'' 

Die arischen und der grösste Theil der anderen Formen 
können nur von der monophthongischen Form des Lokativaus- 
ganges abgeleitet werden, d. h. von idg. -e. Dieses -e, mit 
der Lokativbildung der -?^-St. verglichen, muss als die Sandhi- 
form zu *-ei gelten, die nach gewissen Gesetzen (cf. oben 
p. 31) im Idg. eintreten musste. Wiedemann a. 0. bestreitet, 
dass von diesem -ei irgend eine Spur erhalten wäre, und er- 
klärt got. anstdi, die Hauptstütze für die genannte Ansetzung, 
als Analogiebildung zu ansfdis. Streitberg jedoch erweist 
anstdi als viillig lautgesetzliche Vertretung eines id«-. *.^/ 



> 



\ 



> 



/ 



ii 



<^^ 



> 



4 






— 33 - 

(ebenso ahd. ensti au. fundi), so dass wir diese Doppelheit 
als idg. ansetzen müssen. Dass der erste Komponent des Diph- 
thongs -ö- gewesen sei, ist ebenso wenig wahrscheinlich wie 
bei den u-St (cf. besonders Streitberg p. 20). 

Wir gehen so von idg. -ei und -e aus und suchen dessen 
Nachkommen im Italischen. 

Das Lateinische. 

In den „Ablativen^' der -/-St. auf -e sehe ich die Nach- 
kommen der Lokative auf *-^: igne : al agnd. 

Eines der frühesten Beispiele für diese Bildung ist navaJe, 
welche Form wir aus dem navaled der Colunma rostrata nach' 
dem oben ausgeführten wohl erschliessen dürfen. 

In den altlateinischen Dativen auf -^, die von -/-St. aller- 
dings spärlich erhalten sind, steckt möglicherweise auch das 
-e des Lokativus: cf. Salute, Ope (?). Doch kimnte auch, wie 
beim Dat. sg. der -rt-St. auf lat. -e (cf. Stolz, Lat. Gramm. ^ 
p. 340) dialektische Beeinflussung vorliegen, und endlich auch 
das -e von den kons. Stämmen (= Lok. idg. -/) übertragen sein. 
Die Form des Lokativus auf idg. *-e/ (bezw. *-e/ cf. 
Brugmannll p.013 Anm.) liegt vielleicht vor in ^ere^/r/ neben 
peregre, der Vertreterin von idg. -e, und ovl etc., dem „Dati- 
vus'' der /-Stännne. Doch sclicint mir die letztere Annahme 
ziendich unwahrscheinlich, und viehnehr Herübernahme des -/ 
von den kons. Stännnen (= Dat. idg. ^-ai) anerkannt werden 
zu müssen (cf. auch Brugmann a. 0. ]). 004). 

Das urital. -e des Lokativus wurde schon im Urlatein 
gekürzt, zunächst wohl in iand)ischen Worten, dann bei den 
anderen; von der ursprünglichen Länge ist keine Spur mehr 
vorhanden. Die Fälle, in denen das -e ^ des Ablativus (welches 
auch noch andere Formen darstellt) der III. Deklination bei 
Plautus etc. den Ictus trägt, hat man so aufzufassen, dass es 
sich um rein metrische Längen handelt. Klotz hat daher mit 
Recht das -e unter den immer kurzen Endungen aufgeführt 
(cf. Altröm. Metrik ]>. 44). Die Schlüsse, welche Ritschi, 
Bergk etc. aus dieser Beobachtung zogen (Spuren des Abi. auf 
-ed)j betrachtet man wohl jetzt allgemein als verfehlt. 

Im Umbrischen 
ist der Lokativus auf -e wohl in ocre (z. B. VI A. 20) 'in 
arce' erhalten, das aber lautlich auch dem idg. Lokativus auf 



- 34 - 

-ei eiitspriclit. -e ist im Umbrisclieii auch der Ansij:ani>' des 
Dativiis der /-Stäiiime. Du mm im 

Oskiseheii 
die 'Dative' auf -ei wie Herentatei sieh wohl mir als Lokative 
auf idir. -ei (hezw. '""-ei) erklären lassen, so kann man vielleicht 
die nmhrischen 'Dative' auf -e als Nachkommen der alten -ei- 
Lokative, die Lokative auf -e als die der monophthongischen 
Form aiittassen, d. h. der Lokativus auf *-e/ wurde im Undjr.- 
Samnit. zum Dativus i^estempclt, der Lokativus auf -e «ing- 
im Oskischen verloren (ef. unten Kap. II j). i\^ u. 8()), und er- 
hielt sich im Umhrischen in den mit dem Dativus lautij;'eset/- 
lich zusannnenfallenden Formen auf -e. Es wäre dieselbe laut- 
liehe (fleichheit hei funktioneller Verschiedenheit wie z. B. 
beim Dat. u. Abi. s^. auf -ö etc. 

Aus den kleineren dialekt. Denkmälern 
ist Lokativus auf -e : mesene jlusure = ' menae poraJi' (sabin. 
Zvet. \'III (10)). Lokativus auf ^-ei {*-ei) vielleicht ial. hei, 
hei-c =^ 'hi-c' cf. Hirt \). 21) u. oben p. 27. 

Bei den -n- und -/-Stämmen existierte im Idi»". neben der 
sutüxlosen Bildun;;;:sweise noch ein anderer Typus mit dem 
SufHx -/: also ^'-eu-i und '^-ei-i. Das Italische hat keine von 
beiden Formen weiter entwickelt. 

5) Die konson. Stänune. 

ai. hrliat-i; sa-dii'a>i; Txarnian. 
av. astcüifi; casman, 

apers. xmpa-[ca. 

air. hethid taig. 

i;:rieeh. ibovi-i. doi-. aie^ bö)aev-)ur|v. 
aksl. sJores-le Vamen-[e. 

ital. lat. ferent-e penes. 

umbr. ferin-e. 
Im Id^^. ^^ab es wiederum zwei Bilduni^-sweisen : eine mit 
Suffix -/, die andere sutüxlos. Die Verschiedenheit, in der im 
letzteren Falle das Stannnsutüx aufzutreten pHegte, ist im Ita- 
lischen nicht mehr erhalten geblieben. 
Der ersten Typus gehören im 

Lateinischen 
an die * Ablative' der konson. Stännne auf -e, jedoch nur zum 
Teil; wie wir nuten sehen werden, war ein anderer Teil ur- 



7 



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y 



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35 



sprüngliche Instrumentale. Das -t wurde im Lateinischen zu 
-e gewandelt, cf. "^man ^^ niare etc. Über die Quantität dieses 
-e und die Stellen der alten Dichter, in denen es den Iktus 
trägt, gilt dasselbe, wie vom Lokativus der -i-St. 

Es gehören hierher also z. B. ntrej Carfhagine, tirhe\ 
^dictatore der Duiliusinschrift etc. 

Im ünd)risclien 
wurde das -i elftnfalls zu -e (cf. sakre ntr. sg. II A. 5). Es 
gehören also hierher 

ferine i. e. 'in feveiro^ I A. 4. 

apretu tures et i)ure ' amhito fauris ef igne' I B. o 2i). 

\)\\dxt ted^te \iio dante' V A. 7. 

parfa curnase dersva 'parva cornice dextra' VI A. 1 4. 

menzne kurslasiu 'inende circulario' II A. 17. 

Auch von den Ablativen der kons. Stännne im ümbri- 
schen ist ein Teil anderer Herkunft. 

Im Oskischen 
ist der Lokativus der konson. Stännne untergegangen und, wie 
wir sehen werden, zum Teil durch den Ablativ ersetzt. 

Auf den kleineren dialekt. Denkmälern 
ist vielleicht Lokativ eines -w-Stammes marr. agiiie ' agonio 
VI (8). Der zweite Typus hat im 

Lateinischen 
einige schw^ache Reste hinterlassen. So werden als suffixlose 
Lokative erklärt: (^ms- 'bei Tage' {nocfü dius-que) (VV. Schulze 
K. Z. 27, 546); penen zu jjeuHs^ intei\ s-iiper (cf. Brugmann : 
Grdr. II p. 611 §§ 258 259). 

In den Dialekten hat man bis jetzt noch kein Beispiel 
l'iir diesen Lokativ gefunden. 

§ ?). Geschichte des Instrumentalis. 

Bis vor kurzem wurde in der Lehre vom idg. Suffix des 
Instr. sg. so viel als sicher angesehen, dass in der ürspraclie 
für diesen Kasus zwei prinzipiell verschiedene Bildungsarten 
existierten, für deren Trennung man die Norm nicht kannte: 
1) mit Suffix *-/>/?/, dem in den balt.-slav., arischen und gcr- 
man. (?) Sprachen ein *-m/ entspräche; 

2) mit einem vokali sehen Suffix, das nur bei den kons, 
u. /-Stännnen rein erhalten, sonst durch Kontrakti(m oder Ana- 
logie verschwunden war. 



i/ 



— ,36 - 

Über die Qualität dieses \'()kales waren die Ansieliten 
t,^eteilt. Bruiriiiami (M. ü. II löH Ainii. u. 244 Aiiin.) trat für 
-a ein, worin ilnu Ostliotl' (Z. (1. d. P. 07411*.) beitrat, indem er 
besonders auf i;rieeli. irebd == lueid hinwies, das doeb kaum 
anders als instrunientaliseli erklärt werden konnte (ef. aueb 
Buirsre, Paul n. Braiine's Heitr. XII 41 9 f.). 

Im Lateiniseben wäre dieses *-^7 zn -e iji;eworden: denn 
man dentete einen Teil der 'Ablative' III. Dekl. auf -e als 
Instrumentale. *Die Mö^liebkeit eines soleben Lautwandels be- 
stritt Job. Sebmidt und ^in^, we^en der lateiniseben Formen, 
von id^i,^ "^-e aus. Der Lautwandel war allerdings, wenn aueb 
sebr wabrsebeinlieb, so doeb dureb kein direktes Zeupiis be- 
wiesen. Der .Streit zwiseben Sebmidt und Brupuann wurde 
dann foi*t^csetzt, obne dass eine Entscbeidun^- erreiebt wäre 
(ef. Pluralbild-, p. 41 f. u. (irdr. II p. (525 §274 Anm.). Man 
liielt als(>, so weit war man eini«;-, den Instrumentalis der o- 
uml </-8t. (ef. ai. ved. r/'Av?; d^icä) für ein Kontraktiouspro- 
dukt. Nun baben aber die Untersuebungen von P. Kretscbmer 
K. Z. 31 p. o:yS 4()8) und H. Hirt (Ido-. F. I ]). lOf.) sebr 
wabrsebeinlieb gemaebt, dass, wo inuner im Idg. eine Kcm- 
traktion stattfand, das Kontraktionsprodukt den Zirkumflex 
erbielt. Da mm die litauischen Instrumentale gestossenen Ton 
haben, ef. ri/kä. raula und wir dem Litauischen In'iheren 
Wert zuschreiben müssen als anderen Sprachen, weil es den 
Instrumental als lebendigen Kasus erbalten hat, so nniss die 
alte Ansicht aufgegeben und statt der Kontraktion organische 
Dehnung- als Charakter des Instrumentalis bei -o- u. a- )^\, 
angenonnnen werden. 

Das -a der griech. Formen nniss nun anders erklärt wer- 
den: es bietet sich die Deutung als -w, dem sich auch die 
indischen Formen fügen. 

Das Sutüx des Instrumentalis ist also -m. Dann liegen 
bei den -o- und -rt-St. die Verbältnisse so, dass wir jene oben 
angenonnnenen Instrum. auf -ö u. -a zu denen mit Suilix, d. b. 
auf -öm^ -am als die idg. Sandhiformen erklären müssen : also 
-Om, -ö; -am, -ü (cf. zu diesen Ausführungen Hirt p. 13 ff.). 
Die -i- -n- und konson. Stännne lassen wir vorläufig noch bei- 
seite und untersuchen zunächst, ob der Instrumentalis der o- 
und rt-St. in den italischen Sprachen noch vorhanden ist bezw. 
Spuren seiner Existenz hinterlassen bat. 



1 



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— 37 



1. Die -0- und -«-Stämme. 



ai. ved. vrlcä 

av. vehrka 

apers. Jiarä > 

air. fiur 

griech. KaXüu-q, ttti 

germ. got. Jwe 

ags. hwö 

abd. hus, farju (?) 
lit. viikü (= *-07>/) 
aksl. nom-ji 



asvci 
Jiaena 



dWa ÖTT-ira (lesb.) 



(jehii 

ranka (= *-clm) 

rnJiff. 



Wir wollen die nasallose und die nasalirte F'orm getrennt 
betrachten. 

1) idg. -ö, (-e), -ä. 

Neben lö lag im Idg. natürlich auch ein -e. 

Im Lateinischen 
erwarten wir nach dem schon angeführten Oesetze o (-e) und 
-a. Da unter den lebendigen Kasus der -o- u. -«-St. sich keine 
Form findet, die diese Bedingung erfüllt, so müssen wir an- 
nehmen, dass das Lateinische den Instrumentalis aufgegeben 
hat und diesen Vorgang in die uritalische Zeit verlegen, wenn 
wir den gleichen Mangel auch in den Dialekten finden. Vom 
Oskischen ist es obne weiteres klar, dass ihm der Instrumen- 
talis bei diesen Stanmiklassen fehlt. 

Im Umbrischen 
könnte man zunächst versucht sein, die Formen ])uplu pophf 
etc. für Instrumentale zu erklären und ebenso bei den -ä- 
Stännnen tuta fota. Nach unserer oben gemachten Beobach- 
tung aber müssten wir für den Instrumentalis auf den latei- 
nisch geschriebenen Denkmälern -o, in beiden Fällen, erwarten 
(bezw. -0 neben -a wegen mlim cf. oben p. 21). Die Formen 
auf -^*, -a krmnen wir daher nur auf den Ablativ bezieben. 
Die Folgerung also, die wir ziehen müssen, wird die sein, dass 
der Instrumentalis der -o- und -ä-St. auf -ö und -ä als 
selbstständiger Kasus schon im üritalischen geschwunden ist. 
Solche Kasus erhalten sich oft in isolierten, meist adverbiellen 
Formen, die durch frülie Trennung von den Stammwörtern vor 
deren Schicksal bewahrt bleiben. Es stebt denniacb zu erw\ir- 
ten, dass auch der Instrumentalis zu den ital. Adverbien und 
Partikeln sein Kontingent gestellt bat. 



38 



Von den Adverbien im 

Lateinisclien 
rechnen wir liierber: cifo, modo (cf. J. Schmidt K. Z. 27, 298). 
Sie erscheinen in der Re^el mit kurzem -o; daneben konmien 
auch Stellen vor, an denen -o _ den Tktu.s trägt: diese sind 
dann ebenso zu beurtheilen wie die oben genannten „Ablative 
III. Dekl." auf -e. Stadelmann p. 74 durfte deswegen nicht 
den instrumentalen Ursprung dieser Adverbia leugnen. Es ist 
ein grosser Unterschied, ob eine in der Regel kurze Silbe an 
einigen bestimmten Stellen lang gemessen erscheint oder ob 
eine in der Regel und bei den Klassikern lange Silbe in be- 
stimmten Versstellen gekürzt wird ; man darf daher nicht elf 6 : 
cifö und domo : domo u. a. in Parallele stellen. Von den 
anderen Adverbien auf -ö wird ebenfalls ein Teil auf den In- 
strumentalis 'zurückgehen: sie haben die Länge dann wieder 
eingeführt nach dem Muster der anderen Adverl)ia auf-ö, die 
auf Ablative (-öd) zurückgehen. 

Wir führen als Beisi)iele an: cauto, certo, clandedino, 
conmdtOy coiifinuo, faho, forhdto (cf. Stolz: Lat. Gramm. ^ 
p. 84o wegen fm'tuifn etc.), immo, improviso, manufesto, 
necessarioy occulto, omnino, pe7'petuo, postremOj prhnOy rarOj 
secretOj suhito, tuto, vero. 

Ein Instrumentalis steckt auch wohl in cur, quor i. e. 
quo -f or (cf. Mem. VI 188 Havet), dann auch quo 'wohin'.? 
und eö, höc, isföt% UIöc, Diese hat man allerdings auch als 
Dative erklärt (cf. Ritschi, ausl. -d p. 78 und Breal, Mem. VI 
108 f. etc.). Es müssten die Dative auf -ö sein, denn die auf 
-öi werden nach Kretschmer (K. Z. 31, 461) durch Äwc, ilhtc, 
isfuc (mit -u von huc) re])räsentirt. (Über den Gebrauch von 
huc und hoc cf. Wöllflin: Arch. VII 332). -oi^u wie in 
nnux, -Öi aus idg. -öi urital. vor Konsonanten. Zu dem Ge- 
brauche des Dativus in Richtungsadverbien vergleicht Kretsch- 
mer griech.: ttoT, öttoi, oi, evTauOoT. 

Bei der Erklärung von quo, eö, höc etc. gebe ich der 
instrumentalischen den Vorzug wegen des gleichzeitigen Vor- 
konnnens (Zur Syntax cf. Osthoft' M. U. II 244 Anm. z. B. 
Tttuiri TTopeuö)ue0a u. a.). 

Auf idg. -e weisen vielleicht folgende lateinische Formen. 

1) bene und male, sowie ein Teil der Adverbia auf -e 
(cf. darüber Job. Schmidt: Festgruss p. 105). 



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— 39 — 

2) Einige Zusammensetzungen. 

In dem ersten Bestandteile des -^-Imperfektums und Fu- 
turums der Verba auf -e- (cf. Stolz p. o76) von diesen dann 
weiter übertragen: z. B. are-ho, -ham etc. cf. ai-e facit etc. 
s. auch Wiedemann (Beiträge z. abulg. Conj. p. 125 f.). 

In extre-mus, po.stre-mus vgl. dazu: aoqpaj-Taio^ etc. 
Stolz p. 'i^h?y u. bei ihm Weihrich: De grad. comp. p. 20 f. 
Brugmann: Grdr. II p. 158; anders Wackernagel : Das Deh- 
nungsgesetz der griech. Komp. p. hL 

Das Umbrische 
wird an folgenden Stellen den Instrumentalis auf -o bewahrt 

haben. 

I B. 18 purtatulu pue nie^^^' est, 
feitu uru \)\ä^ nier^s est. 

' portato illo quo lu,s est, facit o lllo quod ius eM\ 
V A. 25 pure ulu benurent cf 28 B. 4. 
'qui illo vener int\ 
vgl. dazu VI I). 55 portatu ulo pue mers- est, 

^ fefu uru pise mers est, 

ferner: I B. 23 simu etutu 'retro eunto\ 
vgl. dazu VI B. 65 simo etuto ' retro eunto\ 
endlich I B. 34 f. ape erus ter^ust, pustru | kupifiatu 

^uhi erus dederit, retro \ mandato\ 
Ähnlich ib. 36 pustru kuvertu 

' retro revortito \ 
II B. 19 vesklu pustru pestu 
' vascula retro ponito*. 
vgl. dazu VII A. 43 ape erus dirsust, postro comhißatu, 

ib. 44 postro covertu. 
VI B. 5 Ape sopo postro peperscust 
' Uhi suppa retro posuerit \ 
(anders übersetzt die Stellen zum Teil Breal, Les tables Eu- 
gubines; wir folgen lUicheler). Auch VI A. 11 seipodruh-pel 
"utroque vorsum/ rechnet Brugmann II 783 zum Instrum. 
Instrumentalis ist endlich suhoco in der formelhaften Wendung 
suhocau suhoco VI A. 22 24 25, VI B. 6 8 8 26 27 27 cf. 
Bartholomä: Stud. II p. 141 §79. Aus dem 

Oskischen 
wüsste ich kein Beisi)iel : cisüd ' eo' zeigt vielleicht, dass wir 
annehmen dürfen, der Ablativus habe im Oskischen auch diese 



40 — 



Y- 



^ 



41 — 



Funktion des Instrumentalis übernonnnen. Erwähnen Avollen 
wir noch, dass Hüeheler auf der oben genannten oskisehen ßlei- 
tafel Z. 11 huntru (vgl. unibr. hutra T b. 42) abteilt. Dies 
wäre dann ein Instrumentalis. 

Von den «-Stämmen können hierher i>;ehr)rcn aus dem 

Lateinischen 
hacy tmäj rectä, dextrcl (Brug:mann II p. 680 j; wir werden 
aber im zweiten Kapitel einen Grund finden, weshalb wir sie 
lieber dem Ablativus 7Aiweisen. 

Ft'usträ ist wohl Instrumentalis. I^s erscheint, nach 
Analogie der iambischen Formen, bei Plautus mit kurzem -«, 
bei den klassischen Dichtern dagegen, nach Analogie der an- 
deren auf -{t)ra == urspr. -(t)raclj mit langem -a (ef. Stadel- 
maun p. 23 f.). 

ümbr. hutra, hondray siihra sind Ablative. Auch oskisch 
ekak, iak (Pauli, Altit. Studien II 107) halten wir für Ablative. 

2) idg. -öin (-em), -am. 

Im Lateinischen 
wurden lange Vokale vor -m gekürzt (Rrugmann I .oOö iStolz^' 
p. 280 B. 2): *-o/w (*-em) "^'-äm also >> lat. -am (-eni), -am. 

Diese Form des Instrumentalis kchmen wir nur in einigen 
Adverbien suchen. Hirt (p.26) stellt hierher: fumj mim, quam, 
dum [auch wohl acfiifum]. Da sie keine ntr. sein können 
und der acc. sg. masc. nicht ohne weiteres adverbiell verwandt 
wird, so ist die Annahme recht wahrscheinlich (vgl. auch ai. 
uccalsfarämy mnäistardm: denn diese geluh-en doch wegen 
ihres ersten Bestandtheiles, eines instr. pl. masc, dem mascu- 
linum zu. Hirt p. 20). 

Gehören dann weiter vielleicht: mltemy autem hierher als 
Instrumentale auf idg. *-^m? 

Die Dialekte liefern kein Beispiel. 

Von -rt-Stänmien kann man als Instrumentale auf ^-am 
deuten die Adverbia auf -am : tarn, quam; cöramy pröünamy 
prömiscam, perperam, Ufariam etc. ; auch namy -dam (quon- 
dam) (alpmtardmy prafamdm Qt(^. Hirt p. 20) (vgl. übrigens 
qo : qä : qi — num : nam : (e)nim). 



2. Die -l- und -2*-öranune. 
ai. ved. mati hdnv-a, 

a-gam-ya .4rutvä 



/ 



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-i 



av. azi 

griech. ttoXi (?) 
air. faith 
germ. ahd. sfefi. 



hazu 



hiufh 



Die Bildung des Instrumentalis auf -/. und -ü ist als idg. 
erwiesen durch Osthoff (M. U. II 189 f. IV 280 885 Anm. 1). 
Wenn wir als die ursprüngliche Bildung ansetzen: *-i-m, *-ij-m 
und *-i-/?i ^-u-m, so kann man sich denken, dass die anteso- 
nantische Form -im, -um nach dem Muster der -o- und -«-St. 
in *-fwi^), *-wm mit den Sandhiformen *-i, *-ft schon im Idg. 
umgewandelt wurde. Die alte antekonsonantische Form *-i-m, 
*-u-m wäre dann in den Formen: arisch, -/y«, -va (bezw. mit 
-ä nach den -o-Stämmen) fortgesetzt. 

Die idg. Form auf -^^) könnte in den oben als Ablative 
erklärten F'ormen cf. tiirri umbr. puni poni stecken, ebenso 
k()nnte auch lat. mamc Instrumental auf idg. *-ä sein. Jedoch 
glaube ich, dass bei den -/ und «-Stänuuen der Instrumentalis 
ebenso wegfiel wie bei den -o- und -«-Stämmen, weil die Ur- 
sache, wie wir sehen werden, in beiden Fällen dieselbe war 
(cf. unten p. 68 f.). Höchstens in dem 'II. Supinum' auf -u 
kfinnte ein Instrumentalis erhalten sein, wenn man annehmen 
darf, dass schon im üritalischen diese Form genügend isoliert 
war, um den schwindenden Kasus festzuhalten. 

Der Typus idg. "^'-im = lat. -im nun kann in den Ad- 
verbien auf -im enthalten sein. Von dieser im Lateinischen 
sehr weit verbreiteten Klasse von Adverbien ist natürlich nur 
ein Teil altererbt z. B. exim., Interim; eriim; olim; andre 
wie JiinCy extrim-, alt r im-, intrim-'^ illinc, illim, isfinc sind 
wohl Neubildungen, denn der -i-Stanmi ist hier sonst nicht 
überliefert. Altertümlich ist auch partim. Eine grosse 
Anzahl dieser Adverbia ist von dem Stamme des Particip. 
Perf. Pass. gebildet Ich meine, dass dies nicht etymologisch 
berechtigt ist, sondern dass zu dieser Auffassung der Instru- 
mentalis der -^/-Stämme geführt hat: z. B. kann -sertim in 
prae-sertim der Instrum. zu sors sein u. a. Das Prinzip, nach 



1) Vielleicht g-ehört dazu ai. tusnim ^schweigend' cf. Whitney : 
§ 1111 d. p. 386. 

2) cf. wegen -1 in oxjtoo-i umbr. pors-ei als Instr. zu i-sBrug- 
mann, II p. 783. Osthoff, M. U. IV 229 f. 



V 



— 42 — 



r 



— 43 — 



dem bei der Neubildung' von Adverbien auf -Im verfahren 
wurde, war aug:ensehcinlieli das, dass man vom Stanune des 
Part. perf. pass. ausg:ing:. Das zeii^^en wohl vor allen die zahl- 
reichen Adverbia auf -atlm, von denen wir anführen : alfer- 
nafintj cerfatim, celafim, conuiratim^ duhifathu, fesfinaflm^ 
ßuctiiafhn, nihmtatim. nom'mafim, populaüm, privatim, pro- 
perafitUy testatim etc. 

Diesen liegen Verbalstämme zu Grunde. Die Endung 
-atlm diente» dann auch zur Aiverbienbildung, ohne dass ein 
Verbum daneben gebräuchlich ist: cf. articidatimj cenfiiriatim, 
fnisfillaflm, friistatim, guffafim, manipuJatim, offafim, os.si- 
culafim rm^ticatim^ >>altuatim, semitafimy singiUafi?n, summa- 
tim, unciatim, urhanatim, vicatim, zonatim, zopt/riafim. 

Die distributive Bedeutung-, die mit der Endung -afim 
verbunden ist, ist der Instrumentalbedeutung nahe verwandt; 
ebenso die modale in den folgenden: cautlm, coufemptimy cnr- 
,sim, diserfim, effiictim, eninim, inciirsimy minutim, raptim, 
rec€,s,sim, retitrictim, sensimj stricümy tractimy die alle deut- 
lich den Zusammenhang mit dem Particip. zeigen. 

Besonders liebt die alte Zeit jene Adverbien ; so war 
offenbar der Historiker Cornelius Sisenna ein Liebhaber der 
Adverbia auf -atim (in seineu Fragmenten finden sich 10 ver- 
schiedene, zum Teil äiraE XeTÖ)ueva). Da das 8ufüx -ti- im 
Lateinischen nur in der Weiterbildung -tiön- produktiv ist, so 
können wir vielleicht vermuten, dass die Instrumentale auf -im 
isoliert wurden, weil ihre Nominative selten wurden bezw. 
ausstarben, 

3) Die konson. Stämme. 

ai. sün-ä näMam (cf. Hirt p. 18). 

av. mn-a. 

griech. ä)u-a, ireb-d, Trap-d, FeK-a (eiv€Ka). 

Die Beispiele aus den andern idg. Sprachen sind zu 
unsicher. 

Der idg. Instrumentalis hiess *ped-m, das -a^ welches 
man als Fortsetzung von idg. *-m im ai. erwartet, ist, der 
gewöhnlichen Erklärung zufolge, nach dem -ä der -rt-vSt. ge- 
längt; Hirt führt p. 17 die Mr>glichkeit an, es auf idg. -m zu 
beziehen (langes *-m sieht er dann auch in €Kr|-Ti dor. eKa-ii). 
Im Uritalischen ward aus ^'ped-m "^ped-em : diese Form wurde 



^Y 



+ 



dann wegen Zusammenfalls mit dem Akkusativus (wenn dieser 
damals nicht mehr '''podem lautete) aufgegeben und nach dem 
Muster der o-Stännne der Instrum. *pede gebildet. Auf diese 
Form "^pede führt Hirt (p. 16) die 'Ablative III. Deklin.' auf 
-e zum Teil zurück (zu einem andern Teile waren sie, wie wir 
sahen, Lokative). Es würden von den Formen der Dialekte 
liierher gehören, aus dem ümbrischen. 
z. B. II A. 8 tikamne luvie ' invocatione Ioviae\ 

29 f. aseseta | karne persnihmu ' Imecta canie mp- 

plicata \ 
34 f. kapi6?e Hunte | . . . vestikatu. 
' capide Ifonto [ • . • lihato. 
VI A. IT arsfertui'o nomne carsitu 'flaminem nomine 
vocafo \ 
25 etc. tio e.s'w bue (sc. mihocau o. a.) te hoc höre (sc. 

invoco) etc. 
Aus den anderen kleinen Dialekten wüsste ich kein Bei- 
spiel anzuführen. Im Oskischen ist der Instrumental auch hier 
geschwunden; über die Ursache dieser Erscheinung cf. Kap. 
il p. 68. 

B. Die Formen des Pluralis. 

§ 1. Geschichte des Ablativus. 

Der Ablativus Pluralis hatte im Idg. wahrscheinlich mit 
dem Dativus gleiche Form. Die Erklärung für diese Doppel- 
funktion des einen Suffixes wissen wir ebenso wenig wie bei 
der gleichen Erscheinung beim Genetiv und Ablativ sg. der 
Nicht-o-St. 

Die Suffixe, welche die einzelnen idg. Sprachen für un- 
sern Kasus aufweisen, können nicht auf eine einheitliche Grund- 
form zurückgeführt werden. Es sind folgende: 
L a) ai. -bhyas. 

av. hyö. 
b) lat. -hos {-bus) osk. -fs, .ss umbr. -s, 

gall. -bo (vgl. jedoch Grdr. II p. 709). 
2. germ. -7ns , -mr, (cf. Grdr. II 710) -m. 

alit. -mus\ -ms, -m. 

preuss. -mans, -mas. 

aksl. -mü. 



<( 



— 44 — 



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X 



- 45 



Die Verscliiedenbeit der Anlaute -hh- und -ni- als Ent- 
wiekelunf;: aus ein und derselben Urfonn zu erklären, hat man 
jetzt auf<,^egeben und ist zur Annahme zweier versehiedener 
Suffixe ^esehritten. (Litteratur: Leskien, Deklin. p. DDfi'. 
Berg:aig-ne, Mem. II 21o. Hrugmann II p. 627 u. j). TUc^ 
Fussn. \). Das Suffix, welches den Formen der italisehen Spra- 
chen zu Grunde lie^t, lautete mit hli- an. Die arischen For- 
men mit -hh- kann man jedoch wegen des -i- hinter dem An- 
laut nicht der italiscben Form vcillig* gleich setzen. Hei die- 
ser w^äre das Fehlen des -i- lautgesetzlich durchaus nicht zu 
rechtfertigen. Sie ist nur als Fortsetzung eines idg. -hJios zu 
verstehen. Diese Form setzt denn Brugmann auch (II p. TOD) 
als idg. Grundform an und erklärt das -i- des Arischen für 
eine, nocb ungedeutete, Neuerung dieses Sprachzweiges. Dann 
lag in der Grundsprache neben -hho- das instrumentale -hhi- 
wie *f/o neben "^qi (II p. 626). Auf eine andere Weise sucht 
Henry (Mem. VI 102 ff.) der Scbwierigkeiten Herr zu werden. 
Er bält die arische Form des Suffixes -hhio- für ursprünglich ; 
die euro|)äische, -hho-y dagegen für eine Kontaminati(msbiIdung 
von -hhio- und dem instrumentalen -hhi-^\ Diese letzteren 
beiden würden im Ablaut stehen. Da sich auf diese Weise 
das Verschwinden des Instrumentalis auf -hhis im Italischen 
sehr einfach erklärt, so bat diese Ansicht viel für sich. 

Auf die Behauptung von Job. Schmidt (Vokalism. I p. 1(K) 
cf. auch Corssen IP 498. Bücheier, Deklin. p. 12o. Les- 
kien, Deklin. p. lOOft". Stolz, Lat. Gramm. ^ p. 844), das lat. 
-hus habe einst langen Vokal gehabt, weil ein Xasal geschwun- 
den sei, brauchen wir nicht näber einzugehen. Die Haupt- 
stütze für diese Hypothese war die apreuss. Suffixform -mans: 
diese aber wird durch die Trennung der -hh- und -w-Suffixe 
bedeutungslos. Wegen der Dichterstellen im alten Latein, wo 
'hiis ^ den Iktus trägt, cf. Henry a. 0. p. 108 Anm. 3. Sta- 
delmann : De quantitate etc. p. V. Das Suffix -hos wurde im 
Lateinischen in der literarischen Zeit zu -hns. 

1) Die o-Stännne. 
ai. vfke-hhyas tehhyas. 



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r 



äv. cehrhae'ihyö taethyö. 

lit. vUl'a-mU'Sj -d-ms te-nis. 

aksl. vMJcoiifü feniu. 

germ. got. rulfa-ni{'^) pdl-in (?). 
ahd. icolfii-m (?) de-ni ('?). 
Die geschlccbtigen Pronomina bildeten also den Abi. 
plur. vom Stamme z. B. idg. ^fei- (cf. zu dieser Stannnform 
Torp: Beitr. z. Lehre v. d. gescbl. Pron. p. 18), die Xomina 
aber, wie die euro[)äischen Sprachen erweisen, vom Stannne 
auf -o. Die arischen S[n-achen übernabmen den Dij)hthong 
vom Pronomen. 

Im Lateinischen 
ist im Allgemeinen der Ablativus der o-Stämme geschwunden 
und durch den Instrumentalis ersetzt. Nur ein paar prono- 
minale Formen finden wir mit dem alten -h(s. Es sind : ihus 
Mil. 74. (Truc. 1. 2. 14. hier Coniect. des Camerar.) Capt. 
V (arg.) Titin. fab. tog. v. 59. Ponipon. fab. Atell. v. 104 
(bei Ribbeck: frg. Comic, et tragic.^); hihiis Cure. v. 506 
Charis. p. 54 K. (illibus. Gramm. IV 543, 13. 548, 1 K.) ihiis 
ist als der direkte Nachkonnne des alten ^ei-hho-s anzusehen. 
Die anderen beiden sind lateinische Nachbildungen wegen der 
Stännne. 

Die Formen auf -ihus von Substantiven o-Stämmen sind 
junge lateinische Bildungen : amicihufi eta. cf. Bücheier: Deklin. 
p. 126 f. 

Neben ihus etc. stehen du-ohus und amhöhus. Sie können 
wegen ihrer dualischen Bedeutung natürlich keine alten idg. Plu- 
ralformen fortsetzen. Die alte Dualform *duöhhiö7n nahm, als 
beim Nomen und Pronomen der Dual geschwunden war und 
so Verbindungen wie "^duöhhiöm avihhios, *duöhhiö7)i avihhis 
bezw \ ^diiöhhiCmi aribhos (füi* Dat., Abi. und Instr.) aufkamen, 
die Pluralendungen *-hhios, "^-hhis bezw\ ""'' hhos statt *-hhiöm 
an: so entstand duö-hus (cf. Henry: Mem. VI p. 103). 

In den Dialekten 
erinnert keine Form mehr an den Ablativus: überall ist hier 
der Instrumentalis einaetreten. 



1) Ähnlich Pronominalstainin osk. ekao- aus eko- und eso- cl". 
Brugmaim II 770. 



ai. dsva-hhyas 
av. haenühyö 



2) Die -ä-Stännne, 

fd-hhyas, 
avü-hyö. 



V 



- 46 



r 



^ 



47 



^all. Na)Liau(TiKä-ßo. 
lit. rafil'o-muSy -ms 
aksl. rqla-mü 
gerni. ^ot. gihöm 
alul. (jehö-m 



tö-nis. 

fe-mü (inasc. cf. Grdr. II p. 794), 

bdi-m] 
(?) ^ niasc. 



Bei den -^/-Stämmen findet sieh im Idg*. kein Unterseliied 
zwisehen Nomen und Pronomen. 

Im Lateinischen 
ist auch mit. -ihhho-s von dem Instrumentalis verdräno^t, jedoch 
finden wir hit. -ülms noch weit häufiger als -ibtis. In der 
späteren Zeit wandte man es meistens an, wenn es auf genaue 
Unterscheidun«;- der Geschlechter ankam. Besondei-s häufig 
auf den späteren Inschriften ist Jibet-fahus^ formelhaft in der 
Verbindung: Ubertls Uhertalms posterisque eorum z. B. C. I. 
L. XIV 21() 221 2^5 293 294 30G 310 323 331 333 339 
etc. etc. Aus der archaischen Latinität führen wir an: puel- 
lalmsj portahus, oleabm, ecüms^ mpfalms, pmicahns, pro 
duabns pudicabus (sämtlich bei Peter: Frgm. bist. Rom.); 
die Grammatiker der si)äteren Zeit führen ausserdem noch an : 
nafabna, ßliahua^ equabus midabus, (mnabna, anlmabus u. a. 
(Neue: Lat. Formenl.). Von ditabus, ambabus gilt dasselbe 
wie von den maskulinischen Formen. 

In den Dialekten 
ist der Instrumentalis ausschliesslicher Sieger geblieben. 

3) Die -w-8tämme. 

ai. mnu-bhyas, 

av. büzu-byö. 

lit. mnu-imiSy -ü-ms, 

aksl. syno-mü. 

germ. got. sunu-m (?). 

Bei dieser und den folgenden Stammklassen behielt die 
Italische Si)rache den Ablativus auf ^-bhos bei. 

Im Lateinischen 
ist das alte -bos an einem «-St. erhalten : frebibos = fribnbus 
(cf. Jordan: Quaest. arch. Königsberg 1886). 

Der Stammauslaut -u- wird, wie auch sonst vor Labialen 
(und /?), vor dem -b- des Suffixes zu einem Mittellaute zwi- 
schen u und /: vgl. lubet und libef : ai. iubh--^ lacrlma und 



> 



^' 



i 



lacmma : botKpu; mnni-fesfus und mamt-fes-fus^ opfiimus und 
opümus etc. (cf. Brugmann Grdr. l p. 43 § 49). 

So erklärt sich das Schwanken im Ablativus unserer 
Stännne zwischen -ubns und -Ibus, für welches die Gramma- 
tiker vergebens (wenigstens mit geringen Ausnahmen: Velins 
Longus) nach einer Erklärung suchten. Ausser bei arcus, acns, 
qtiercus, trlbns geht nach Schweizer - Sidler (Lat. (Jramm. - 
p. 91 § 110, 3) überall -Ibiis neben -nbus her. 

In den Dialekten 
wui-de urit. '^-bhos- > Yoä > */^v > xs > h. Dass man und)r. 
berus II A. 30 nur durch diese Annahme erklären kann, zeigt 
der Umstand, dass das Schluss-.s* — und dies gilt ebenso von 
den -/- und kons. Stännnen — vom Rhotacismus ausge- 
schh>ssen ist (cf. Schleicher: CNmipend.-^ S 2()1 570. Osthotf: 
Curtius Stud. 9, 280 P. B. B. III Gl ff. und neuerdings Duvau: 
Mem. VI p. 104). AVie ist zu erklären osk. eiduis an folgen- 
den Stellen: 
Rh. M. 44 p. 320. 

eiduis luisarifs ' idh loeaaribua\ 
ib. 4;') ]). 160. 

eiduis mamerttiais ' idh imtrti}.^''^ 

Als -o-Stannn möchte man es wegen des femininen ma- 
merttiais nicht auffassen. 

4) Die /-Stämme. 

ai. dvi-bhyas. 

av. azi-byö, 

lit. nalttMimSj -i-ms. 

aksl. nostl-mü. 

germ. got. ansti-7n \ 

ahd. ensti-m | * 

Aus dem Lateinischen gehören hierher z. B. furHbns\ 
oribns, r est Ums; aus dem ünd)rischen z. B. aves (I A. I) avis 
(If A. 17) aveis (VI A. 1); im Oskischen ist uns die Form 
bewahrt, die als \'orstufe des -s anzusetzen ist, -fs, vielleicht 
in : luisari-fs. 

Woher im Umbrischen das -ei- neben -/-, -e- stammt, ist 
unklar (cf. Brugmann: Grdr. II p. 712 S 371). 



• 

5' 



^ 48 - 

5) Die konsoii. Stämme. 

ai. svd-hhyas, 

av. dclma-hyö. 

lit. szun-i-muSy -i-ms, 

aksl. kamen-hmii (aber aslav. polja-mu). 

gall. )LiaTpe-ßo. 

Die Bildiingsweise des Idg*. ist im Lateinischen und Os- 
kiselien aulg:egeben und durch die der -/-Stämme ersetzt wor- 
den : cf. lat. homin-i-l)ut>, Jeg-i-lniHy ferenf-i-hus, ped-i-hus (das 
cinmaliij:e senaforhus i?eg*en zweimaliges mnatorUnii^ auf dem 
Seu. cons. de ßacch. ist Flüchtigkeit) osk. tercnni-i-ss lig-i-s. 
Im umbr. dafür -us, -ii>( z. B. karn-ns; aset-us; ner-us-^ 
du-pnrs-us (cf. IV 7; II A. 14 VI b. iS2 (VII A. 1-} 14 l>8 
oU) VI b. 10), nach Brug:mann (II p. 711 ^ MT) wahrschein- 
lich von den -i«-St. entlehnt. 

§ 2. Geschichte des Lokativus. 

Den Auseinandersetzungen Prugmanns zufolge (vgl. Grdr. 
II ]). ()99ff. § 356) können wir für den Lokativus der idg. 
Grundsprache folg^ende Bildungsweisen als wahrscheinlich an- 
setzen : 

1) auf -sL 

av. haf-sl^ tanu-si (Bartholomae B. B. 13, 84 f.). 
gr. qpuXaHi (i. e. -K-ai). 

armen, cjailoc {y) (Bu«:g:e: Beitr. z. Erl. d. armen. Sprache 
p. 47 f.). 

2) auf -.m. 

ai. vf'le-su av. vehrkae-sn {-se-a). 

a[)ers. mädaimv-a. 

lit. viiJtüsu aksl. vlucechii. 

3j -s. 
lat. demls, lupis, Nüvlauüis (?). 

gr. ITTTTOl^. 

lit. raükos-e alit. namüs-a. 

Die weiteren Belege s. a. 0. 

Diese drei Ausgänge müssten wir unter einander in fol- 
gendes Verhältnis setzen: das eigentliche Kasussuffix ist -.s-, 
an dieses traten erweiternd die Elemente -/ und -u, die sich 
auch beim Lokativ des Singular linden. Über das Lokativ- 



1 



\ 



> 



^ 



y 



- 49 - • 

Suffix -u cf. Bartholomae : B. B. 15, 23. Hirt: Idg. F. I p. 30f. 
Im Italischen ist nur das Suffix -s erhalten. 

1) Die o-Stännne. 
Die oben genannten arischen und die griechische Form 
zeigen, dass auch der Lokativus, wie der Ablativus, von dem 
diphthongischen Stamm gebildet wurde: diese Formation ist 
höchst wahrscheinlich vom Pronomen übertragen: cf. ai.tesu, 
av. taesu gr. toi<;; is-tis. Der uritalische Ausgang *-o/.v ent- 
wickelte sich in den einzelnen italischen Sprachen in folgen- 
der Weise: 

Im Lateinisclien 
wurde -oi- in unbetonter Silbe zu -/-, "^-ols wurde demnach zu 
-is\ Also ai. rrk(\s-\u = lat. lupis. Das nähere s. beim In- 
strum, plur. p. 51. 

Im Umbrisclien 
wurde -oi- zu -e^ der Lokativus lautete also -es, daneben -er, 
-is, -u'j -eh", arves (I A. 0; pi'oseseter {\\ b. 20) arvis (1 A. 
27) Vesdil' (VII A 9) esoneir (VI A. IS). 

Im Oskischen 
blieb -ols. Nüvlanuis, neshnois. 

• 2) Die ^/-Stämme. 

ai. ((sv(l-s?( , av. haemhlm, apers. ^anUiü-hu-a i. e. 
anii/dur-a, gr. 6upacr-i, lit. raidios-e, aksl. raJx'K-vhü zeigen, 
dass der Lokativ der -^/-St., unerweitert, im Idg. aui' -a-s aus- 
ging. Den Reflex dieser Form sieht man mit Recht wohl in 
alat. devas Cornlscas C. I. L. I n. 814. 

Man ninnnt an, dass nach diesen femininischen Lokativen 
gebildet sind die maskulinen: deivös, der Duenosinschrift, 
marruc. alsos und mars. esos ' deis' (Zvet. VI (8) XXX VII 
(»59). Bei der Unsicherheit, die über die Deutung dei* drei 
Inschriften noch immer herrscht, ist ein Urteil nicht möglich. 

Von den Adverbien der lateinischen Sprache kömien alte 
Lokative pluralis sein. 

1) Von o-Stännnen: foriSj qiiotannls, alternw. 

2) Von rt-Stännnen : foräs ' draussen ', allasj aUerüs (seil. 
ckihus, occaslonUms) cf. Brugmann : Grdr. II p. 7U4 § 358. 

Bei den anderen Stämmen ist der Lokativus wohl schon 
uritalisch geschwunden. Eine unsichere Spur eines Lokativs 
ist vielleicht rwx im Zwcilftafelgesetz : „67 nox furtum faxsit, 



V 



w 



• _ ßo — 

hi im occisitj Iure caeaus esfo'^ (anders Breal Mein. V 434). 
We«:en des Plnralis vi»;!, ai. aliuhlüs. In den Dialekten ist 
also weder von einem -^^Stannn noch von einem der andern 
Stämme (exel. die o-St.) ein Lokativus erhalten. 

§ 3. Gescliiehte des Instrumentalis. 

Für den Instr. pl. iiab es im Id^\ zwei Bildnn<>s'weisen, 
die sieb in ^leielier Weise auf die verseliiedenen Stämme ver- 
teilten, wie die beiden Arten des Abi. sg-. Die -o-Stämme 
— beim Nomen und Pronomen — hatten den Ausf^an»- -öis. 
Durch das Griechiselie und Litauische (vUlxalü) wird i;eschleit- 
ter Ton und daher ursi)rün^liche Zweisilbigkeit für das Suffix 
erwiesen. Es ist schon in idg*. Zeit kontrahiert, doch ist na- 
türlich die Qualität des zweiten Komponenten nicht zu er- 
kennen: also ^0 -\- a'is^^-ois. Die andern Stämme haben 
"^-hlm als Suiüx, neben dem dann wiederum ein ähnliches mit 
anlautendem -m steht, welches in den german.-balt.-slavischen 
Sprachen erhalten ist: deren -r>?r, -/w.s, -m; -mh, -mi'^ -m/ sind 
die Nachfolger der alten Instrumentalendung. Wenn wir oben 
beim Abi. Flur, einige germanische Formen mit Fragezeichen 
anführten, so bezog sich das eben darauf, dass sie auch alte 
Instrumentale sein konnten. * 

Wie wir bei der EWu'terung über das ablativische -?>^^s' 
des Italischen sahen, kann diese Endung aus Kcmtamination 
von '^-hhio-s und -hhi-s aufgefasst werden. Wir haben uns 
dieser Erklärung angeschlossen; denn vom Instr. -hhi-s ist im 
Lateinischen keine Spur mehr erhalten. Dass der Instrumen- 
talis schon im Lritalischen verloren ging, kann zwar nicht 
bewiesen werden, (denn die umbr.-sanm. Formen können auch 
auf *-hhis >> urit. *-^*.s* >- umbr.-sanm. >> */5 > •^'-S •**' /"i'ück- 
gehen) es ist aber aus Gründen, die wir im Kap. II err>rtern 
werden, sehr wahrscheinlich. 

Wir beschäftigen uns daher nur mit dem Sufüx "^-öis. 



1) Die o-Stänmie. 



ai. vi-kilis. 
av. ve/irkais, 
gr. Xükok;. 
lit. vilhals. 



\ 



^' 






^ 



Y 



I 



^^t 



- 51 - 

[germ. got. mdfa-m. 
ahd. uiolfu-m. 

air. celib (mit -/- z. io-St.)]. 

ital. alat. oloesj Ulis, 
umbr. veskles etc. 
osk. ligatüis. 
Über die Ausbreitung des Tvpus *-?>//v'.v im Arischen s. 
Brugmann II 717. Bartholomae: Hdbch. 96. Whitney: Alt- 
ind. Gramm, p. 109 § 329. 

Nach dem ol)en für die idg. Langdiphthonge ausgespro- 
chenen Gesetze nmsste die Endung *-ö/x je nach dem Anlaut 
des folgenden Wortes entweder zu *-ä? werden oder *-ö^^s' blei- 
ben. Nur die zweite Form ist in den einzelnen idg. Sprachen 
weitergebildet. Das idg. *-öi<? ^vurde nun im üritalischen über- 
all zu -öis gekürzt und dann nach der Aufhebung der itali- 
schen Urgemeinschaft in den verschiedenen Dialekten in ver- 
schiedener Weise behandelt. Wiedemann (K. Z. 32, 120 f.) ver- 
legt den Wandel von "^'-ois > -öis erst in die urlateinische 
Zeit, weil im Oskischen -üis, -ois nur auf ^-ois zurückgehen 
könne; denn der Reflex von -Cm sei *-m', wie der Genetivus 
(Herentatei-s z. B.) zeige. Aber hier kann -eis auf idg. *-^>/-.v 
zurückgehen, wie auch im Lok., bezw. Gen. sg. der -o-St. osk. 
tereij sakaraklei-s. 

Im Lateinischen 
wurde -öis zu -is: equls, Jnpjs. Daneben ist uns überliefert: 
oloeSj priindiws. (Paul. Fest. 193; Fest. 2or) M.). Dieses -of^ 
betrachte ich als die Vorstufe zu -l und sehe ebenso die No- 
minative pilumnoe, poploey fescemiinoe an (Bücheier Grdr. 
§ 8;') p. 36), für welche Osthotf (Z. G. d. P. p. 199) Entleh- 
nung des -oe vom i)ronomen ^hoe, ^quoe vermutet: l)etontes 
-Ol ward nämlich nicht zu -/, sondern wurde (über -oe) > ?/. 
Neben -oex steht -es in Cavaturines, Mentovines (C. I. L. I 
199). Das -e stellt sich wahrscheinlich zu den auch sonst für 
lateinischen Diphthong vorkommenden, meist auf provinziell 
gefärbten Inschriften stehenden -e (cf. Beispiele bei Sittl: Die 
lok. Verseil, p. 8 f.). 

Instrumentalis ist auch qiils, das im alten Latein gar 
nicht selten für quihus begegnet und auch in der klassischen 
Zeit noch ziendich häufig ist. 



>-■ 



*/ 



-- 5^ - 

Das Uinbrische 
verwandelte -öis y> es et", veskl'es snates; das -,v kann ancli 
fehlen: snate (IIa »^7); statt des -e tiiidet sieh alt- u. iiemini- 
briseli aiieli -/: eikvasatis (III 24), alflr VII A. 2;"). Das -e 
tindet sieli jedoeli auch iiemnuhriseli aJfer Yl A. ;>2 und statt 
-i- n. undjr. aueli -ei- vereir VI A. '22. Das -.s* unterließt, weil 
es auf eint'aelies -s znrüek,i;elit (et*, da^e^en das -.s- der -/-, -u-, 
kons. St. = f\o)s)j dem Kliotaeisnius, aber nur im Auslaut; 
bei antretender Postposition sofort wieder -s: ef. veris-co VI 
A. 19 20 21 etc. 

Das Oskisclie 
stand hier dem Uritalisclien am nächsten: -öis blieb diesem 
Dialekt erhalten: cf. Fistlüis, fisfjois (Zvet. S. 1.0. CLXXVIlIc 
(201 b; CLXXVIIlb (2()lcj), v*>:l. dazu: pael. emprafiti.s; so- 
lots; cnatois (bei Zvet. J. J. m. d. XI f. (i:5f.)C.I.L. I 11»4). 

2) Die <? Stännne. 

ai. dsvil-hJiis. 
av. haenä-hls, 
air. mnai-b. 
y;Y. dY€XTi-(pi. 
gerni. ^ot. ijiho-m. 
ahd. (jeho-nf, 
lit. rauk'o-mi{s), 
aksl. rala-mi. 

Diesen Formen stehen ^e^enüber: 
^r. laic; x^Jupaiq. 
ital. lat. niensis ^ 

umbr. anzeriates, 

osk. diumpais. 

Im Italischen und Oriechischen wurde also der alte In- 
strumentalis auf-egeben und durch eine Neubildung' nach dem 
Muster der o-Stämme ersetzt. Ob man anninniit, dass damals 
schon *-ö/.s* >> *-öiy gekürzt war, oder ob man *-rt/.v neben *-6i.v 
setzt und beide zu«:leich geküizt werden lässt, ist gleichgilt^g- 
(Osthofi; Z. G. d. P. 196). 

Im Lateinischen 
wurde *-t7/.v > -/.v : equis, lijnrplüs. Eine Form auf -aes^ die 



V 



Y 



- 53 - 

dem -oes in oloes entsprechen würde, ist nicht erhalten. Je- 
doch haben wir eine solche auf -es, welche mit Cavaturines 
auf gleicher Stufe steht: nuges (I 1297). 

Wir haben den lat. 'Ablativus' equls, inemts etc. aus 
-äis entstehen lassen und ihn als uritalische Neubildung er- 
klärt, wie Mahlow, Osthotf u. a. Diese Annahme ist nur unter 
der Voraussetzung richtig, dass ital. -ai im Lateinischen zu 
-l ward. Dieses Lautgesetz nun ist neuerding:s von Torp 
(Beitr. z. Lehre v. d. geschichtl. Pron. p. 15 Anm.) bestritten 
worden. Nach seiner Auffassung: wäre das -is der Feminina 
erst im Lateinischen von dem maskulinischen Ausgang über- 
nonnnen worden; den regelmässigen Wandel des ital. -ai im 
Latein aber zeigten: Romae (dat. loc. gen.) und mensae 
(n. pl.). 

Seine Kritik der Beweise Osthoff's für den von ihm (und 
von Speijer Mem. V 186 f) angenonnnenen Lautwandel ist 
indessen durchaus nicht geeignet, denselben als ungiltig zu er- 
weisen. Schon die Übereinstimmung der Dialekte, meine ich, 
müsste jeden Zweifel über die Chronologie der Neubildung 
des Instr. und damit über die Behandlung des ± äi autheben. 
Dazu kommen die anderen sicheren Entsprechungen, wie : agi : 
ai. aje; legimiiii : XeTe)Lievai (Wackornagel : Verhdlg. d. 89. 
Phil. Vers. p. 281 f. Brugmann Grdr. II 155); dedi : ai. dade 
(Osthotf a. 0. 191 f. Speijer a. 0.). 

Es jst aber nun die Frage, wie sich jene Formen er- 
klären, auf welche Torp sein Gesetz stützt: Romae, mensae. 

Osthoff (p. 195f.) führt die Dat.-Lok.-Form auf lang läi 
zurück, welches lautgesestzfich zu lat. -ae geworden wäre ge- 
g:egenüber kurz ± äi zu >> -/. Auch die Pluralformen können 
langen Diphthong gehabt haben, wenn man sie als speziell 
lateinische Neubildung und nicht als die alten Dualformen an- 
sieht. Die Sache würde also sehr einfach liegen. 

Brugmann nimmt an, aus ital. -ai wäre lat. -ä geworden 
(cf. -öl > ö) s. Grdr. II p. 601 § 247 I p. 125 § 136. Dann 
wäre lat. Matufa (pracn. Fortuna primogenia fal. Menerra'^ 
Schmidt: Festgr. p. 102 M die lautgesetzliche lateinische 
Form, die vielleicht wegen der Gleichheit mit dem Nom. sg. 
aufgegeben wurde. Die für die alte (z. T. auch für die klassi- 
sche) Latinität durch Grammatiker überlieferten Formen auf 
-ai, für welche Zweisilbigkeit ausdrücklich bezeugt wird, fasst 



w 



^ 



— 54 — 

Bru^^mami fa. 0.) wohl richtig als Folgen des genit. iiiul dativ. 
Gebrauchs der Foniieii auf -ei der -ieSi. auf icf. zu diesen 
Formen: Grannn. lat. I 1^:, 18. 5:kS, 24. VII öT, 20. 158,10. 
K. vgl. auch III 284, 17 und II ::^7, 13; wegen -öl VI ]). 11, 
14. 17, 18. 24, 6). Die inschrittlichen Formen : Aeceflaiy l>e- 
lolalj Lacernai (C. I. L. I 4o 44 47) sind wohl Genetive 
wegen 49 iSalu^tes pocolom, 50 Volcani pocoloni. Die ge- 
bräuchlichen Dativlornien auf -ae /. ß. equae waren nach Brug- 
mann (p. 601) im Uritalischen vor Konsonanten entstanden und 
zugleich Lokative. Auf dasselbe -M weisen auch die und)r.- 
sanm. Formen. 

Ich glaube jedoch nicht, dass ± äi sich an irgend einer 
Wortstelle zu -ae entwickeln konnte, sondern dass es stets zu 
-i ward. Wenn wir von der Annahme ausgehen, dass der T)a- 
tivus sg. der o- und ä-St. idg. nur auf Langdiphthong aus- 
ging (lirugmann II p. 51)7 Fussn. 1), so war die weitere Ent- 
wicklung folgendermassen: die auslautenden -öi, -ai wurden 
antekonsonantisch gekürzt, d. h. hier galt für den ungedeckten 
Auslaut das gleiche Gesetz wie für den gedeckten: -ö?>, -ais 
>> -ö|>, -äis\ für das griechische nimmt man ja dasselbe an: 
'OXuiUTTiai mit äi wie x^pai?; dagegen stellt Xukuj x^pa <lie 
antesonantische Form dar, was man auch für lit. mllui nel)cn 
vilkais annehmen kann. Wie wurde nun im Italischen -ai, 
-oi + Sonant behandelt? Im Inlaut schwand bekanntlich -i- 
zwischen Sonanten: *oreie.s > oces etc. (cf. Brugman^ I ]>. 122 
i? lo4). Musste nun nicht auch, ein Hupöi, '^equoi + Sonant 
das -i- schwinden lassen? Oder galt dieses Gesetz nur im 
Wort- nicht im 8atzinneren? Dann wären -öj, -äi im La- 
teinischen zu Monophthongen geworden wie co-iuncH > condi, 
cuucfi *.v« ode.s > sodes, *v/ uls > m etc. (cf. Stolz Lat. 
Gramm. ^ p. 261 1. 

Der Kurzdi[)hthong wäre dann bei den -r^Htämmen nicht 
nach der Regel zu -i gCAvorden. sondern auf der Stufe -ae 
stehen geblieben, <lie sich von hae. qiiae über illaey istae auf 
die Nomina ausgebreitet hätte bezw. nach deren Muster be- 
wahrt blieb. Der Grund für das Wirken der Analogie wäre 
gewesen, den Genusunterschied aufrecht zu erhalten: man 
bedenke, dass durch das ungest/irte Wirken des Lautgesetzes 
durch die eine Form honi folgende Formen bezeichnet wären: 



> 



V 






. 



>!'■ 



V 



— 55 — 

masc. : gen. loc. sg. ; n. pl. ntr. : loc. gen. sg. fem. : gen. loc. 
dat. sg.; n. plur. 

Eine klare Entscheidung ist nicht zu fällen. Vor allem 
>vissen wir nicht, ob -oi, -äi urital. vor Konsonanten gekürzt 
wurden. War dies nicht der Fall und schwand auch das -i 
intersonantisch nicht, so müssen wir uns den Verlauf so vor- 
stellen, dass erst im Lateinischen -ö/, -äi wov folgendem Sonanten 
zu -ö, -ä wurde (die letztere Form dann wegen nom. equä = 
dat. equä aufgegeben), vor folgendem Kcmsonanten *-oe, -ae. 
Die Dative auf -ol popidoi llomanoi, hole, canieloi, caproi 
(Gramm, lat. VI p. 11, 14. 17, 18. 24, 6. K.) wären dann wie 
auch inschriftlich Numasiol = Xumerio die antekonsonan* 
tischen Formen (oder allerdings ev. auch die sonantischen vor 
dem Wirken des lateinischen Lautgesetzes für intersonant. -i). 

Ich gebe vorläufig lieber Eomae, mensae als xVnalogie- 

bildungen aus. 

Hiermit sind wir am Schlüsse unseres ersten Kapitels 
angelangt, welches die Formen des lateinischen Ablativus nach 
ihrem Ursprung behandeln sollte, und gehen nunmehr zum 
zweiten über. 



II. Kapitel. 

Die Ursachen der Kasusreduktion und der Verlauf des 

Synkretismus. 

Nachdem die Lehre von den synkretistischen Kasus ein- 
mal aufgekommen war, lag es nalie auch die Ursachen zu er- 
forschen, welche zu der Aufgabe von gewissen Kasus geführt 
und den Synkretismus hervorgebracht hatten. Delbrück, der 
in so vorzüglicher Weise den lateinischen Ablativus und die syn- 
kretistischen Kasus der griechischen und germanischen Sprache 
in ihre ursprünglichen Bestandteile aufgelöst hatte, gab auch 
zugleich den Faktor an, der nach seiner Ansicht am meisten 
dazu beigetragen hatte, den Kasusreichtum zu vernichten : das 
Wirken der Präpositionen. Sicherlich hat das verstärkte und 



V 



w' 



i 



— 5(> — 



Y 



— 59 — 



wacliseiule Aufkoiiiinen von Präpositiiuien sclir viel da/u l)ei- 
^•etra^^en, das Gefühl für die Kasiisendnii^-en zu schwäclieii 
lind die Anfmerksanikeit eben auf die Präposition liinzulenkcn, 
aber zur Erklärun<;" des Synkretismus reielite dieses ^loment 
niebt aus. llolzweissig- (Walirbeit und Irrtum der lok. Kasus- 
tbeorie p. 23) hält für das Wesentliche den „lautlichen Verfall 
der Endungen und dadurch herbei^^eführte Übereinstinunun^* 
ursprün^dich formell scharf f^eschiediMier Kasus, die dann erst 
zur Übertraaunü" d(T syntaktischen Funktion in den so ver- 
wischten Kasus führte" (ähnlich p. 19). Weiter unten }). 67 
iresteht er dann als möi^dich auch das Wirken „innerer Mo- 
mente" zu: „ein solch sekundärer Faktor ist der fliessende 
Charakter der Kasusunterschiede", welchen er auf j). 28 nicht 
anerkannt hatte; und p. 61) sa^t er es dann noch einmal deut- 
lich: „An erster Stelle hat nicht der fliessende Charakter der 
Kasusunterschiede, sondern lautlicher Verfall das Entstehen von 
Mischkasus verursacht". Den i::rade ent^egeni;esetzten Stand- 
punkt ninmit Vo^n-inz ein (Gedanken z. e. Gesch. des Kasus- 
systems. Trop*. V. Leitmeritz 1884). Er sag-t (p. 17): „Be- 
günstii^t mag- diesen Prozess allerdings in einzelnen Fällen der 
lautliche Verfall der Kasusendungen haben, aber aus diesem 
Moment allein heraus die Reduktion der Kasus erklären zu 
wollen, ist durchaus unzulässig". Nach seiner Autfassung ist 
der Hergang so zu denken, dass „auf eine Determination durch 
^Metapher mehrere verwandte IJeziehungsausdrücke übertragen" 
wurden. 

In den beiden etwas ausführlicheren Darstellungen der 
griechischen Mischkasus bei Delbrück (Synt. F. IV 49 f.) und 
l^rugmann (Gr. Gr.^ p. 201) Avird dann dieses Moment eben- 
falls scharf betont. l>rugmann setzt zwei Momente als wirk- 
sam an: „Annäherung der Bedeutung und Zusammenfall der 
Form. Jene war in den älteren, dieser in den jüngeren idg. 
Sprachentwicklungen der häutigste Grund zum Synkretisnms." 
Delbrück hat also seine Anschauung modifiziert. 

Dass der Standpunkt von Holzweissig falsch ist, geht 
sofort daraus hervor, dass ein Synkretismus auch ohne laut- 
liehen Zusammenfall stattfindet und ein Kasus auf rein syn- 
taktischem Wege verschwinden kann (vgl. den ital. Instr. sg.). 
Unsere Aufgabe im Folgenden ist, die Entstehung des latei- 
nischen Mischkasus zu erklären, nachdem wir im ersten Ka- 



V 



i 



Es wechseln 

1) Abhitivus und Instrumentalis 
z. B. in folgenden Fällen: 

vajrasjja t/fit fe ufhafnsf/n snsmat svaufic cid niclra 
pai'ajifö dadära als der stärkste barst infolge des Sausens 
und Brausens deines herabgeschleuderten Donnerkeils, o Indra'. 
R. V. 6 27 4. 

mä uns tdsmad enaso deva rirUah Mass uns nicht 
Schaden leiden, o Gott, infolge dieser Sünde' ib. 7 89 o. 

Daneben: ja rasa niarafe j^dflh infolge von Alter stirbt 
der Gatte ^ 10 86 11. 

fad i/dd eväfra sr dp nenn vä yena m mifhydJiarmn 
'was wir dabei wegen Schlafs oder aus einer andern Ursache 
falsch gemacht haben' S. B. }) 2 2 28. 

Weiter: etl cd esd yajhaniuTxhdd rddliya yö gner 
decdfayä etl ' derjenige trennt sich von dem Opferanfang, jl^ni 
Gedeihen, der sich von Agni als der Gottheit trennt' T. S. 
ö 1 1 2. 

sd evdinam v a r ii n ä p a s d n muncati * ' er löst ihn von 
der Varunafessei' T. S. 2 1 2 2. 

Dagegen der Instrumental, analog den Verben der Ver- 
einigung etc., dem konträren Gegensatze: 

Z. B. vatsdir viyutäh 'von den Kälbern getrennt' 
R. V. f) 80 10. 

tan ydn nd farpdyet prajdyä pasühTiir vi tisteran 
'wenn er die Götter nicht erquickte, würden sie sich von den 
Kindern und den Herden des Opferers abwenden' T. B. 2 1 5 10. 

Der Fälle, wo der Ablativus mit dem Instrumentalis 
wechselt, sind verhältnismässig wenige. Der Ablativus ist 
überhaupt im Altindischen sehr wenig gebraucht, was bei der 
Gleichheit mit dem Genetivus bezw. Dativus erklärlich ist. 
Von o-Stämmen führt z. B. Lanman (The Noun. Inflection in 
the Veda. Journ. of the Americ. Or. Soc. X 1880 p. o83) 
aus dem R. V. an: sg. 389 Formen, pl. 36; von ä-St. sg. 8, 
pl. 18 und von den konson. St. sg. 365, pl. 29. Das sind 
gegenüber den Instrumentalformen (832 1209; 656 295; 1936 
638) wenig*. Die Vennutung liegt nahe, dass der Insti'umen- 
talis sclion einen Teil der Ablativfunktionen an sich gerissen 
hat; wenngleich ich natürlich nicht leugne, dass an sich schon 
die Gelegenheit, den Ablativ zu gebrauchen, seltener war. 



V 



— 60 — 



Y 



-- 61 -- 



« I 



So lag eine Berührung der beiden Kasu^ /. B. noeli in 
folgenden Fällen nalie, wo ans dem ai. nur der Instrumentalis 
überliefert ist. 

Leben von etwas: (die Kuh) ydija manusija jivanti 'von 
der die Menschen leben' T. S. 1 7 2 2. 

Geniessen, Nutzen haben von^ durch: d nirarfa nl var- 
fajia pünar na Indm gd dehl jiräbhi r hliunnjinna]iai"\]m- 
wender, wende um, gieb uns unsre Kühe wieder, Indra; von 
ihnen, den noch lebenden, mögen wir Nutzen haben' R. V. 
10 9 6. 

Aufrichten, erfrischen durch: ün no vtrdn arpatja hhe- 
sajebhih 'richte unsere Mannen auf durch Arzeneien ' 2 88 4. 

Uberfluss haben an u. a. nrbhir nrvdntah st/ama an 
Mäiniern mögen wir reich sein' 7 41 8. 

Allerdings k(innen wir bei diesen Fragen kein sicheres 
Urteil gewinnen, weil uns die Hauptsache fehlt, das lebendige 
Sprachgefühl. Wir lassen uns hier zu leicht durch unser eig- 
nes Sprachgefühl leiten. Sehr nn't Recht he])t Scholl (Arch. 
f. lat. Lexicogr. ll 214) diesen Umstand bei der Beurteilung 
ginvisser Phrasen aus der lateinischen Syntax hervor (n parte 
alkuius Stare; de piano 'auf Jemandes Seite stehen; auf 
ebener Erde u. a.). 

Mit dieser Reserve führen wir unsere Aufzählung weiter. 
Vertauschung von 

2) Lokalis und Instrumentalis 
z. B. in folgenden Verbindungen: jdyema sdm t/ndJu sprdhah 
'möchten wir in der Schlacht die Gegner besiegen ' R. V. 1 8o. 
nrsdhye msahvdii amiträn 1 100 5 'im Männerkampf 
besiegend die Feinde'. 

Seltener der Instrumentalis: sä^aJivdnsam t/udhdmitran 
8 16 10 'durch die Schlacht die Feinde besiegemr. 

Dasselbe Verhältnis zwischen Lokativus und Instrumen- 
talis besteht bei: Waschen in und mit Wasser etc. 

d,svö na niliö nadisu ^22 'Wie ein Ross gebadet 
im Flusse'. 

nentkte apsu 9 71 8 'Er wird gewaschen in den 
Wasseni '. 

Mit Instrumentalis: JcHrena snatah lüyarasya yose 
1 104 o 'in Milch baden die beiden Weiber des Kuyaval 



> 



A 



•I 



V 



T 



Auch bei den Verben 'sich freuen' etc. stehen beide 
Kasus in gleichem Verhältnis (vgl. auch deutscb: sich freuen 
iiber, an, mit etw.): z. B. visve deca ha vis? mädayadhvam 
G 52 17 'o alle Götter ergötzt euch an dem Trankojiter'. 

indre harijnnitlr, risö aranisuh 8 i:> IG 'an Indra 
hal)en sich die oi)ferversehenen Leute erfreut'. 

Dagegen Instrumentalis: mdtsra mandihhih stome- 
hhih 1 9 ;> 'erfreue dich an den erfreuenden Liedern' (vgl. 
jedoch auch Delbrück: Ai. Synt. §78 p. 11 8 f. §90 p. 132). 

8ehr nahe lag eine Berührung und Verwechselung zwi- 
schen Lokativus und Instrumentalis bei der Verwendungdieses 
letzteren Kasus als Prosekutivus. Als solcher bezeichnet er 
„den Raum, durch welchen, über welchen hin die Bewegung 
stattfindet^^ (cf. Delbrück: Ai. Synt. § m p. 128 Abi. Lok. etc. 
p. 53) oder „den Raum, mit dessen Zurücklegung eine P>ewe- 
gung voranrückt" (Brugmann: Gr. Gr. 2. § 187 p. 210). Ebenso 
wie die Raumerstreckung wird auch die Zeiterstreckung durch 
den Instrumentalis nicht eben selten im Ai. bezeichnet. Bei- 
spiele für den Prosekutivus bieten das Slavische, Avestische, 
Griechische (cf. für das griech. Brugmann a. 0.; für das av. 
llübschmann: p. 254 263 f. Zur Kasuslebre). 

Für das Italische werden wir unten einige Beispiele gel)en. 

Der Ikdeutungsunterschied zwischen solchen Aerbindungen 
und lokativischeu ist äusserst gering. Für den Lokativus P>ei- 
spiele zu geben, ist unnötig; für den Instrumentalis führt Del- 
brück an z. B. 

antdrikseria ydtave 9 G3 8 'um durch den Luftraum 
zu wandeln'. 

ä Irsnena rdjasä vdrtannlnah 1 35 2 'sich durch 
die schwarze Finsternis heranbewegend '. 

Noch näher lag dem Lokativus z. B.: 

ydthdl'6'etrajrw 'nyena pathd ndyet 'als ob einer, der 
der Gegend unkundig ist, auf einem solchen Wege iuhrte' S. 

1> 1 *-> *> 'O w) 

1>. J.J. J. i). 1. 

piirvihhir lü dadüs'nnd sard dhhlr maruto raydm 
dvöhlm carmrilndm 1 8G G 'wir haben euch ja viele Jahre 
hindurch, o Maruts, gehuldigt mit den Labungen der Menschen'. 

dyühhlr aTituhhlh pdri pdtani asnnui 'die Tage und 
Nächte hindurch schützet uns' 1 112 25. 

Die Möglichkeit einer Verwechselung beider Kasus laic 



- 62 - 

auch nahe bei Verben wie: Ftiliren mit einem Wagen, Schiff 
etc., reiten auf einem Pferde etc. 

Die Unterschiede der Be(lentnn<>* sind nur nnl)edeutend, 
ol) man den Instrum. oder Lokati vus setzt; nur die jedesmalige 
Auffassung der Thatsache ändert sich, diese selbst bleibt die 
gleiche. 

Für <len Lokativus führt Delbrück nur ein Beispiel an: 
armncam tvü siilhe rdf/ie vahatcun indra keslnä o 
41 9 'hierher mögen dich in deinem schönen Wagen die mäh- 
nigen Rosse bringen, o [ndra\ Der Instrumentalis ist hier 
viel häufiger: 

z. B. vdhamano dsvaih 7 4;") 1 'fahrend nut Rossen'. 
navä yantam ?> ;V2 44 'die mit dem Schifte fahrenden \ 
tarn üJiathur näuh/nr atmanrdtibhilj 1 IKi *} Men 
führtet ihr beide auf beseelten Schiffen'. Auch der 



3) Ablativus und Lokativus 
endlich boten Berührungspunkte dar, z.B.: Trinken aus einem 

(fCfilSS. 

dpad dhötrdd ntd pöträd mnafta 2 :J7 4 'er hat 
aus dem Gefässe des Hotar getrunken, aus dem (lefftsse des 
Potar sich berauscht'; und lokativisch: 

sömam apihac camusu :] 48 4 'er trank den soma 'in 
den Schalen' d. h. er trank so, dass sein Kopf oder seine 
Zmige sich in der Schale befand' (cf. Delbrück Abi. etc. ;i:J), 
vgl. hierzu griech.: Triveiv ev TroinpiLU gelegentlich neben ex 
TTOTripiou, und E 112: büuKe cTKucpov iL irep tTTivev (Delbrück 
Synt. ¥. IV p. 061'.). 

Empfangen etc. von Jemand: adharn/or vä prdtjafatn 
sakra hdstäd dhofur vd ijajnam hdrJsö jusasm .-] 3;") Kl 
'Geniesse, o Mächtiger, die aus der Hand des Ad bar vu oder 
des Hötar dargereichte Gabe des Oi)feis', 

und: rjräv indrotd ä date hdrl flsasya sfindvl H ;")! 
If) 'er empfing seine bräunlichen Rosse von Indra, dem Sohne 
des EJcsa\ 

Die Erklärung dieses auch im Griechischen wahrschein- 
lich vorkommenden Lokativus s. bei Delbrück: Synt. F. I\' p. ;')(>. 
Bei Verben wie: sich stützen, vertrauen u. a., wo nach 



y 



\ 



i 



V 



\- 



- 63 — 

(lentsclicr Anffi,,s«nn- der Ablativus neben den. Lok.ifi>ns be- 
rcchtif<t wäre, bietet das Ai. nur den letzteren. 

Bei derartigen, teils dureli Älnilicl.keit. teils durch den 
tTCgensat/. verwandten Be-ritten und Rcdewendnu^^eu also 
entstand der Synkretismus. Welche Oruppen in. Italischen 
speziell die Verwechselung der Kasus zuerst anuahnie.., kimi.en 
wir natürlich nicht mehr ei-kennen. 

S -2. Die Ursachen der Kasusi-eduktio.i ini Italischen. 

Nach den Austuhrunj.e.. des Kap. I wu.-.Ic das Svsten. 
der idff. Kasus in. üritalische.. f..l-ci.de.-massen un.-ewandelt- 

Ls.sehAvand: der Instrun.cntalis s- auf -ö{m) -«(///, -/,„/) 
-v(m); der der konsou. Stämme blieb erhalten. 

Es blieb: der Ablativus sg. der -o-St., welcher sich ana- 
los-isch auf die andere ausdehnte; der Lokativus s«-. bei allen 
Stamn.klassen. 

Es schwand: der Ablativus ]>]. der -o-Stämme: der alte 
Instrumentalis pl. der ä-Stämme und zum grossen Teil ihr Lo- 
kativus und Ablativus pl. ; der Lokativus ,,1. der iibrigen 
Stämme. " 

Es blieb: der Instrumentalis und Lokativus 1)1. der -o- 
Stänime. 

Neug-ebildet wurde der Instrumentalis (zugleich Lokati- 
vus) 1)1. der «-Stämme ; der Ablativus-Instrumentalis pl. der 
(I-, i-, «-, kons. Stämme aus Kontamination beider Endungen. 

^'on den drei Kasus waren lautgesetzlich zusammen.'e- 
lallen: 1) der Lok. sg. der /-St. auf -e m.d der Instrum so- 
der kons. Stämme anf -e; •>) der Instrumentalis und Lokativus 
pl. der o-St. auf -rds. 

Analogiseh fiel der Lokativus ,,1. der -«-St. zum grossen 
ieil fort, nachdem der neue Insti-umentalis gebildet war. 

Es fragt sich nun zunächst, weshalb der Instrumentalis im S- 
bei fast allen Stammklassen als lebendiger Kasus anfgegchcn 
wurde. Wenn schon im üritalischen sich bei den o- und -«-Stäm- 
men ein Dat. sg. auf -ö und -« bildete, so lag es ja nahe, dass man 
m Fällen der Berfihrung zwischen Ablativus und Instrumentalis 
den deutlich charakterisierten Kasus auf -d dem anderen vorzog, 
der leicht Misvei-ständnis.sen ausgesetzt war; dasselbe wäi-c daini 
bei den andei-en Stäm.nen (exel. kons.) eingetreten eben nach de.- 
Analogie der o- und «-Stämme. Aber wir sahen, dass die urital 



*- 64 - 



- 65 



ii 



Existenz des Monoplitlion^-eii hier keineswegs g-esicliert ist; so 
k(>nnen wir also auch nicht mit iiir operiren. Der Verlanf 
jener Erscheinung wird viehnehr der gewesen sein: In einer 
sehr tVülien Periode der italischen Urgemeinschaft gab man 
den alten Ablativus der Nicht-o-Stiinnne auf, da er nicht so 
deutlich charakterisiert war, als der der o-Stämme, man bil- 
dete also, wie oben auseinandergesetzt, nach deren Muster 
einen neuen Ablativus. Hatte man im Indischen, wie wir ver- 
niuteten, hi zweifelhaften Fällen dem Ablativus den Instru- 
mentalis vorgezogen, so hatte die italische Sprache mit ihrem 
neuen, deutlichen Ablativus dies nicht nötig. Die neuen Ab- 
lative hatten ja natürlich in einigen Fällen wie der auf -od 
instrumentale Funktion. Traten Berührungen in der Syntax 
ein, so wird das Bild des neugeschatfenen Kasus sich eher 
eingestellt haben als das des Instrumentalis und so allmählich 
jenen verdrängt haben, wie wir es oben ausführten. Endlich 
nnig auch zur detinitiven Aufgabe des einen Kasus das \\)V- 
bild des Pluralis gewirkt haben, in welchem man ja mit einem 
Kasus auskam. Allerdings pflegt sonst bei der Analogisiei'ung 
in den numeri der Singularis der Führer zu sein: „indem ein 
grosser Teil der assimilierenden Kraft dieses numerus von 
seinem viel häufigeren Gebrauch in der Rede herkcninnt, der 
sich zu dem des Plurals ungefähr wie 2 : 1 verhalten wird'^ 
(Ascoli: Das nmnin. Nomen p. hl in: Krit. Stud. z. Sprach- 
wissenschaft;. Im Italischen aber lagen die Umstände iiir den 
Pluralis besonders günstig. Das Kasussystem dieses numerus 
hatte sich folgendermassen entwickelt. 

Bei den Nicht-o-Stännnen hatten die mannigfachen syn- 
taktischen I>erührungen zwischen Ablativus und Instrumentalis 
bei der nahen lautlichen Verwandtschaft der beiden Suffixe 
zu einer Kompromissbildung geführt, welche natürlich nun 
unterschiedslos für beide Kasus gebraucht wurde. Danel)en 
bestand zunächst der Lokativus weiter. Bei den o-Stännnen 
hingegen war der Lokativus mit dem Instrumentalis lautlich 
identisch geworden, der Synkretisnms hier also sofort gegel)en. 
Daneben stand nun der Ablativus (-Dativus). Sein Suffix 
"^'-bhloH wird jedenfalls dem der andern Stämme angepasst 
worden sein, als bei diesen jenes ^-hlios entstanden ^var, wofür 
die oben genannten Formen dniH und hdms Zeugnis ablegen. 
Gegenüber dem vereinigten Instrumentalis und Lokativus aber 






V 



v^ 



wird sie tiberhaui)t nicht recht zum Leben gekommen sein, 
wenn sie auch wie das -hho,^ der andern Stämme zunächst 
einige Instrumentalfunktionen mit übernommen hatte. (Das 
Verhältnis von. Insfr. + Lok. : Abi. der o-St. ist im Rgmda: 
1209 + 797 : 36; das Verhältnis ändert sich auch nicht viel, 
wenn wir auch die Dative auf -hlujas hinzunehmen : statt 36 
erscheint 36 -f 131 = 167.) Die Form auf -öis konnte als 
Instrumentalis ausserdem eben leicht die Funktionen des Ab- 
lativus übernehmen. So wai- also die Reduktion der drei Ka- 
sus auf einen im Plural der o-Stänmie leicht gegeben. Die 
andern Stämme hatten nel)en dem einen Instrumental-Ablativ- 
suffix noch den Lokativus, den sie nach unserer Ansicht eben- 
falls im üritalischen aufgaben. Den Verlauf dieses Prozesses 
k()nnen wir uns folgendermassen vorstellen: die ä-Stännne 
waren einerseits durch den Kasus auf ""-bhos mit den Nicht- 
o-St. assoziiert, andererseits aber durch das Adjektivum mit 
den o-Stämmen, und diese letztere Assoziation war die stärkere; 
sie schuf bei den ^7-St. einen neuen Instrumentalis auf -äis. 
(Nehmen wir an, dass zur Zeit der Neubildung der Instr. der 
o-St. noch ^-öis lautete, dann war natürlich der Instr. bei den 
ä-St. auf *-ciis gebildet und ging dann formell wie syntaktisch 
denselben Weg wie -öü. Die Verdrängung des Lokativus auf 
'äs erfolgte erst, als es bei den o-St. schon -öis lautete). Diese 
Form übernahm natürlich die Funktionen ihres Vorbildes, d. h. 
die Lokativfunktion, was zur fast gänzlichen Aufgebung des 
alten Lokativus führte, und die Ablativfunktion : das alte -hlios 
aber konnte doch nicht vollständig verdrängt werden. Es 
hielt sich noch und ward später, als sein Ursprung vergessen 
war, zum genus unterscheidenden Merkmal gestempelt. Dass 
die ä-St. nicht so radikal wie die o-St. die Kasus reduzierten, 
war eben die Folge ihrer eigentümlichen Stellung zwischen o- 
und Nicht-o-Stämmeu. Im wesentlichen also genügte o bei 
den 0- und ä-Stämmen, die zusannnen ein sehr beträchtliches 
Kontingent in die Reihen der idg. nomina überhaupt stellten, 
(cf. Ascoli a. 0. p. 57) ein einziger Kasus, um die Bezie- 
hungen des Lokativus, Instrumentalis, Ablativus auszudrücken ; 
so gab man auch bei den andern Stännnen den überschüssigen 
zweiten Kasus, den Lokativus auf, der bei den konsonant. 
Stämmen jedenfalls zu unbequemen Konsonanten-Verbindungen 
geführt hatte. Konnten doch Ablativus und Instrumentalis an 



A 



i 






> 



-- ße ^ r 

manchen Stellen der Syntax mühelos seine Funktionen über- 
nehmen. Dass so der Pluralis an Stelle der drei idg. Kasus 
sich mit einem belielfen konnte, dazu hatte der Umstand we- 
sentlich bei^-etragen, dass der lautg-esetzlich bezw. durch Neu- 
bildung entstandene synkretistische Kasus der o- und Nicht- 
o-Stämme jedesmal verschiedene Elemente enthielt. 

So konnte der Pluralis auf den Singularis wirken und 
wenigstens das Faktum hervorrufen helfen, dass überhaupt 
ein Kasus schwand : die Wahl dieses Kasus freilich konnte er 
nicht beeinflussen. 

Im Singularis also blieb zunächst der Lokativus bestehen, 
wenn auch a priori vorausgesetzt werden darf, dass er schon 
im üritalischen einen Teil seines Gebietes an den numerisch 
überlegenen Abl.-Instrumentalis abgab. Das nähere hierüber 
wird im letzten Paragraphen gesagt werden. 

Es blieb aber im Singularis nach unserer Annahme auch 
der Instrumentalis der konsonantischen Stämme auf -e neben 
dem Ablativus auf -id. 

Da die Ursache für den Schwund des Instrum. sg. bei 
allen Stämmen die gleiche war, so muss also ein spezieller 
Grund des -e der konson. Stämme gehalten haben, und das 
ist in der That der Fall. Die konson. und i-St waren schon 7 

im Uritalischen in vielen Fällen vermischt, es riss allmählich 
zwischen ihnen eine immer wachsende Verwirrung ein, vorbe- 
reitet durch altererbte Doppelheiten wie noct- nocti-, ' cwifat- 
und -tati (cf. Brugmann II 727 § 396 p. 290 ff. § 102). Nun 
lautete der Lokativus bei den i-St. auf -e aus, wie der Instr. 
der kons. Es wurde also z. B. ^civitate lokativisch und in- 
strumental verwendet. So wird denn allmählich überhaupt der 
Lokativus der -i-St. instrumental und umgekehrt der Instr. 
der alten konsonantischen St. lokativisch gebraucht sein. Wei- 
ter aber: es lagen bei den -i-St. zunächst neben einander Ab- 
lative auf -id und Instrumentale auf -«, bei den konson. -id f 
und -e. Nun hatten allmählich die Formen auf -id Instrumen- 
talbedeutung erworben und die Instrumentale auf -i verdrängt. 
Auch das -id der konson. Stämme vereinigte Ablativ- und In- 
strumentalbedeutung. 

So lagen denn hier im Streite: -id mit der Funktion 
Ablativus + Instrumentalis, -e Lokativus + Instrumentalis. 
Der Lokativus auf -e blieb wie alle andern Lokative erhalten 



^ 



i 



l 



{ 



- 67 - 

und mit ihm auch der Instrumentalis auf -e. Natürlich hatte 
nun die Form auf -e aucli bei den -i-Ht. instrumentale Funk- 
tion. Sie war stark genug, sich gegen das -id zu halten. Als 
dann im Lateinischen -e > -e ward und so auch mit dem Lo- 
kativus der konson. Stämme auf -e (= idg. -/!, urital. -e) zu- 
sammenfiel, da konnte es erfolgreich den Kampf gegen das -f 
aufnehmen und es zu einem grossen Teil verdrängen; nach 
welchen Grundsätzen dann in der späteren Zeit die Verteilung 
der Formen auf -/ geregelt wurde (und ebenso die der Akkus, 
auf -im, ntr. pl. auf -ia, gen. pl. auf -mm), ist nicht mehr zu 
ersehen. Wenn aber die Participia praes. act. in der Kon- 
struktion des Abi. absol. meist -e haben, so ist dies wohl als 
ein Reflex des alten Zustandes zu betrachten, da der Instru- 
mentalis (ital. e > lat. e) ein grosses Kontingent für diese 
Konstruktion stellte. Die Lokative der „III. Dekl." auf -i 
wie rm% pergri, Carthagim, Ächerimti, Sicijoni, Tiburti, 
temperi, heri u. a. darf man wolil auf folgende Weise sich 
entstanden denken : der Ablativus auf -id wurde in uritalischer 
Zeit in beschränktem Umfange auch lokativisch verwendet. 
Im Lateinischen fiel nun im Beginne der literarischen Zeit das 
-d fort, und nun wurden jene Formen auf -i mit denen der 
o-St. auf -7, die wirklich Lokative waren, auf eine Linie ge- 
stellt, und -i als Lokativausgang auch bei ihnen betrachtet, 
während der Kasus, den man in der „III. Dekl." als Ablati- 
vus betrachtete, die Form auf -e (in Wahrheit Lokativus) jetzt 
das „Herkommen von" ausdrückte. In der klassischen Zeit 
sind jedoch die Formen auf -i vom lebendigen nomen aufge- 
geben, und ein und dieselbe Form bezeichnet das „Sichbefinden 
in" und das „Herkommen von". 

Wir haben also oben angenommen, dass der Instrumen- 
talis der kons. St. auf -e erhalten blieb, weil sonst die grosse 
Verbreitung der Form auf -e in den Dialekten wie auch im 
Latein ein Rätsel bleibt: denn für Lokative auf -e und -e 
allein kann man sie nicht erklären. Diese hätten wie die der 
andern Stämme verloren gehen müssen, wenn sie eben nicht 
irgend eine Stütze hatten. 

In der einzeldialektischen Entwicklung der italischen 
Sprachen, speziell im Lateinischen gab man dann auch den 
Lokativus auf -ei, -ai, -ou bezw. -ü auf, der schon im Urita- 
lischen selten geworden war. 



II 

1(1 



- 68 - 

Das Ümbrische ist in der Erlialtuiig bezw. Aufgabe der 
einzelnen Kasiisformen mit dem Lateinischen den gleichen Weg 
gegangen. 

Das Oskische dagegen überliefert keine Spur der Kasus 
auf -e. Wir nahmen oben an, dass in den oskischen ,,Dati- 
ven" auf -ei der idg. Lokati vus auf -ei (oder auf *-eii cf. 
Brugmann II § 249 p. 603 § 260 p. 613 § 266 p. 620) stecke. 
Ist dies der Fall, so erklärt sich die Aufgabe des Instrum. 
auf -e leicht: denn dieser hatte hier keine Stütze und folgte 
daher der Analogie der andern Stämme. Dann herrschte also 
in einem Teile des uritalischen Sprachgebietes, der (auch da- 
tivisch verwendete) Lokativus auf idg. *-el Die dativische 
Funktion des -ei wurde dann im oskischen verallgemeinert und 
die lokativische auf den Ablativus übertragen. 

Wir müssen nun in einem letzten Paragra])lien durch Bei- 
spiele aus den italischen Sprachen den Beweis datiir erbringen, 
dass der Synkretismus in Singular und Plural zum grossen Teil 
schon in die Periode der italischen Urgemeinschaft zu setzen ist, 
speziell dass der Lokativus sg. der -o-, -^7-, -^^-Stämme schon da- 
mals einen Teil seiner Funktionen an den Ablativus abgetre- 
ten hatte. 

§ 3. Der Synkretismus in den einzelnen italischen Dialekten. 

Wir beschränken uns dabei auf den Singularis, weil unsere 
Behauptung für den Pluralis keinem Zweifel unterliegt. Wir 
bringen die Beispiele aus jedem Dialekt nach folgenden Ge- 
sichtspunkten geordnet: 

1) Ablative in ablativ. Bedeutung 

2) „ „ instrum. „ 

3) „ „ lokativ. „ 

Dann die lok.-instr. Formen auf -e und endlich die Lokative 
der anderen Stämme. 

A. Das Lateinische. 

1) Ablative. 

Wir wählen hier nur die insehriftlichen Ablative auf -d, 
weil sie am deutlichsten beweisen, 

a) in ablativischer Bedeutung 
29. Gnaivod patre prognatus. 



C. I. L. I 



^ 



i 



i 



|v 



- 69 - 

C. I. L. I 32. dedet tempestatehus aide mereto{d) (infolge 

seines Verdienstes). 
190. donum dat Uheiiiß) \ meritod = VI 476 
Notizie d. Sccw. 1890 (Gen.) p. 10. -oniun Q. f, ( Nummio 

Martio donom dedit \ meretod, 
C. I. L. 1 61. (moUaticod) airid (coir)av(it) = XIV 2123 

(von dem .... Gelde). 
181. aere moltaticod. 
Mit ablativ. Präpos. 

I 63. M, Fourio C. f. trihunos | niüitare de prai- 
dad Mavrte dedet = XIV 2578. 
64. 3L Fourio C. f. trihmios | (miUta)re de prai- 
dad fortune dedet = XIV 2577. ähnlich 
530. Hinnad cepit (Beute aus Hinna). 
196. 8. de Henatuos sententiad ebenso 17. 
XIV 2892. dat luhs merto \ pro sed sueq. | ede leigibus | 
ara salutus. * 

XIV 4270. Pouhlilia . . . hoce seignumpro Cn. filiod dedit, 
I 196. 12. pro magistratud. 
IX 782. pro ioudicatod. 
I 196. arvorsu ead ) 
IX 782. arvormi hac \ ^^' ^^9^' 
Die Präposition pro tritt vermöge ihrer Bedeutung sehr 
passend zum Ablativus: ^vorn von einem Punkte aus gerechnet \ 
Dieser Kasus bleibt natürlich auch bestehen, als die Bedeutung 
^für^ eingetreten ist. Dasselbe k()nnen wir für das ümbrische 
-per (s. unten p. 72) annehmen. 

b) In instrumentaler Bedeutung. 

Lex Spolet II 1. 5. lovei horid piaclum datod. Hierzu vgl. 
man die Konstruktion der Verben des Opferns etc. im Alt- 
indischen bei Delbrück: Ai. Synt. § 90 p. 134 und im Avesti- 
sehen: Hübschmann, z. Kasusl. p. 258. 

c) In lokativischer Bedeutung. 
C. I. L. I 196. 15. in {o)quoltod, 

ib. neve in poplicod nem in preivatod; ib. 
Z. 23 in coventionid. 
IX 782. in hoce loucarid stirem ne quin fundatid. 
Nach Wöliflin Rev. crit. XIV 122 müssen wir hierher 



- 70 — 

ziehen auch: Samnio == in Samnio in der Scipioneninsehrift 
C. I. L. I 29: Taurasia CLsauna Samnio cepitj da man von 
Ländern niclit sage ' cepit\ sondern 'subegif/. Das fehlende 
-d kann bei dieser Inschrift, wenn sie ca. 20U a. C. geschrie- 
ben ist, nicht auffallen. 

Lex Spoletina I 7. eocl die. Gleich darauf folgt quo die. 
Diese Verbindung, die auch sonst vorkommt (I p. 62 206. 36 
u. 63 p. 120 if.) wird von Havet (Mem. IV 229) ebenso wie 
hodie nicht als Ablativus '"^qnod die\ sondern als quöd die 
(cf. id temporis) erklärt; ebenso hodie = "^hod die, mit ein- 
fachem -d wie ntr. idem für *id-dem. Die Kürze des -o, so- 
wie der Umstand, dass es schon altes Kompositum zu sein 
scheint, machen für hodie jedenfalls wahrscheinlich, dass es 
nicht ablativischen Ursprungs ist, vielleicht auf die Weise 
gebildet ist, wie Havet meint. Den gleichen Ursprung jedoch 
^ für quo die anzunehmen, berechtigt uns nichts, zumal auf un- 
serer Inschrift bei vorhergehendem eod die. 

Nach dem oben über die Glaubwürdigkeit der alten For- 
men auf der Inschrift der Col. rostr. (C. J. L. I 195) Gesag- 
ten, dürfen wir vielleicht für folgende Formen Echtheit an- 
nehmen. 

a) Ablativische Bedeutung. 
Z. 4 f. Macel{amque opidom vi p)ucnandod cepet u. ä. 
Z. 10 puc{nandod vicet). 

b) Instrumentale Bedeutung. 

Z. 17. praedad (hierfür natürlich auf dem Original 
praidad) poplom (donavet). 

c) Lokativische Bedeutung. 

Z. 5 f. enque eodem mac{istratud hene r)em navehos 
marid consol primos c(eset). 
Z. 10. in altod marid. 
Über die andern -^-Ablative vgl. das Folgende. 

2) Die lok.-instr. Formen auf -e. 

a) Ablativisch. 
C. I. -L. I 29. Gyiaivod patre procjnatus. 
181. aire moltaticod. 
Ein indirektes Zeugnis glaubten wir dann in den Abla- 
tiven der Col. rostr. auf -ed erblicken zu dürfen, indem wir 



r 



Y 



> 



i 



\ 



— 71 — 

annahmen, dass der Kopist hier die im Original vorhandenen 
Ablative auf -e mit -d versah. Es gehören dann hierher: 

Z. If. {op I sidio7ie)d exemet. 

b) Instrumentalisch. 

Z. 17. nacaled praedad poplom {donavet) undi der abl. 
absol. {modal): 

Z. 9 f. praesente{d hanihaled ) Dictatored. 

Diese würden also ein : opsidione (?), navale, prae.sente, 
dictatore für das Original erschliessen lassen ; in navale hätten 
wir dann eine Bestätigung unserer Behauptung zu erblicken, 
dass der Lokativus der i-St. auf ital. -e auch instrumentalisch 
verwendet wurde. 

3) Lokative der anderen Stämme. 
Inschriftlich nur I 54. Komai und 

I 199. Romae. 
Über den Umfang des Lokativus auf -i und -ae im La- 
teinischen s. oben p. 26 u. 28. 

B. Das ümbrische. 
1) Die Ablative. 
a) In ablativischer Funktion. 
V 9. a k r u t u rcvestu | emantu herte ' ex agro re- 
vidto (sc. hostias), emine oporteat\ 
VI A. 8 f. Verfale — eso tuderato est: angluto \ hon- 
domit .... anglome somo . . . ähnlieh 10 
(bis) ' Templum . . . sie finittim est: ab an- 
gulo imo .... ad ayigulum stimmum\ 
VI B. 54. eetu eh es u p op l u ' eito ex hocpopulo' ; 7iosve 
ier ehe esu poplu^ nisi ibitur ex hoc populo \ 
VII A. 46 f. primmtur diir tefruto Tursar eso tasetur^ 
pe7*snihimtimo 'prinovati duo ex rogo Tur- 
sae sie taciti precantor\ 
Auch VI A. 2 ist wohl hierher zu stellen: 

tremnu serse arsfertiire ehveltu stiplo ^ a 
tabernaculo sedens (?) flaminem iubeto sti- 
pulari'^). 



1) Prof. Briigmaiiii macht mich darauf aufmerksam, dass die 
Stelle klar ist, wenn man tremnu als Lok. eines -u-^i. auffasst 
{treinnu zu trebeit ' versatiu^' osk. iviihixm'aedificium' a,ua Hreb-7i-). 






— 72 — 

II A. 38 f. maiif easa | viitii ' manus ex ara lavito\ 
III 23. testru sese asa ebenso IV 15*) ' dextrovormH 
ab ara\ 
VI A. 9. porsei neshnei asa devela est ' qul proxume 
ah ara divorum est\ 
19 f. ocrer \ peJianer paca ' arcis piandae caum\ 
VII A. 27. ahavendu via ecla at er o pople ' avortlto via 
omni malum popido\ 

V A. 12. a^/putrati t'ratni Atiie^^iu V^rö^Vm/?^ /W«^rw^^^^ 
Atiedmm \ 

IV 14f. vestisia luefa . . . | skalseta piirfiivitu 

ähnlich 18 ' ve.sticiam nie f am , . . ex patera 
porricifo \ 
VI B. 16 f. eno scaLseto vestisiar eru,s , , , | dirstu'tuni 

ex patera vesticiae eriis . . . | dato \ 
Wir bringen ferner hier die Fälle, wo Ablative mit der 
Po.stposition j^er verknüpft sind. Dieses hat seine ursprüng- 
liche Bedeutnni,^ (über welche Stolz: Arch. II 497 ff.) verloren 
nnd mit der des lateinischen 'pro' vertauscht (oder per = 
Tuepi m betreff j. 

I B. 2. pnpluper tutas linvinas ' pro popiilo urhis 
I(juvinae\ Vgl. noch VI B. 43. 45. VII A 
3f; 6f; 9. 10. 18f; 21 f; 24. 26. 32. 35. 37. 
41. 53. 

ib. tut aper Ikuvina 'pro urhe T^tivina\ Vgl. 
die v(»rigen Stellen und VI A. 23. 25. 34. 
35. 43. 45. 53. 55. 58. B. 1. 3. 6. 6 f. 9 
14f. 19. 22, 2^. 2^. 35. III 24. 29. I A 5 
8. 12. 15. 19. 21. 25. 29. 31. 
11 A. 21. Petruniaper natine II A. 35 'pro Petronia 
natione \ 
B. 26. Vusiiaper natine 'pro Vocia natione\ 
III 25. trefiper liuvina ebenso III 30 'pro trihu 
Igtivina \ 

I A. 5. wkriperFisiubezw.VIA.23ocr?>e>«i^z\siM 
>ro arce Fisia\ Vgl.: I A. 8. 12. 15 17 
21. 25. 29. 31. und VI A. 43. 45. 53. 55.* 

VIT n . '''^' ^' ^- '^- ^' ^^' ^- ^^^'' ^^- -'• ^6- 2^- ^•^- 
^^' '^- ^- reper fratreca 'pro re con 



y 



V 



i 



I 



• • j 



1) testru selbst imdlV^ supni sese 'sursu,^ sind wohl iusu-u- 
mental (prosecutiv) gebrauchte Ablative. 



— 73 - 

b) In instrumentaler Funktion. 
I A. 4. vatuva ferine feitu, heris vinu (lieris puni) 
' vatua ferione facito, vel vino (vel posca). 
Vgl. auch I A. 22 B. 6 f. II B. 9 f. 29; ähn- 
lich II A. 2h, 39. B. 20. 
VI a. 57. heri vinu (herlponi) fetu. Vgl. auch VI B. 

19 f. 46. 
II B. 17. vaputu Sasi luvepatre prepesnimu 'ture San- 
cio lovi patri praefamino\ 
19 f. ranu pesnimu ' aqiiae profusione mpplicato\ 
IV 23. pruzuf^e kebu . . . persnihmu ' prost ayite cibo 
.... supplicato\ 

II B. 22, eruhu tislu sestu luvepatre ' eadem dicatione 

sistito lovi patri\ 
III 12. pir perskluu^etu ' ignem cum suppUcatione 
adoleto\ 
31. eruku aruvia feitu ' cum eo arvia facito\ 
IV 29 f. esuku | esunu utfetu 'cum hoc rem divinam 
adoleto \ 
VI B. 15 f. Pesclu I semu vesticatu ähnlich VII a. 8. 20. 
34. 24. ' Cum precatione simul lihato\ 
36. persclu sehemu atropusatu ' cum precatione 
simul tripodato \ 
VI a. 25. tio esu hue peracrei piJiaclu (ßc. suhocavu) 
'te hoc hove opimo piacido {8c,invoco)\ Vgl. 
2^t', 35. 38. 43. 45. 48. 
B. 28. tiom esu sorsti persondrii Tefrali pi- 
haclu (sc. subocavu), ähnlich 31, 'te hoc 
suiJlo persontro Tefrali piacido (sc. invoco) \ 
VI B. 50 f. erucoin prinvafur dur \ etuto 'cumeo'pri- 

novati' duo eunto\ 

II A. 29 f. katlu purtu vitu, a m p e rf i a persnihmu, a s e s e t a | 

karne persnihmu, venpersuntra persnihmu 

' catulum porricito, qua pes deficit (Bücheier: 

ümbr. p. 133) supjjUcato, 7ion secta carne 

supplicato, vempersontra suppUcato \ 

II B. 18. V e p e s u t r a pesnimu ' vempesontra suppUcato \ 

1 3. persutru va putis m e f a v i s t i s a f e t a fertu 'per- 

sontrum turihus mefa vesticia facta ferto\ 

III 12 f. uvem | kletra fertuta ' ovem lectica ferunto\ 



— 74 — 

IV 24. kletra veskles | viifetes sevakiiis persnihmu 
'lectica vasciiliH consecratis aollemnihus sup- 
plicato \ 
VI A. 54. tio cotnohota trihrlsinebtio peracnio (sc. fiu- 
hocavu) 'te commota Hnpedicione houni ago- 
nalium (sc. invoco)\ 
VI B. 5. vestisia et mefa spefa . . . fetu Fisovi " ve- 
sticia et mefa spefa . . . facito Fisovio\ 
6. eHO pers7iimu v est isla vestis ' sie precator 

vesticia libans\ 
9. mefa spefa eso persnimu 'mefa spefa sie 
precator" ähnlich 9 noch einmal. Vgl. auch 
14. VII A. 37. 
• VI a. 30. futu fosj pacer pase tua ocre Fisi ' esto vo- 

letiSj propitius pace tua arci Fisiae\ Vgl. 
33. 40. 43. 50. 52. B. 11. 13 f. 32. 34. 61. 
(pase vestra) VII A. 14. 17. 31. 50. 
II A. 32. iepru eriis mani kuveitu 'ante ea erus manu 
congerito \ 
VI B. 24 f. eam mani \ nertru tenitu ' eam manu sini- 
stra teneto\ 
Inscr. min. I p. 112 maronatei \ Vois. Ner, Propartie ' ma- 

ronatu Vois. Propertii Ner. f\ 
I A. 4. heris vinu heri puni (sc. feitii) 'posca'-, vgl. 
oben die Stellen für mnu und ausserdem I a. 
13. 16. 26. 32. B. 3. 25. 29. 32. 44. II a. 
7. 11. 13. 20. 24. 25. heri poni VI A. 57. 
B. 39. 221 44. VII A. 4. 7. 41 f. 54. 
II a. 38. umne sevakni persnihmu ' unguine sollemni 
supplicato \ 

39. vinu sevakni tasez \^ermihmi\ ' vino sollemni 

tacitus supplicato \ 

B. 20. puni pesnimu ' posca supplicato'. 

VI a. 2ö. hueperacrei(sc.suhocavu) 'hom opimo (sc. 

invoco) ' vgl. 28 f. auch p e r a c r i 35. 43. 45. 48. 

VI B. 2^. esu sorsu .. Tefrali (sc. suhocavu) 31. 'hoc 

suillo . . Tefrali' (invoco). 
Als instrumentalen Ablativus fasse ich auf V a. 1 f. Esuk 

frater Atiie^iur | eitipes uhtretie | T. T. Kastrusiie. 15. 

' Jta fratres Atiedii censuere . . . auctoritate T. Castrucii T. f \ 



\ 



i m 



— 75 - 

uhtretie bezeichnet wie maronatei die begleitenden Um- 
stände: so sind denn auch instrumentalisch die Ablativformen 
in folgenden Abi. absol. 

V a. 7 f. revestu pu^e teerte | eru emantur herte 'revi- 

sito, quo dante eas emi oporteat\ 

VI A. 1. Este persclo aveis aseriater enetu parfa 

curnase der s v a, p e i q u p e i c a m e r s t u ' Istud 
sacrificium avihus observatis inito, parra cor- 
yiice prospera, pico pica legitumo\ 

Aus der Verwendung des Instrumentalis als Prosekutivus 
erklärt sieh der Ablativus in folgeuden, scheinbar lokativischen 
Verbindungen. 

I B. 14. vea aviekla esunume etu 'via augurali in 

rem divinam ito\ 
I B. 23. erahunt vea simu etutu prinuvatus ' eadem 
via retro eunto prinovatV. 
III 11. via m er Suva arvamen etuta 'via solita in 
arvom eunto\ 
12. erak pir persklu ur/etu 'ea ignem cum sup- 
plicatione adoleto \ 
VI B. 52. via aviecla esonome etuto ' via augurali in 
rem divinam eunto\ 
65. prinvatur simo etuto er a fönt via, pora 
henuso ' prinovati retro eunto eadem via, qua 
ventum erif . 
VII A. 11. prevendu via ecla afero tote Tarsinate ' ad- 
vortito via omni malum civitati TardinatV. 
Auch VI A 5 f. sersi pirsi sesust, poi angla \ aseriato est, 

erse neip mugatu nep arsis andersistu ' sede 
qua sederit, qui oscines \ ohservatum ibit, ea 
nee muttito nee alis intersidito' 
kann so erklärt w^erden. 

Wir kommen endlich zu einer Reihe ablativischer Formen, 
die mit der instrumentalischen Postposition -ku, -co, -kum, -com. 
komponiert sind und lokativischen Sinn haben. Die Bedeutung 
von kum ist in diesen Fällen 'bei'; diese hatte sich aus dem 
Begriff der Begleitung, dann des ' Sichbetindens bei, in der 
Nähe von' heraus entwickelt; die spezifisch soziative Bedeu- 
tung war daneben nicht untergegangen. Zu dem Gebrauch 



76 — 



77 - 



i 



« 



von kiim mit dem Ablativiis, den wir auch aus dem Oskischen 
kennen lernen werden vg;!. die Konstruktion des avestisclien ma]) 
bei Hübsclimann (z. Kasusl. p. 240). 

I A. 29. testruku \)edi kapi^e pe^/um feitu 'ad äex- 

trum pedem capldi fo,smm facito\ älinlieli 

ib. 32. nertruku perH etc. 'ad smistrum pedem\ 

VI B. 24. destruco persi vesüsla et pesondro sovHom 

fehl 'ad dextrum pedem vesticiam et per- 

sonfrum suillum facito\ 

38. destruco per.si persome erus dirstu 'ad 
dextmm pedem in fossam erus dato\ 

37. Pesondi'o staflare nertruco persi fetu 'Per- 
mntrum stahuJarem ad sinkt rum pedem 
facito \ 

39. nertruco persi sururont erus dirstu 'adsi- 
nistrum pedem itidem erus dato\ 

43. Vocucom loviu vitlu toru trif fetu 'ad 

aedem loviam . . . vitulos tauros tris facito ' 
ähnlich 45. 

53. enom termnuco stahituto 'tum ad terminum 
stanto\ 

II a. 39. asaku vinu persnihniu ' apud aram 

vino .... supplicato\ 
43. katel asaku pelsans futu 'crtfH7?«,v apud aram 
pelsandus esto \ 
V 5 f. prehabia })i^e uraku ri esuna si herte ' prae- 
hibeat quidquid ad illam rem divinam \ sit 
oportet, 

III 28. iuka mersuva uvikuni habetu ' orationem so- 
litam apud ovem habeto\ 

c) In lokativischer Funktion. 

II A. 15 f. Huntia katle tisel stakaz est sumc ustite | 
antermenzaru sersiaru . heriiei fasiu a^fertur, 
avis ' anzeriates menzne kurslasiu fasia tisit! 
' Hontia catuli dicatio statuta est summa 
tempestate intermenstrtiarum cersiarum. si 
velit facere adfertor, avibus observatis mense 
circulario faciat decet\ 

Hier sind Hontia und kurslasiu rein ablativische For- 



y 




men und die Bedeutung ist, wenn die Stelle durch Bücheier 
richtig erklärt ist, rein lokativisch; auch von den im vorigen 
Abschnitte genannten 'Formen kann man ja gut einen Teil von 
demselben Stand|)unkte aus betrachten. Sie trugen jedenfalls 
viel dazu bei das Gefühl für den Lokativus zu schwächen. 

2) Die lokat.-instrum. Formen auf -e. 

a) In ablativischer Bedeutung. 
VI A. 20. eo ISO ostenduy pusi pir pur et o cehefi dia, 
Bücheier übersetzt 'eos sie adhibeto, ut ignem ab igne 
accendendo inflaniniet' (p. 51), während Breal (p. 59) pureto 
als Partizipium zu einem purare auffasst (vgl. mugatu : inuieto 
etc.). Büchelers Interpretation ist aber entschieden anspre- 
chender, ignem. ab igne dare ist eine der umbrischen ver- 
wandte Redewendung der lateinischen Kultsprache. Das -to 
(-tu, -ta) ist das an Ablative tretende, auch sonst vorkommende 
Element, das bis jetzt noch nicht befriedigend erklärt ist. 
Breal (Mem. II 334) identifiziert es mit lat. -tuhi in actutum, 
ohne jedoch den Umstand erklären zu können, dass es grade 
an Ablative gehängt wird. — Die lok.-instr. Form wäre hier 
also ablativisch verwendet, wie oben in Gnaivod patre prog- 
natus. ' 

Neben der Form ocriper FisiUy die wir oben verzeich- 
neten, findet sich auch ein paar Mal : ocreper Fisiu VI a. 25. 
34. 35. Da hätten wir dann die gleiche Erscheinung in eivier 
Verbindung mit Postposition. 

II a. 20 f. Petruniaper natine35. ] cf. oben 
B. 26. Vusiiaper natine I p. 72 

imd VI a. 23. er er yiomneper, erar nomneper (sc. teio 

subocau) 'pro eius (i. e. arcis) iiomine, pro eius 
i. e. urbis) nomine {te invoco). Vgl. noch: 
VI a. 25 f. 34. 35. 43. 45. 54. 55. B. 7. 10. 
15. 2io, 2^. 35 f. VII a. 10 f. 19. 22. 26. 
32 f. 35. 

b) In instrumentaler Bedeutung. 

IV 23. p r u z u ä e kebu s e v a k n e persnihniu ^prostante 
cibo sollemni supplicato\ 
VI A. 59. pone fetu 'posca facito\ 



i| 



- 78 - 

mdn pesiitrii fetu tikamne Iiivie ' suUhim 

persontrum facHo invocat'ione Iomae\ 

aseseta | käme persnihmu 'non .secta carne 

suppUcato\ 

iinine sevakiii persiiiliniu 'ungiüne f^ollemni 

suppIicafo\ 

k a p i 6^ e puues vepuratu ' capide poscae resthi' 

gulto\ 

une pesniiiiu ' ungnine .^itppIicafo\ 

cf. oben. 

arsferturo nomne carsitu 'flaminem nomine 

appellato \ 

Ho esu bue etc. cf. oben. 

pase tuet cf. oben. 

Ho comohota t r i h r i s ine — (sc. fnihocavu) ' te 

commota Hripedicione' (sc. invoco). 

piide tedte \ erit einanhir herte 'quo danfe 

eas^ emi oporteat\ 

parfa curnase dersva cf. oben. 

arsier frite Ho suhocau ' Adii frumento te 

invoco' vgl. noch VI B. 8. 15. 27. VII A. 

20. 23. 33. 36. Wegen 'frite' = 'frumento' 

vgl. Pauli: Altit. St. V 114 f. 

c) In lokativischer Funktion. 

I a. 4. vatiiva ferine feitu vgl. 13. 22. B. 3. 6. 2i'). 

VI a. 57. vcituo ferine fetu y^lB.lA9. 431 4i\ VII 

a. 4. ' vatua ferione facito' cf. Bücheier p. 63. 

Dort deutet B. auch III 31 sakre vatra ferine feitu und 

erklärt vatra, welches viele für ein Versehen statt vatuva 

hielten, als ein besondres Adjektivum. 'ferine' quasi 'in fe- 

retro'. Dann haben wir denselben Fall wie in nienzne kurs- 

lasiu; der Abi. fem. vatra ist in einer direkt lokativischen 

Funktion gebraucht. Bei der Unsicherheit der Bedeutung aber 

haben wir den Fall nicht notiert. 

I B. 20. apretu tures et pure ' amhito tauris et igne\ 
II A. 17. menzne kurslasiu 'mense circulario\ 
Zum Schluss überschauen wir das Gebiet des Lokativus 
bei den anderen Stämmen. 



11 A. 8. 




29 f. 




38. 




41. 


B. 


20 f. 


IV 


23. 


VI a. 


17. 




25. 




30. 




54. 


V A. 


7f. 


VI ii 


L. 1. 


VI A. 


24. 



y 



'<^ 



y .^* j 



I 



y 



<:• 






- 79 - 

3) Die Lokative der anderen Stämme. 

Wir können hier bei den -o- und ä-Stämmen nicht scharf 
scheiden zwischen Lokativus mit und ohne iii, da dieses als 
Postposition mit der Endung des Lokativus -e gern verwächst. 

II a. 13. tra ekvine fetu 'Irans eqiiinum facito'. 

I B. 31. tra säte tref vitlaf. feitu ähnlich VII a. 41. 

'trans sanctum tres vitulas facito\ 
I B. 41. super kumne 'super comitio' (Buch. p. 33). 
IV 19. super eresle 'super sacrario\ 

17. supu eresle ' sub sacrario\ 
IV 15. apehtre eigentlich ah "^extre cf. direi Buch, 
p. 164. 
II B. 14. s V i s e V e fertu pune, etresviseve vinu fertu, 

tertie | sviseve utur fertu. 
Die Etymologie des Wortes ist dunkel, (vgl. über die 
Bedeutung der Stelle Buch. p. 145). Die Erklärung als Lo- 
kativus jedoch ist sicher. 

II B. 28 f. testre e uze habetu | krikatru 27 'indextro 
umero habetu cinctum\ 
VI B. 4. mandraclo ... destre hahitu 'mantele in 

dextra habeto'. 
VI B. 50. erihont aso destre onse fertu ' idem arsum 
in dextro umero ferto\ 

III 13 f. arven kletram | amparitu 'iw arvo lecticam 

conlocato '. 
V A. 6. pure es une sis 'qui in divino sint'. 

VI A. 26. persei ocre Fisie pir orto est ' si quis in 

arce Fisia ignis ortus est' el)enso A. 36. B. 
29 (perse). 
46. pirse ocrem Fisiem pir ortom est. 
I B. 27. Rupinie e tre purka . . . fetu 'In ruhinia 
tres porcas . . . facito\ ähnlich 

VII A. 6. Eubine porca trif . . . fetu, 

I B. 42 f. eaf iveka | tre ake^/unie fetu Tuse ' eas iu- 

veyicas tres Aquiloniae facito Tttsae ', ähnlich 
VII A. 52 f. eaf acersoniem \ fetu Turse. 

II A. 15. ^wme uiiiite' stimma tempestate' 1112. über 

das Wort cf. Buch. p. 128. 
B. 12. tafle e pir fertu 'in tabula ignem ferto\ 



H 



1 



— 80 — 

VI A. 26 f. tofeme lovine arsmor dersecor suhator 
senty \si) . . . in vrhe Ignvina rifus debiti 
omissi sunt\ 
36. tote lovine etc. ebenso B. 29. 
46. tot eine lovinem (ef. Büclieler p. 185). 

C. D a s s k i s e h e. 

1) Die Ablative. 

a) In ablativiseher Funktion. 
XI (89) Pk. De. Pk. süvad | eitiv npsed 'Fachifi De- 
chisi Pacü f. sua pecunia fecit\ 
In früheren Texten statt eitiv eitie^ welches zuletzt von 
Deeeke (bei Zvet. J. J. i. d. p. 180 n. 17) als Abi. ohne -d 
erklärt wurde. Nach Jordan (Ind. Regini. S. S. 1883 p. 16)^ 
bezw. Mau bei Jordan, ist jedoch auf dem Stein zu lesen: 
eitiv, und diese Form ist dann Abkürzung' für eitivad. 

Die ablativische Bedeutung- weisen wir dieser und einig-en 
folgenden ähnlichen Verbindungen zu wegen der lat. Formeln : 
de HuOj de sua pecunia fecii etc. (cf. z. B. C. J. L. XIV n. 

13. 400. 404.). Wir nennen noch: 
XLI (120) eka : tris(ta) med. kapv. ' sakra . . use | 'haec 
testamento meddix capuaniiH sacra opera- 
vit {f\ 
LVIII (1 38) paakul. mulukiis marai f. meddis — a r ag* e t u d 
m u 1 1 a s [i k ü d], wonach leicht zu erglänzen L VII 
(137) — meddiss degetasios araget[ud . . .] 
und beide Inschriften sind wiederum zu ver- 
vollständigen nach 
LXVI (146) — kvaisstur e i tiu va d m ült a s i k a d kumben- 

nieis tangi | aamanafted, oder Jordan a. 0. 
— kva]isstur kumbenni[e]i[s tanginud] Appel- 
luneis eitiuv[ad pavimeritum (?)] upsannu 
aaman[aff|ed, oder 
LXIII (143) V. aadirans v. eitiuvam paam ! vereiiai . püm- 

paiianai t r i s t a a | m e n t u d . deded eisak eitiu- 
va d V. viinikiis mr. kvaisstur . pump ' aiians trii- 
büm ekak kümben | nieis . t a n g i n u d . üpsan- 
nam | deded . isidum . prüfatted ' T Ihius Adiranus 



t 



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^'-'i 



T 




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1^ 



1 



- 81 — 

Vihii /'. pecuniam quam iuventuti Pompei- 

anae tesfa mento dedit, ea pecunia \ Vihius 

Viiiicius Marae f. quaeMor Pomp eiamis ae- 

dificium hoc conrentuH scito operandum de- 

dit, idem prohaint\ 

Die Redewendung aragetud nndtasikud verg-leiclit sich 

mit lat. aere moJfatico'^ wegen tristamentüd ef. z. B. C. I. L. 

XIV n. 397 ]). 14 ea- testamento. 

tang'inüd i. e. 'sententia' iiaben wir n(»ch auf lolgenden 
Inschriften: 
LVI (136) Oipp. Abell. 

Z. 8 f. püs senateis . tanginüd | suveis . pütürüsi)id ligat[üs] 
fufans 'qui senati sententia sui utrique legati 

erant\ 
Z. 15. pai teremenniü nm[inikad] \ tanginüd prüftüset 

'quae termina communi sententia prohata mnt\ 
Z. 35. senateis suveis . tangi nüd . tribarakavüm likitud 

'senati sui sententia aedißcare liceto, 
Z. 50. müinikad ta[nl ginüd . patensins 'cowm?^??/ .<?^?i- 

tentia aperirvnt (sc. tliesaurum)\ 
LXX (150) k]vaisstur 1 t]anginud | . . . u. dcdet . . '^?<rt^- 
stor sententia . . . tun dedit . . .'. 

LXXI k]vaisstur | . . . . kü]mparakineis | ta]n- 

g-in. aamanaffed ' quaestor . . consilii senten- 
tia mandavit. 
CXLII (231) Tal). Baut. 

Z. 3. ... deivast maimas carneis senatei^ tangi- 
nüd 'iurahit maximae partis senati sententia', 
Z. 7 f. idic siom dat sena[teis] \ tanginüd maimas 
carneis pertumum ' id se de senati sententia 
maximae partis perimere\ ferner 
ibid. Z. 6 f. mais egm[as tovti]cas [a]mnud pan pieisum 
hrateis avti cadeis amnud ' magis rei pid)- 
licae causa quam cuiuspiam gratiae aut in- 
iuriae causa\ ablativisch auch wohl: 
ib. 11. nep fe[f]acid, pod pis . . . min[s]deivaid do\l] 
ud nialud ' nere fecerit quo quis,., minus 
iuret dolo malo\ 
ib. 20. svaepiscenstomen nei cehnust dolud mallud 
"si quis in censum non venerit dolo malo' 

G 



— 82 — 

mitl nach Bücheier: Commentat. in hon. Moms. 
p. 231. 

Cipp. Abell. Z. 11 f. sakaraklüm herekleis | slaagid püd ist 

'sacrum Herculis e regione quod est (slaa- 
gid 'e regio7ie\ i. e. in compectu et ad 
U7ieam hidus monumenti co7itra positum) 
(ßücheler a. 0.). 

Ferner mit dat = de 'in Betreff, über\- 

Tab. Bant. Z. 8. Pis pocapit post exac como7io hafie[s]t med- 

dis dat castrid lovf[rud] 'Qui qtia7idoque 
post hac co7rntia hahehit 7nagistratus de fimdo 
Ubero \ 

Z. 10. 7iep fe[f]adt, pod pis dat eizac egmad 
7nin[s] deivaid ' neve fecerit quo quis de 
illa re mi7ms iui*et\ 
Zn post exac 'post hac' cf. ib. Z. 23; und Z. 29 post 
ezzuc. Wegen ^o.f c. abl. vgl. „mbr. pns, post c. abl. Bü- 
cheier: ünibr. p.^01. 

Weiter haben ablativische Bedeutung: 
Tab. Bant. Kif. eisuce7i ziculud \ zicolo7n XXX 7iesimn7n 

como7iom 7ii hipid 'ah illo die diem XXX 
proximum comitia 7ie hahuerit\ und 

LXn (142) .... ekass . viass | . . medikeis püm- 

c' ..• ,. paiianeis | serevkid . imaden . uupsens \M, 

Suttzus . . . ^^ Pontius . . aediles) . . . hus vias . . meLs 
Po7npeiani cura ah ima {parte) operati sunt\ 

Mit ^n. = umbr. -pru (iepru II a. 32) verbunden finden 
wir den Ablativus an folgenden Stellen: 

Tab. 14. p7^u meddixud ebenso 20 'pro 7nagistratu\ 
laD. ^4. pru 7nedicatud7nanim aserum 'pro iudi- 
cato 7nanti7n asse7*ere\ 

(Amt ^^! n ■■ ^'7't ^*'' ''"" ^"^'"""" ^^" ^^''^ '>^t Pa«« 

(Altit. bt. 11 p. 7t ff,) vermutet: 

Z. 2. [pru]d safinim sakfaraklud] ; vgl. über *nrnd 
uebeii pru speziell p. 109 

CLXYa.(258a) Ladinod ' Lari7io\ 
CLXIX (263) akudunniad ' Aquilonia\ 
CLXXII a. (266 a) aurunkud 'Aurtmca\ 



A 



i 



I 





— 83 — . 

CLXXIII a. (267a) tianud sidikinud 'Team Sidicino\ 
CLXXIII b. (267 b) tianud 'Teano\ 

b) In instrumentaler Funktion. 
Tab. Bant. 19 f. censamur esuf m eittiam, poizad ligud 

[io]sc ce7istur censaum angetuzet ' censetor 
istic [Danielsson bei Pauli: Altit. Stud. III 
173] et pecimiam, quoia lege ii ce7isores ce7i- 
sere proposuerint \ 
ib. 21. esuf comeneilamatir p7\u] meddixud tovt ad 
pra&sentid ' Mf/c [Danielsson a. 0. p. 185f.] 
iTi comitio caedafur pro 7nagistratu populo 
p7*aesente \ 
ib. 23 f. svae pis op eizois . . . | . . ligud acumherest 
'si quis apud illos . . . | . . . lege agere volet. 
Rh. M. 45. 161 ff. II sakrid sakrafir 'hostia sacra7itor\ 

Mit com verbunden, findet sich der Ablativus an folgen- 
den Stellen: 

Tab. Bant, 15. 7ieip mais ponitis com preivatud actud 

' 7ieve magis qui7iquies cum reo agito\ 
ib. 16. pon posmom co7n preivatud U7*ust 'cum 
postremo cum reo orave7*it\ 
ib. 23 f. com\ a[l]trud acum ' cum altero .. agere\ 
Aus der prosekutiven Funktion des Instrumentalis erklä- 
ren sich folgende Wendungen: 

Cipp. Abell. 15 f. pai teremenniü mü[inikad] | tanginüd prüftüset 

r[ehtüd] | amnüd ' quae termina communi 
sententia pi^ohata sunt, recto circtiitu\ 
ib. 54 f. anter slaagim | ajbellanam . inim nüvlanam | 
p] Uli ad viü uruvü ist tedur | ejisai viai mefiai 
teremennjiü staiet 'inter regionem Ahella- 
nam et Nolanam, qua via flexa est, in ea 
via media termina stant' und 
LXXX — LXXXIII (160—163) e k s u k a m vi a n u d eituns 
'hoc vico . .' gehört auch wohl hierher, wenn auch das Wort 
eituns noch nicht aufgeklärt ist. 

c) In lokativischer Funktion. 

Wir finden an einigen Stellen die Präposition üp, op == 
lat. apud mit dem Ablativus verbunden. Es sind: 



^gPWPPJ^BeSM 



T~ 



— 84 — 

Cipp. Abell.löT. teer[iim] | püd üp eisüd sakaraklud [ist 

"ferritoritini quod apud id sacnim est'\. 
Tab. Baut. 14. ne pon op tovtad petmiperf iwust ' nisi cum 

apud popuJum quafer oracent\ 

An einer Stelle -laiibt man einen Ablativuf? oiine Prä- 
position in lokativiseber Bedeutung- zu sehen: 

XV (93) nv. vesnlliais. tr. ni. t. | ekik. sakaraklüni. 
b ü va i a n ü d | aikdated^ 
was bei Zvet. so übersetzt ist: Xovius VemUiaeuH Trehii /*. 
meddix tuficus hoc? saceUuni Bovianl aedi/icacit (?). 

Momnisen (ünt. üial. p. 171) wollte es erklären Xocius 
aus Boi'ianum, Büelieler schlug vor liic sacrum a Boviano 
aequidavif. 

Hieber sebeint mir, dass man ekik als 'lue' fassen muss, 
niebt als Iwc zu sacellum (cf. Pauli Altit. 8t. II IGT). Unsieber 
ist die Etymologie von aikdated; die Annahme eines Verse- 
bens (aikdated statt aidkafeti muss auch erwog-eli werden; 
verlangt wird jedenfalls ein Wort, welebes 'bauen o. ä.' be- 
deutet. Da der Ort dureh ekik genügend gekennzeiebnet wird, 
so sebeint mir der Zusatz 'in Bovianuni' übertlüssig. Dass 
hier der Ablativus direkt für den Lokativus stehe, dies an- 
zunehmen, tallt sebrscliwer: grade die Städtenamen bewahren 
gegenüber den anderen Xomina auch noch im Lateinisehen 
den Lokativus. Auch die Annahme von ^[onnnsen befriedigt 
nicht wegen der seltsamen Stellung von büvaianüd. Vielleicht 
haben wir in diesem Worte gar nicht die l)ezeichnung einer 
Stadt zu sehen, sondern eine ähnliche Ikstinnnung wie oben 
in aragetüd multas[iküd etc. Die Etymologie des Wortes ist 
allerdings nicht klar; zunächst denkt man an lat. 7>o.s-, Boclllae 
nnibr. hum etc.' (cf. Zvet. J. J. i. d. p. 97); könnte es nicht 
irgendwie mit der Glosse zusammenhängen, die Festus an- 
führt: ' Bovinatur, conciciatur' (Festus ed. de IVnior. p. 22 = 
p. oU. 12. M.). 

Wir sind also nicht der Meinung, dass hier ein Ablativus 
die Funktion des Lokativus hat. 

ekak endlich XVIII, LXII 2., LXIII 5., LXV (96. 142. 
14o. 145.) könnte ein instrumentalisch (i)rosekutiv) gebrauchter 
Ablativus sein (Pauli: Altit. Stud. TI 107 f.). Die zweite Ka- 
tegorie von Stellen, die lok.-instr. Formen auf-<^-, fällt für das 
Osk. fort. 



r 
II 



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V 



— 85 — 



2) Die Lokative. 

a) Ohne Präpositionen. 

IX (87) 17f. saalitüm tefürümalttrei pütereipid akenei 

sakahiter ' sancfum mcrificiuni in alfero ufro- 
que agone -sancifur' ebenso B. 19 tf. 
LXVI (136) Cipp. Abell. 

17 f. puz idik sakaraklüni | inim idik terüm nuiiniküm | 
m ü i n i k e i t e r e i fusid ' uf id sacrum et id territo- 
riuni conunnne in comniuni ferntorio esset'. 
46 f. ei sei tcrci nep. abel lanüs nep. nüvlanüs pidum tri- 
barakat . tins ' in eo terriforio neque Ahellani ne- 
que Xolani quidquani aedißcavevint\ 

48f. avt. the savriim püd esci . terei . ist ^ at the- 

saurutn, qui in eo territorio est' (cum aperirentj 
cominuni sententia aperirent), 
51 f. pid e[sei] | thesavrei . . . Qh[^iit ' quidquid in eo 
tliesaui'o . . . e.rstat\ 
CXLII (281 . Tab. Baut. 

Z. 5. deivdtud sipus comonei ' iurato sciens in coniitio\ 
ib. 7 f. icic eizeic zicel[ei\ comono ni hipid is illo die 
comitia ne liahuent\ 
ib. 20 f. svaepis . . . . eizeic vi ncter, esuf comenei laniatir 
' si quis .... in eo concincitiir, istic in comitio cae- 
dafur' (Danielsson a. 0.). 
Rh. M. 43 p. 557 if. 

L püstrei iüklei; II. pustr iüklei i. e. ^io.vf^ro 
'^ioculo r)üchelcr ' bei nochmaliger Weisung' oder 'bei 
dem folgenden Opfer' cf. umbr. iuku IIb. 2:]. III 28. 
Ferner folgende Münzaufschriften: 

CLXIVa (257 a) Frentrei ' Frentri\ 
CLXVb (258b) Ladinei ' Larini\ 

Cipp. Abell. Z. 57 f. 

e]isai viai mefiai teremen'njiü staiet 'in ea 
via media termina sfanf . 
Tab. Baut. 19. b\ansae ' Bantiae/ cf. noch 23. 2^, 30. 
Rh. M. 43 1). 128 ft'. 

I ^L virriieis | med . ikia[i] "Virrii magistratu\ 
II 2i. anniei[s] medikkiai ' Annii magist rat u\ 



il 



— se- 
lb. 44 p. 321 ff. 

I 8 f. 1. pettieis . meddikiai ' Pettii magistratu, 
II 9 f. pettieis meddikkiai ' Pettü maglstratu. 
Endlieh auf einer xMünze CLXXXa (273 a) Urinai. 

Deecke bei Zvet. J. J. i. d. p. 183 erklärt dann noch 
als Lokati vns: 

CXLIII (232) Z. 4 f.: kuj | . axepni 'hoc in agro\ indem er 
ergänzt ko[ei] s. altlat. hot- aus *hoei-, 

b) Mit Präpositionen. 
IX (87) Z. If. hürtin | kerriiin 'in temjüo Cereali\ 
Tab. Bant. Z.H. ,svaepis contrud exe i c fefacust ' si quin 

contra hoc fecerit\ 
25 f. sme pis contrud exeic prnhipust \n quis 
contra hoc prohihuerit\ 
Wir suchten oben das Fehlen der ital. Lok.-lnstr. auf -e 
im Oskisehen zu erklären. Könnte man nicht auch statt der 
dort gegebenen Deutung annehmen, dass die kons. Stämme, 
wie den Akkus., Gen. und Ablativ nach dem Muster der -o- 
Stämme, so auch den Lokativus wie jene auf -ei gebildet 
hätten? Wir würden dann akenei (IX 19) mit agine ver- 
gleichen können. 

D. Die kleineren dialektischen Denkmäler. 

1. Die Ablative. 
a) In ablativischer Funktion. 
LXVIII (70) 3. Faliskisch. de | zenatuo sententiad vootum 
dedet 'de senatus sententia votmn dedit' wegen 
de zenatuo = ^def senatuo vgl. Deecke bei Zvet. 
J. J. i. d. p. 179 n. 15. 
LXIX (72;, falisk.-lat., Z.3f. Quei mvels a[,t]utieis opidque 
lolgani Gondecorent sai[pi4sume comvivia loi- 
dosque, 

mt pmY{l) mamiciiiiseh, Z.?,. pruies:*^- ' oro isto' 
s. unten. 

b) In instmmentalisclier Funktion. 
XI (63), pälignisch If. tidad\ vMu'vitta vincfa' (Deecke) 
oder vidad | vibdu omnitu ' vitta redimitum votum' 
(Bugge) oder ' ciderat votum smceptum (ßücheler). 



^. 



y 



i 



I 



- 87 - 

Mir erscheint die Deutung von Deecke das meiste 
für sich zu haben (cf. zu der Inschrift Zvet. .1. J. 
m. d. p. 19 f.). Sehr unsicher ist 
V(7), marruc. Z. 3 [e]kiperu ' aequipero' (sc. modo, Deecke 
bei Zvet. J. J. i. d. p. 174 f.; ebenso 

XI (13), pälignisch Z. 4 firata fertlid, cf. darüber: Zvet. J. J. 

m. d. p. 19f. und Deecke a. 0. p. 177 u. Rh. M. 
41 p. 199; sicherer 

XII (14), päl. Z. 2 casnar oisa aefate \senex usa aetote\ 
XL vi (47), volscisch toticu covehriu sepu 'puhlico con- 

ventu sciente\ anders Deecke: Rh. M. 41 p. 201. 

e) In lokaler Funktion. 

Sehr wichtig wären die beiden folgenden Beispiele, wenn 
die Deutungen gesicherter wären. 
VIII (10), sabinisch Z. 2 f., Poimunien ' Atrno ' aunom elecfum. 

Deecke (bei Zvet. p. 176 n. 7) trennt: poimuni en atrno 
= ' Pomoni in Ärniterno \ Die gewöhnliche Erklärung da- 
gegen 'in Pomoni (sc. aede) Aterno donmn [so Breal, der 
liest d]uno7n] electum\ cf. Zvet. J. J. m. d. p. 13f. und 

XLIII (45), marsisch Z. 3 f.: apurfinem esalico me- 
nurhid casantonio " apud finem hsalicum scitu Camntunio- 
rum ' ; dagegen las Pauli (Altit. Stud. I p. 70, cf. auch Lit. Centralbl. 
1882 Nov.4.)ew tirbid 'in urhe\ was sehr wohl möglich ist. 
Gegen ihn aber schreibt Jordan (Ind. Regim. 1 883/84 p. 6 f.) : ine- 
nurhid casantonia(i) i.. e. 'populi trihuste aut procerum primo- 
rumve decreto\ Da die Interpunktion sehr sorgfältig ist (cf. Jor- 
dan a. b.), so muss man wohl dabei bleiben. Jordan hält den 
titulus für lateinisch, Deecke (ßursians Jahresber. 1887 p. 238) 
für dialektisch gefärbtes Latein. 

Für einen Ablativus in lokativischer Funktion halte ich 

endlich : 

VI (8), marrucinisch Z. 8 esuc agine ' eo agonio\ 

2) Die lok.-instr. Formen auf -e. 

Nur lokativisch: 
VI (8), marruc. Z. 7 lovias agine ' loviae agonio' und Z. 8 

emc agine ' eo agonio\ und 
VIII (10) sabinisch: mesene flui^are 'mense florali\ 



f 



— 88 — 



I) 



3) Die Lokative. 
V (7), marrncinisch Z. P, \m\ ! es ! *k k ü m i oii e i i b i c i Deeeke 
(bei Zvet. J. J. id. ]>. 1471.) übersetzt '^^/-o ista 
conventione in thesauro\ 

Wir liabeii sonst kein Beispiel, dass (xrii mit dem Lo- 
kativns auf -<>/ verlninden ist; aueli der Ablativiis esdOk neben 
dem Lokativus ist sonst nielit bele^it, aiieb an sieb unwabr- 
sclieinlicb. Icli übersetze daber 'pro eo in conrenfione in 
themu)'o\ hie ist Lokativ zu hia: mnbr. hio (Tnser. min. JI 
Bücb. Unibr.), endlieb 

LYIII— LXTL LXI\' (60—02. i]}]h. 64. m.) faliskiseb: he, 
hei, heic 7/ 7c'. 

Die Inscbriften bei Zvet. J. J. m. d. I— V (1— ö) baben 
wir aiis^escblossen, da ibre Ziio-ebörigkeit zum italiseben Spraeb- 
stannne sebr zweitelbaft ist, ef. Pauli: Altit. F. III ]>. :}:}0. 

Die Scbrift von Ru^-e: De ablativi in vett. ling. Ital. 
forma et usu locali Curt. 8tud. 10. 385. 417. baben wir eben- 
falls absiebtlieb niebt näber besproeben: die Dift'erenzen zwi- 
scben seiner und der vorlie^j^enden Abbandlun- beruhen -niss- 
tenteils in der versebiedenen Deutung der dialektiseben 
Denkmäler. 

Der Aufsatz von Max .Müller: „Über Ablative auf -d 
mit Lokativbedeutuno^.'^ Fleekeisens Jabrb. 113 p. ()89tr. ist 
ebenf^ills niebt ein«:ebend besi)roeben, weil wir glauben, dass 
seine Ansiebt, die Ablative auf -d Avären im Lateiniseben nie 
b^kativiseb verwendet, dureb unsere Aufzäblun<>en widerlei;t ist. 

Wir sind also der Ansiebt, dass das Kasussvstem der 
lateiniseben Spraebe seine synkretistiscben Kasus zum «;Tr)ssten 
Teil aus der Zeit der italiseben Urgemeinscbaft überkommen 
bat; nur <ler Lokativus s«;-. war damals noeb als selbstständi<>*er 
Kasus lebendig:. In den Dialekten ist er aucb noeb als soleber 
erbalten und wird aueb mit Präpositionen verbunden. Jedoeb 
bat aucb er sebon einen Teil seines Gebietes an den Abl.-Instr. 
abtreten müssen. Dieser Prozess bat sieb dann im Lateiniseben 
weiter vollzogen. Im Beginne der literariscben Überlieferung 
war er sebon auf sein geringes Gebiet, das er aueb in der 
klassiscben Zeit noeb besitzt, zurückgedrängt. Wie er sieb 
bei der „III. Deklination^' gegen den Ablativus balten kcmnte, 
baben wir oben zu zeigen gesucbt. 

So entstand aus den drei idg. Kasus — Ablativus, Lo- 
kativus, Instrumentalis — der eine lateiniscbe Ablativus. 



V 



) 




% . i. 




r 



Lebenslauf. 



leb, Gustav Hermann Zieler, cvangeliscber Konfession, 
wurde am 27. März 1869 zu Magdeburg als Sobn des daselbst 
am 6. Juni 187(5 verstorbenen Kaufmanns Gustav Zieler und 
seiner Ebefrau Ida geb. Maercker geboren. leb besucbte das 
Gymnasium zum Kloster ü. L. Fr. in meiner Vaterstadt von 
Micbaelis 1878 bis Ostern 1887^ wo icb dasselbe mit dem Zeug- 
nis der Reife verliess. leb besucbte dann die Universitäten 
Tübingen, Leipzig, Berlin, jMüncben, Berlin und widmete micb 
wäbrend dieser Zeit besonders dem Studium der vergleicben- 
den S})racbwissenscbaft, der Germanistik und der klassiscben 
Pbilologie. leb borte die Vorlesungen der Herren Professoren : 
Crusius, V. Scbönberg, Sievers, Spitta; Brugmann, Lipsius, Rib- 
beck, Scbreiber, Sprhiger (f), Wacbsmutb, Windiscb, Wuudt, 
Zarncke (f) ; v. Cbrist, Hofmann (f ) ; Diels, Frey, Kircbboff, 
Rüdiger, Er. Scbmidt, Sinunel, Vablen, Weinbold. In Leipzig 
nabm icb an folgenden Übungen bezw. Seminarien teil : kgl. 
klass. pbil. Proseminar (2 Sem.), pbilol. Gesellscbaft des Herrn 
Geb.-Rat Prof. Ribl)eck (2 Sem.); kgl. german. Seminar (a. 
o. M. 2 Sem.), Sanskritgesellscbaft des Herrn Prof. Windiscb 
(2 Sem.), grammat. Gesellscbaft des Herrn Prof. Brugmann 
(2 Sem.) ; in Berlin beteiligte icb micb 2 Semester an den Übun- 
gen des kgl. german. Seminars unter Leitung des Herrn Geb.-Rat 
Prof. Weinbold. Allen diesen Herren, besonders aber Herrn Prof. 
Brugmann, scbulde icb für die Anregungen und Förderung 
meiner Studien wärmsten Dank. 

Das Examen rigorosum bestand icb in Leipzig am 17. 
Dezember 1891. 



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